Noz
Kontakt

·

Digitalabo

·

Shop

·

Tippspiel

Startseite

|

Deutschland & Welt

|

Kultur

|

Bücher

|

Decksarbeit im Herzen des Reaktors
Bücher

Schrift
 Drucken  Versenden Empfehlen auf:      

Autor: Thomas Schaefer 10. Februar 2012 15:15 Uhr

Französischer Debütroman über die Nomadenexistenz der Kernkraftwerk-Leiharbeiter

Decksarbeit im Herzen des Reaktors

Osnabrück. In Elisabeth Filhols Roman „Der Reaktor“ ist nicht nur die Atomkraft bedrohlich. Der Debütroman der 46-jährigen Wirtschaftswissenschaftlerin Elisabeth Filhol platzierte sich bald nach seinem Erscheinen in Frankreich im vergangenen Jahr auf der Bestsellerliste, zu einer Zeit, da der Name Fukushima in unseren Breiten noch kein Begriff war.

 
1 bis 2 von 2
Die Technik, die Faszination, das Risiko der Kernkraft sind auch Elisabeth Filhols Themen. Foto: dapd

– Anzeige – Ihre Anzeige hier



Meistgelesene Artikel








In der Tat hat Filhol ein erstaunliches Buch vorgelegt, das weit von Katastrophenszenarien entfernt ist, wie sie häufig von der Belletristik zum Thema Kernenergie entworfen werden. Auf knappen 120 Seiten kondensiert das Buch vielschichtige Aspekte.

Natürlich geht es um den „Reaktor“, seine Technik, die mit ihr verbundenen Risiken, aber auch seine Faszination. Der mitunter sperrige Referatston, dessen sich Filhol in diesen Passagen bedient, steht in effektivem Kontrast zur sinnlich und präzise beschriebenen „Story“ des Buches: Der Ich-Erzähler Yann zieht von März bis September durch französische AKWs, um dort als von Zeitarbeitsfirmen engagierter „Söldner“ im wahrsten Sinne des Wortes die Drecksarbeit auszuführen: Gemeinsam mit seinen wechselnden Kollegen wartet und reinigt er das Reaktor-Innere. Nur wenige Minuten Einsatzfrist im „Herzen“ des AKW, unter horrendem Zeit- und Leistungsdruck, dabei stets radioaktiver Kontamination ausgesetzt: Die Arbeitsbedingungen sind brutal. Und wenn es zu einem Störfall kommt und man – wie Yann – vorzeitig die für das gesamte Jahr „maximal erlaubte Strahlendosis“ abbekommen hat, steht man ohne Absicherung auf der Straße. In karger, gelegentlich ins Pathetische, gar Poetische changierender Sprache schildert Filhol die männerbündlerische Nomadenexistenz der Leiharbeiter, ihre „Komplizenschaft“ und Einsamkeit, und fragt, warum sich jemand überhaupt auf einen Job als „Neutronenfutter“ einlässt.

Mehr noch als von den Risiken der Kernkraft erzählt der Roman mithin exemplarisch von den Gesetzen der kapitalistischen Arbeitswelt. Und „alle fragen sich, ob hinter der trügerischen Ruhe das System nicht langsam außer Kontrolle gerät“. Offensichtlich eine rhetorische Frage.

Elisabeth Filhol: „Der Reaktor“. Roman. Aus dem Französischen von Cornelia Wend. Edition Nautilus, 122 S., 16 Euro.

Lesen Sie auch ...

Anzeichen neuer Kernspaltung in Fukushima-Reaktor
Die Lage im beschädigten Atomkraftwerk Fukushima Daiichi ist auch nach fast acht Monaten nicht unter Kontrolle. Nach Angaben der japanischen... mehr

Japan kämpft gegen atomare Katastrophe
Das Erdbeben der Stärke 9,0 und der verheerende Tsunami haben in Japan wohl Zehntausende Menschen in den Tod gerissen und das Land in eine atomare... mehr


 Mehr Bücher

 
  Leserkommentare
Schreiben Sie einen Kommentar




Empfehlen auf:  Facebook  Twitter

Kundenlogo
Belm - Betreuung der Kunden von der Anfrage bis zum Fertigungsbeginn; Koordination aller Bereiche bei der Erstellung...
Kundenlogo
Sassenberg - Koordination der einzelnen Einkaufsabteilungen in der Unternehmensgruppe; Aufbau und Führung eines...
Kundenlogo
Bad Laer - Montage & Verpackung von Kunststoffartikeln; Vorbereitung der Montagezellen mit Kunststoffteilen,...






 Zeitungstitel wählen  Schließen

Wählen Sie Ihren Zeitungstitel: