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Tippspiel
Weg von der Welt
Osnabrück. „Gethsemane“ nennen die sieben Jugendlichen ihren Treffpunkt zwischen Kanal und Truppenübungsplatz. Dort kommt die Clique zusammen, um zu reden, zu trinken und Drogen zu nehmen. Gethsemane ist ein „Niemandsgelände“. Ein Ort, an dem sie unter sich sind. Weg von den Eltern. Weg von der Welt.
Caspar, Lenny, Ulf, Andy, Schräubchen, Elfie und der Ich-Erzähler sind eigentlich grundverschieden. Trotzdem fühlen sich voneinander angezogen. Vielleicht ist es die Suche nach einem anderen Leben, vielleicht die Unzufriedenheit mit ihrem eigenen. Caspar und Lenny lernen sich in der Schule kennen.
Der eine, Caspar, hört Neil Young und Emerson, Lake & Palmer, trägt seine lockigen Haare lang und kifft. Der andere, Lenny, legt zu Hause klassische Musik auf und traut sich wegen seiner strengen Eltern gerade mal, die Haare auf Schulterlänge wachsen zu lassen. Die stille Elfie dagegen kümmert sich um ihre Mutter, die nach ihrem dritten Selbstmordversuch zum Pflegefall geworden ist.
Und Andy, der immer nur mit seinem Hund und fast nie mit einem Mädchen auftaucht, hat seine ganz eigene Geschichte. Gemeinsam ist allen sieben die Distanz zur Generation ihrer Eltern, die noch eine ganz andere Moral hat. Hinter den gutbürgerlichen Fassaden stecken Missbrauch, Gewalt oder einfach Gleichgültigkeit.
Auf einer zweiten Ebene, die in der Jetztzeit spielt, geht es um Ben, dessen Tochter vor Jahren abgehauen ist. Er und seine Frau Malu haben den Verlust nicht verarbeitet. Lustlos bewegt Ben sich durch seinen Alltag als Zeitungsfotograf. Wie seine Geschichte und die der Jugendlichen in den 70er-Jahren zusammenhängen, wird erst ganz allmählich klar.
Bert Strebe gelingt es, die Auflösung lange zurückzuhalten und seinen Leser dennoch nicht zu verlieren. Das hat er seinem sprachlichen und erzählerischen Talent zu verdanken.
Geschickt lässt er die Handlungsfäden sich kreuzen, parallel verlaufen und wieder auseinanderstreben. Mit sprachlichen Bildern wie etwa Elfies zweiter grauer Haut als Metapher ihrer geschundenen Seele bringt er Emotionen gelungen auf den Punkt.
Strebe, der als freier Schriftsteller in einem Dorf zwischen Hannover und Bremen lebt, ist mit „Gethsemane“ ein guter Entwicklungsroman gelungen. Es ist sein erster Roman, den er veröffentlicht. Es werden hoffentlich andere folgen.
Bert Strebe: „Gethsemane.“ Roman. Erschienen im Verlag Stadtlichter Presse, 156 Seiten, 16 Euro.
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21.05.2011
