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Es zählt das gebundene Buch
Berlin. Das Branchenmagazin „Buchreport“ hat angekündigt, ab Sommer nur noch gebundene Bücher, Hardcover, auf den „Spiegel“-Bestsellerlisten Belletristik und Sachbuch zu berücksichtigen. Nach dieser Neuregelung hätte es Bestseller-Dauergast Jussi Adler-Olsen genauso wenig mit seinen Krimis auf die Liste geschafft wie Charlotte Roche mit ihren „Schoßgebeten“. Grund: Beide Titel wurden nicht als Hardcover, sondern im preisgünstigeren Paperback-Format publiziert.
„Die Umstellung erfolgt zum 1. Juli, um Verlagen die Möglichkeiten zu geben, bei ihrer Halbjahresplanung eventuelle Ausstattungsentscheidungen an die neuen Kriterien anzupassen“, erklärt „Buchreport“. Das Branchenmagazin ermittelt seit 1971 wöchentlich im Auftrag des „Spiegel“ die Bestsellerlisten, nach eigenen Angaben durch elektronische Abfrage der Verkaufszahlen bei rund 450 Buchhändlern.
dtv, der allein mit vier Romanen unter den Top 10 der aktuellen Belletristik-Liste vertreten ist, reagierte als einer der ersten Buchverlage auf die Änderung. Der Münchner Taschenbuchverlag will nun Hardcover auf den Markt bringen. Dies soll für Titel gelten, „bei denen wir vermuten, dass sie auf die „Spiegel“-Bestsellerliste kommen könnten“, kündigte dtv-Verleger Wolfgang Balk im „Deutschlandradio Kultur“ an. Balk bestätigte auf Anfrage unserer Zeitung, dass kurzfristig zwei dtv-Premium-Titel aus dem Sommerprogramm als Hardcover angeboten werden: „Hannes“ von Rita Falk und „Verachtung“ von Adler-Olsen. „Hinsichtlich des Herbst/Winter-Programms sind wir noch bei Überlegungen“, erklärte Balk. Die Romane der beiden Bestsellerautoren sind genauso wie die von Dora Heldt bisher in der dtv-Premium-Reihe für 14,90 Euro erhältlich. „Die Hardcover werden produktionsbedingt wohl zwei bis fünf Euro teurer werden müssen“, kündigt Balk an. Nimmt die Marke Deutscher Taschenbuchverlag nicht Schaden, wenn sich der Verlag bei der Ausstattung seiner Bücher nun nach den Kriterien einer Bestsellerliste richtet? „Die Marke dtv dürfte keinen Schaden nehmen, wenn wir eingeführten Bestsellerautoren auch die bestmögliche Resonanz verschaffen wollen, die zumindest partiell auch über die Spiegel-Bestsellerliste evoziert wird“, sagte Balk.
Als Grund für die Änderung der Bestseller-Spielregel gibt „Buchreport“ an: Die bisherige Ausnahme für Erstausgaben und Originalausgaben im Paperback oder Taschenbuch-Format habe bei Buchkäufern für Irritationen gesorgt. Die parallel erstellte „Spiegel Online“-Liste wird zur „Taschenbuch/Paperback“-Bestsellerliste umbenannt. „Die Abgrenzung zwischen Hardcover- und Taschenbuch-Ausgaben hatte sich in letzter Zeit aber als zunehmend schwierig erwiesen, weil eine ganze Reihe von Verlagen Zwischenformate entwickelt haben und vermehrt einsetzen“, so der „Buchreport“ weiter. Balk kritisierte in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ dagegen, dass jetzt der äußeren Form und nicht dem Inhalt Vorrang gegeben werde.
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