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Post für Onkel Heinrich
Osnabrück. Es dürfte die bestdokumentierte Familie Deutschlands sein: die Manns. Seit Thomas Manns Schlüsselroman „Buddenbrooks“ ist der Clan zum Spiegelbild der Nation aufgestiegen. Mit dem Briefwechsel zwischen Klaus Mann und seinem Onkel Heinrich erscheint nun das nächste Kapitel der Endloserzählung.
Wirklich gut gekannt dürften sie sich nicht haben, auch wenn der Neffe seinen berühmten Onkel bereits in der Kindheit verehrte. Erst im Exil kamen sich Klaus und Heinrich Mann näher – zumindest schriftlich und zumeist bezogen auf die schriftstellerische Arbeit: Eine liebevoll und klug edierte Ausgabe der schriftlichen Zeugnisse dieser Beziehung haben nun Inge Jens und Uwe Neumann herausgebracht.
Als Klaus Mann 1906 in München geboren wurde, war sein Onkel, der Bruder des Vaters Thomas, bereits ein bekannter Romancier. Zu ihm eine persönliche Beziehung aufzubauen muss in dieser so bürgerlichen Familie, in der alles Emotionale der schriftstellerischen Arbeit Thomas Manns untergeordnet wurde, unmöglich gewesen sein. „Heinrich Mann“, sollte Klaus später einmal schreiben, „[...] blieb für mich ein wunderbarer und verehrter Fremder“. Viel Nähe spricht nicht aus diesen Worten, und dies offenbart auch der Briefwechsel zwischen den beiden, der 1924 einsetzt und mit Klaus Manns Selbstmord im Jahr 1948 endet.
Nähe der Emigration
Es ist die Erfahrung der Emigration, die die beiden näher zueinander in Kontakt bringt. Und es ist in erster Linie Klaus, der sich immer wieder bemüht, seinen Onkel für die literarischen Projekte, die er unermüdlich vorantrieb, zu begeistern. Darüber hinaus bleibt, von einigen Ausnahmen abgesehen, die gegenseitige Korrespondenz unpersönlich. Allein der Kondolenzbrief des Neffen Anfang Januar 1945 zum Tode Nellys, der Ehefrau Heinrichs, offenbart echte Anteilnahme.
Neben den Briefen wurden auch zwei längere Texte der beiden über den jeweils anderen in den Band aufgenommen. Sie vertiefen den Eindruck, den die Korrespondenz hinterlässt: Auch wenn man sich in der Realität weitgehend fern blieb, zeigt sich zwischen den Zeilen der Wunsch nach mehr Nähe zueinander. Ein Wunsch, der sich nicht erfüllen sollte und der vielleicht auch nicht erfüllt werden konnte, lagen doch letztendlich 35 Jahre Lebenserfahrung zwischen Klaus und Heinrich Mann.
Nur intellektuelle Nähe
Abgerundet wird der Band durch ein von den Herausgebern verfasstes kluges und tief der Beziehung nachspürendes Nachwort, worin sich die Vertrautheit mit den biografischen Details der Manns zeigt. Das abschließende Fazit lautet, dass die „oft behauptete besondere Verbundenheit von Onkel und Neffe mehr intellektueller als persönlicher Art war“. Und es trägt dem Rechnung, was Inge Jens und Uwe Neumann für dieses aufschlussreiche Buch an Quellenmaterial zusammengetragen haben.
Klaus Mann: „Lieber und verehrter Onkel Heinrich.“ Hrsg. v. Inge Jens und Uwe Neumann, Rowohlt, 300 S., 19,95 Euro
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