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Medienanwälte gegen „Tyrannei der Offenheit“
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Autor: Dirk Fisser 17. November 2011 20:09 Uhr  Mehr Artikel von diesem Autor

Einseitige Bestandsaufnahme von Schertz und Höch: Buch über die Privatsphäre

Medienanwälte gegen „Tyrannei der Offenheit“

Osnabrück. Früher war alles besser. Damals, als es noch kein Internet gab und niemand etwas mit dem Wort Talkshow anfangen konnte.

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Diese kulturpessimistische These zieht sich wie ein roter Faden durch das Buch „Privat war gestern – Wie Medien und Internet unsere Werte zerstören“. Das Autorenduo: die Medienanwälte Christian Schertz und Dominik Höch. Wenn sie gerade nicht an Büchern schreiben, verteidigen sie die Privatsphäre ihrer Mandanten – darunter auch zahlreiche Prominente.

Da liegt der Verdacht nahe, dass die beiden Anwälte keine Freunde von Boulevardmedien wie der Bild-Zeitung sind. Warum, das führen sie in ihrem Buch aus. Von Methoden wie dem sogenannten Witwenschütteln der Bild-Reporter berichten sie.

Also Angehörigen von verunglückten Menschen intime Details entlocken. Boulevardredakteuren werfen sie „menschenverachtende“ Recherchearbeit vor. Neu ist das nicht, spätestens seit dem Buch „Der Aufmacher“ von Günter Wallraff – 1977 erschienen – ist bekannt, wie Boulevardjournalismus funktioniert.

Ebenfalls nicht neu ist die Erkenntnis, dass soziale Netzwerke wie Facebook wahre Datenkraken sind. Oder öffentlich zur Schau gestellte Bilder von Partyexzessen die Karriere nachhaltig beeinträchtigen können. Doch genau diese Bestandsaufnahme bildet den Mittelpunkt des Buches, das im Klappentext noch verspricht aufzuzeigen, wie der „gedankenlose und oftmals kaltschnäuzige Umgang mit intimsten Daten schleichend unsere Werte zerstört“.

Diesem Versprechen kommen die Autoren aber nur zum Teil nach. Oftmals bleiben sie im Vagen, wenn es darum geht, wie ein Missstand behoben werden könnte. Und wenn doch eine Forderung aufgestellt wird, ist diese ebenso wenig neu wie die restlichen Erkenntnisse. So sprechen sich die Autoren beispielsweise für das digitale Radiergummi aus, um gespeicherte Daten ein für alle Mal aus dem Netz löschen zu können. Alles altbekannt.

Schade, denn es bedarf dringend einer Diskussion um Wert und Schutz der Privatsphäre. Aber bitte nicht so plakativ, wie es die Autoren tun. Sie warnen angesichts von Facebook und diversen Fernsehformaten gar vor einer „Tyrannei der Offenheit“. So bleibt das Buch tatsächlich nicht mehr als eine teilweise recht einseitig betrachtete Bestandsaufnahme. Am Ende der 243 Seiten stellt sich unweigerlich die Frage: Braucht es dieses Buch wirklich? Es hätte wohl ausgereicht, einfach am Nachmittag den Fernseher einzuschalten.

C.Schertz/D. Höch: Privat war gestern. Wie Medien und Internet unsere Werte zerstören. 256 S., Ullstein Verlag, 19,99 Euro.

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