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Tippspiel
Toms Tristesse
Osnabrück. „Ich hatte wie üblich das Gefühl, als würde es mich gar nicht geben.“ Der 14-jährige Tom in Mats Wahls neuem Roman „Du musst die Wahrheit sagen“ ist ratlos und ein Stück weit resigniert. Was soll er mit seinem Leben anfangen? Ob der Umzug ins Haus der verstorbenen Großmutter Besserung bringt? Zu seinem Vater besteht kein Kontakt. Sein älterer Halbbruder ist gemein und attackiert ihn sowohl verbal als auch körperlich. Kaum in der neuen Bleibe, angelt sich seine Mutter schon den nächsten Liebhaber.
Einzig Toms Schwester Annie scheint sich ab und zu Gedanken um ihren kleinen Bruder zu machen, etwa wenn sie ihm rät, nicht gleich wieder die neue Schule zu schwänzen. Tom hat ein großes Herz und will eigentlich immer alles richtig machen. Doch die Umstände und die Ungerechtigkeiten, mit denen er konfrontiert wird, lassen ihn nicht zu sich selbst finden. Tom freundet sich mit dem alten Nachbarn an, dem er bei der Gartenarbeit hilft. Dieser wiederum bringt ihm den Umgang mit einem Gewehr bei und klärt Tom über seine wahre Herkunft auf.
Der 1945 geborene Mats Wahl zählt zu den großen skandinavischen Jugendbuchautoren. Sein Blick auf die Welt ist realistisch und schonungslos. Dem entspricht der lakonisch-abgeklärte Schreibstil.
Leser, die rasante Handlungen bevorzugen, werden mit diesem Buch wenig anfangen können. Die dialogreiche Geschichte widmet ihrer Hauptfigur viel Zeit. Wer sich jedoch auf den Halbwüchsigen einlässt und zwischen den Zeilen liest, erlebt eine literarische Offenbarung.
Mats Wahl: „Du musst die Wahrheit sagen“. Übersetzt von Angelika Kutsch, Hanser, 233 S., 13,90 Euro
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07.04.2012
