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Von den Folgen eines Doppellebens
Osnabrück. Junge Männer sitzen beim Bier. Der eine, Felix, geht zur Toilette und kommt nicht mehr wieder. Der andere, Jakob, beide in den Zwanzigern, macht sich auf die Suche nach seinem Freund, von dem er glaubt, alles zu wissen. Doch das zurückgelassene Tagebuch lässt auf ein bisher ungekanntes Doppelleben schließen, geprägt von Ängsten, sexueller Gewalt und einer großen Leere dazwischen.
Was sich wie der Plot eines Psycho-Krimis anhört, ist das engagierte Romandebüt des jungen Autors Hannes Köhler, 29 Jahre alt, geboren in Hamburg und jetzt, wie so viele, in Berlin lebend.
Doch „In Spuren“ ist mehr als eine spannende Suche nach den Beweggründen einer Flucht. Es ist das Hinterfragen von menschlichem Zusammenleben: Mit jedem kleinen Hinweis auf die Gründe der Flucht von Felix entfernt sich Jakob zunehmend mehr von seinem Freund und nähert sich ihm gleichzeitig seltsam an.
Die Lücke, die Existenz, die Felix hinterlässt, füllt Jakob mehr und mehr mit sich selbst, indem er zu Felix wird. Er zieht in die verlassene Wohnung ein, nähert sich Manja, Felix’ Freundin, und vernachlässigt sein eigenes Leben. Diese Metamorphose ist abgeschlossen, als er für Felix zu einem Vorstellungsgespräch geht.
„In Spuren“ von Hannes Köhler ist das Buch einer urbanen, von nichts als mit Vakuum gefüllten Existenz, wie sie typisch ist für eine Generation von über 20-Jährigen. Kein Zufall, dass Hannes Köhler beim kleinen und sehr feinen Hamburger Mairisch-Verlag erscheint, der seit Jahren ein Radar für hochwertige junge Literatur ist.
Hannes Köhler versucht, seiner Altersgruppe zwei Stimmen an die Seite zu stellen: der reflektierende Felix, der mehr erwartet vom Leben als zu leben. Und Jakob, der irgendwie in alles reinrutscht, der Felix folgt und insgeheim schon immer so sein wollte wie er. Im Roman scheint er seinem Ziel näher zu kommen. Dabei hat „In Spuren“ nie etwas Parabelhaftes. Auch wenn die ein oder andere Stelle bekannt vorkommt, das ein oder andere Bild nicht sitzt, ist der Roman deutlich mehr als eine spannende Lektüre. Der Autor stellt die großen Fragen und gibt interessante Antworten. Die überaus kurzweilige Lektüre zeigt, dass Hannes Köhler selbst dabei ist, sich zu verwandeln. Von einem talentierten Jungautor zu einem Erzähler von einiger Klasse.
Hannes Köhler: „In Spuren,“ Roman. Erschienen 2011 im Mairisch Verlag Hamburg, 227 Seiten, 17,90 Euro.
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