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Tippspiel
Zwischen Ideal und Realität
Osnabrück. Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Die verdrehte Redensart gibt die Situation der ehemaligen WGler Harald, Sandra, Franz und Manfred genau wieder. Sie sind zwischen 40 und 50, leben im Jahr 1999 und haben alle eine linke Vergangenheit. Doch kurz vor der Jahrtausendwende ist die Welt weit entfernt von ihren alten Idealen. Die vier sind mal besser, mal schlechter in der New Economy der 90er angekommen.
Da passt die Theorie des verschrobenen Franz, ehemals Mitglied der marxistischen Gruppe, über eine Verlangsamung der Zeit nicht zum Trend. Sein Sachbuch erlangt zwar saisonalen Achtungserfolg. Doch andere Zeitökonomen, die die Beschleunigung der Zeit propagieren, sind erfolgreicher.
Für Franz gilt dasselbe wie für seine ehemaligen Mitbewohner: Sie haben ihre Ideale von damals nicht ganz aufgegeben, doch ihre linken Gruppierungen der 70er und 80er gibt es größtenteils nicht mehr. Sandra kämpft als Rechtsanwältin für die Gewerkschaft und huscht im grauen Kostüm schon mal vor Fernsehkameras her. Der verhinderte Terrorist Harald hat sein Philosophiestudium aufgegeben und jobbt nun als uniformierter Wachmann. Manfred ist freier Journalist und recherchiert für eine Reportage über eine ums Überleben kämpfende Porzellanmanufaktur im Osten Deutschlands. Schon zu DDR-Zeiten war er mal dort – und vom realen Sozialismus schwer ernüchtert.
„Karriere“ ist Michael Basses erster Roman. Bisher hat der 1957 in Bad Salzuflen geborene Autor fünf Lyrikbände veröffentlicht und vor allem Essays und Radiofeatures geschrieben. Das prägt den Roman mit seiner nur angedeuteten Handlung und seinen vielen essayistischen Reflexionen über die Vergangenheit der Figuren in marxistischen und maoistischen Gruppen und ihren heutigen Standort.
Michael Basse: „Karriere. Ein Millenniums-Roman“. Verlag Ralf Liebe, 200 Seiten, 20 Euro.
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25.02.2011
