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Fremder Planet in der süddeutschen Provinz
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Autor: Sabina Fischer 17. Dezember 2010 00:00 Uhr

Donata Rigg über den Suizid einer Zwillingsschwester

Fremder Planet in der süddeutschen Provinz

Osnabrück. Eine junge Frau im Raumanzug, der Kopf inmitten eines riesigen Helms versunken und im Hintergrund die triste Landschaft eines fremden Planeten – so wüst und leer das Titelbild von Donata Riggs erstem Roman „Weiße Sonntage“ wirkt, so mutet auch das Leben ihrer Hauptfiguren an.

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Martha hat sich nach ihrem 31. Geburtstag das Leben genommen. Ihre Zwillingsschwester Maria kehrt daraufhin zusammen mit ihrem Lebensgefährten Albert in die süddeutsche Heimat zurück. Das Paar führt eine Beziehung, in der doch beide allein sind. Gerade hat Albert angekündigt, wieder abzureisen. Nun sitzen sie in einer Dorfkneipe, und in den Gesprächen einer Nacht zeichnen sie das Leben der beiden Schwestern bis zu Marthas Tod nach.

Martha ist die fünf Minuten Ältere, die jedoch in den Brutkasten kam. „Man machte mich zum Mädchen und Martha sofort als Charakter erkennbar“, erzählt Maria von sich und ihrer Schwester. „Das ist etwas, was sich dann durchzog bis zu unserem, schließlich zu ihrem Ende: meine fehlende Signifikanz oder das, wofür ich mich hielt: ein Wesen mit wenig kenntlichen Formen, etwas schwach in der Durchschlagskraft. Eine Kugel, die nicht aus der Mündung will. Dabei war sie es, die ohne Zusatzwärme nicht überlebt hätte.“Martha leidet an einer psychotischen Erkrankung. Maria wird ihre Betreuerin. Sie ist Marthas Hafen, aber kann ihr bald auch keine Stütze mehr sein. Schließlich lässt sie das Telefon klingeln, wenn die Schwester anruft. „Ich habe sie nicht gut betreut. Mein Analytiker sagt: ,Sie haben sich bloß ihr Leben genommen.‘ Ich kann darauf jetzt antworten: ,Und sie sich ihres.‘“ Aus kunstvollen Versatzstücken, sich immer wieder überlagernden Rückblenden, Abschnitten inneren Monologs und Briefen ersteht die Kindheit der Schwestern wieder auf. Wie aus Puzzleteilen fügt sich ein Bild, das erahnen lässt, was die Schwestern werden ließ, was sie waren und Martha zu ihrer finalen Tat trieb.

Donata Riggs Themen sind Einsamkeit, Abhängigkeit, Alkohol und ein Deplatziertsein im eigenen Leben. „Ich lebe im perfidesten aller Systeme seit Menschengedenken. Ich habe die Wahl, weil ich jung bin, doch ich bin damit beschäftigt, die Begabungen, die mir eingeredet wurden, loszuwerden“, so Maria.

„Weiße Sonntage“ ist ein vielschichtiges Buch, das sich nicht in einem Mal lesen lässt, sondern zum Innehalten und Zusammenfügen einlädt.

Donata Rigg: „Weiße Sonntage“. Roman. Mairisch Verlag. 142 Seiten. 16,90 Euro.

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