Herr Gavrilov, die Initiative zu dem Konzert am Sonntag und Montag ging von Ihnen aus - nach Ihrer ersten Zusammenarbeit mit Lothar Koenigs in Florenz. Warum wollten Sie die erneute Kooperation?
Andrei Gavrilov: Ich war sehr begeistert von Lothar Koenigs' Leistung. Ich glaube, er hat alle Möglichkeiten, richtig groß zu werden. Das freut mich sehr, weil ich seit langer Zeit auf einen deutschen Dirigenten warte. Sie haben sich das Konzert für die linke Hand von Maurice Ravel und das erste Klavierkonzert von Sergej Prokofjew ausgesucht. Warum?
Gavrilov: Ravels Konzert für die linke Hand ist die Krone der gesamten Konzertliteratur. Das philosophische Niveau ist unerreicht, musikalisch und technisch ist es enorm stolz und nobel. Und es ist ein existenzialistisches Werk. Ich habe es immer gern gespielt, aber als grausam und dunkel empfunden. Vor kurzem, nach einem Konzert in Stockholm, habe ich dann herausgefunden, dass das Hauptthema eng mit dem "Dies irae"-Motiv verwand ist: Dieses Werk ist ein Totentanz. Aber es ist auch eine schöne Geschichte vom Tod, eine sehr süße, sehr jazzige. Ich finde, dieses Konzert muss mehr gelebt werden.
Und Prokofjew?
Gavrilov: Unglücklicherweise gibt Ravel keine Hoffnung; das ist grausam bis zur letzten Note. Deswegen möchte ich etwas komplett anderes zusammen mit diesem Konzert machen: Prokofjews erstes Klavierkonzert. Denn es ist sonnigste und unkomplizierteste Musik, jugendlich und ungestüm. Ein herrlicher Kontrast zu Ravel.
Wie wichtig ist für Sie und Ihre Arbeit die gemeinsame künstlerische und menschliche Basis mit einem Dirigenten?
Gavrilov: Das ist die erste Frage bei einer Zusammenarbeit. Im Idealfall gehen wir wie Mann und Frau auf die Bühne - nur dann ist göttliches Niveau zu erreichen. Andernfalls wird es nur eine gewöhnliche Performance. Deswegen versuche ich auch zu neunzig Prozent mit Dirigenten zu spielen, mit denen das funktioniert. Denn sonst macht das Spielen für mich keinen Sinn.
Welche Rolle spielen Soloabende für Sie?
Gavrilov: Früher begeisterten mich vor allem Solokonzerte. Aber ich bin älter geworden - und toleranter. Mit Orchester zu spielen ist ein Erlebnis auf einem ganz anderen, göttlichen Niveau. Mittlerweile hat sich das Verhältnis umgekehrt: Ich spiele fast nur noch mit Orchester und improvisiere zum Spaß, wenn ich allein bin.
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