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Tippspiel
Lustprinzip der Achtziger – übersetzt ins Jahr 2012
Osnabrück. Sie wollten nicht nur spielen. Die Deutsch Amerikanische Freundschaft, kurz DAF, wollte „Musik machen, wie es sie bis dahin nicht gegeben hatte. Und wir wollten damit erfolgreich sein.“ Das Statement stammt von Robert Görl, Schlagzeuger und Elektroniker von DAF.
Anfang der 80er-Jahre hatten sich Görl und Sänger Gabi Delgado in Düsseldorf zusammengetan, um das Publikum zu schockieren: Harte Beats und extrem reduzierte Elektroniksounds verband das Duo mit parolenhaften Texten, die an Direktheit kaum zu wünschen übrig ließen. Obwohl durch New Wave und Neue Deutsche Welle mit reichlich innovativen Klängen konfrontiert: So etwas hatte das Publikum tatsächlich noch nicht gehört. Und erfolgreich wurden DAF auch – weltweit. Im Osnabrücker Rosenhof traten Delgado und Görl jetzt den Beweis an, dass sie sich Stil und Charisma über die Jahre erhalten haben.
Die Vorgruppe Tyske Ludder zeigt allerdings auf, dass sich manche Epigonen der deutschen Elektrokultur schlichtweg verirrt haben: Einfallsloser und dumpfer als bei dem deutschen Trio geht es kaum, und im Publikum werden Bemerkungen wie „Mischung aus DJ Ötzi und Rammstein“ laut.
Wie wohltuend wirkt da Gabi Delgados schlichte Begrüßung: „Guten Abend, Jungens und Mädchen“, sagt er und startet mit „Verschwende deine Jugend“. Mit Textzeilen wie „Tu, was du willst, solange du noch kannst“, erlangte das offene Bekenntnis zum Hedonismus in den frühen 80ern Kultstatus, und auch heute klingt das kaum angestaubt. Zwar hüpft Delgado nicht mehr ganz so exaltiert über die Bühne wie früher, besingt nicht mehr so sehnlich stöhnend „Rote Lippen“. Aber wie er in radikale Märchenwelten abtaucht, das Lustprinzip betont und die Fixierung auf sich selbst, all das passt auch gut in die heutige Zeit.
Die minimalistischen Sounds von Klangtüftler Robert Görl und die knallharten Kantenschläge auf die Snaredrum dominieren auch die aktuelleren Stücke von DAF. Einst wirkten sie damit stilbildend: So bezeichnen beispielsweise Vertreter der EBM (Electronic Body Music) das Duo als Vorreiter, von dem sie die repetitiven Synthesizersequenzen übernahmen. Und angeblich sollen auch Musiker in London gespannt einem DAF-Konzert gelauscht haben, die sich später Depeche Mode nannten.
Neuere Songs wie „Liebeszimmer“ oder „Der Sheriff“ zeigen das inhaltliche Spektrum der Texte auf: Lust und Liebe treffen da auf Provokation und Gesellschaftskritik. Und die alten Stücke taugen immer noch, das Publikum in Wallung zu bringen: „Sato Sato“ oder das martialische „Alle gegen alle“ und die romantischen Klänge in „Der Räuber und der Prinz“. „Kebapträume“ erlangt dagegen durch die Debatte um mordende Neonazis beklemmende Aktualität: „Türk-Kültür hinter Stacheldraht… in jeder Imbissstube ein Spion.“
Dabei war DAF nie politisch und schon gar nicht faschistoid. „Der Mussolini“, der Song, der wie kein anderer provozierte, wird denn auch gleich zweimal gespielt: zu Beginn als Aufwärmer und als letzte Zugabe, um das Konzert mit der absurden Aufforderung „Tanz den Adolf Hitler…!“ ausklingen zu lassen: die finale Kampfansage an alles Spießige.
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Um so begeisternder war der Auftritt von DAF im Anschluss! Dem kann ich nur Zustimmen!