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Dietl hat sich verzettelt
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Autor: Tobias Sunderdiek 02. Februar 2012 18:06 Uhr  Mehr Artikel von diesem Autor

Ohne Charme und Witz: 27 Jahre nach „Kir Royal“ misslingt die Fortsetzung mit „Zettl“ gründlich

Dietl hat sich verzettelt

Osnabrück. Von der Münchener Bussi-Gesellschaft zur Polit-Schickeria in Berlin: 27 Jahre nach seinem TV-Erfolg „Kir Royal“ (siehe unten stehenden Bericht) setzt Helmut Dietl nun mit „Zettl“ zu einer Fortsetzung an. Er inszeniert aber nur einen maximalen Starauflauf mit minimalem Unterhaltungswert.

 
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Baby Schimmerlos ist tot. Groteskerweise ist der Münchener Klatschreporter (1985 von Franz Xaver Kroetz gespielt) auf seiner Harley Davidson verstorben, als er gegen das Brandenburger Tor geprallt war. Es ist nicht der einzige Unfall, mit dem dieser Film seine Geschichte eröffnet. Schlimmer noch: Der ganze Film ist vielmehr ein witz- und kraftloser Unfall.

Zwischen Polit-Talkshow, Privatkliniken und Redaktionsräumen wird schließlich ein Panoptikum bekannter Schauspieler in Hampelkasper-Pose vorgestellt: Ulrich Tukur gibt als Schweizer Milliardär einen hektischen Unternehmer, der ein Hauptstadt-Magazin auf die Bühne heben will, das die Spree-Metropole mit New York auf Augenhöhe erscheinen lassen soll (weshalb auch ständig New Yorker Wolkenkratzer – Vorsicht Witz! – einkopiert sind). Letztlich ist das Blatt aber nur dazu da, die Bürgermeisterin (Dagmar Manzel) zu umgarnen, die jedoch in Wirklichkeit ein Mann ist. Das Blatt soll sie als Heilsbringerin feiern und zeigen, wie sie „Schwyzer Schocki“ an Plattenbauproleten verteilt. Währenddessen säuft sich der Bundeskanzler (Götz George) nicht nur um den Verstand, sondern auch ums Leben. Der schwäbelnde Ministerpräsident von Mecklenburg-Vorpommern (Harald Schmidt) kungelt indes mit der linken Opposition, während mittendrin der karrieregeile, zum Chefredakteur aufgestiegene Chauffeur Zettl (Michael Bully Herbig) zusammen mit der im Rollstuhl sitzenden Paparazzo-Legende Herbie Fried (Dieter Hildebrandt) all das aufdeckt – und am Ende gar Regierungssprecher werden darf.

Und so weiter. Und so weiter. Scheinbar endlos. Und vor allem witzlos. Denn gerade im Bemühen, möglichst viele skurrile Personen auftreten zu lassen, wirkt der schleppend lange Film eher wie eine komprimierte TV-Serie. Episode reiht sich an Episode, schaler Witz an derben Klamauk – das Ergebnis ist daher nur kurzatmiges, jedoch nie kurzweiliges Stückwerk. Glaubt man den Aussagen von Co-Autor Benjamin von Stuckrad-Barre, war nicht anderes geplant. Ein Schuss, der nach hinten losging.

„Verzettelt“ ist wohl der passende Ausdruck für diesen Mischmasch. Für eine beißende Polit- und Mediensatire bleiben die Figuren zu unverbindlich, und an ihnen perlt der Witz ab wie Kritik an der realen „Teflon-Kanzlerin“ Angela Merkel.

Und auch Berlin bleibt Kulisse. Entweder findet alles in schicken, austauschbaren Büros statt, oder aber „das Volk“ hat in Slums zu wohnen, inklusive vergammelnder Autowracks und Kampfhund-Skinheads. Wogegen selbst Neukölln wie das hippste In-Viertel aussieht. Dietls frühere Filme („Rossini“) und TV-Serien („Monaco Franze“) vermittelten noch Münchener Lokalkolorit. Bei „Zettl“ bleiben nur Computeranimation und Pappmaschee-Kulisse. Und pappiger Humor.

In einer Szene bringt es Harald Schmidt auf den Punkt. Vor dem Kanzleramt stehend, spürt er dieses „Ziehen im Kopf“, nicht aber weiter unten. Er ist, wie es mehrmals im Film heißt, „ohneEier“. Besser kann manden Film auch nicht beschreiben.

„Zettl“. D 2012. R.: Helmut Dietl. D.: Michael Bully Herbig, Dieter Hildebrandt, Ulrich Tukur, Senta Berger, Götz George, Karoline Herfurth, Harald Schmidt, Götz George. 109 Min. FSK o. A.

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