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Im Handel: Das Album „Born To Die“ von Lana del Rey
Osnabrück. In der Kunst gehören Liebe und Tod eng zusammen. Das ist nicht nur bei Shakespeare so: Popmusik, die etwas auf sich hält, stellt ebenfalls diese Verbindung her. Nun klingt Lana Del Rey nicht wie eine Frau, für die sich die Liebe im ersten Kuss apotheotisch erfüllt. Nein, sie hat den Blick immer aufs Ende gerichtet. Wer so denkt, versucht Musik von der düsteren Ästhetik eines David-Lynch-Films – und nennt eine CD auch „Born To Die“.
Seit dem überwältigenden Erfolg ihrer „Video Games“ – bis Mittwoch dieser Woche wurde es 22 Millionen mal geklickt – gilt Lana Del Rey als die große Hoffnung des Pop-Business. Entsprechend hoch sind die Erwartungen an das neue Album. Offenbar wurde die Sache selbst der Plattenfirma zeitweilig zu heiß; so hieß es schon, das Werk solle erst im März auf den Markt kommen. Letztlich lief die Arbeit offenbar aber doch ganz rund; ab Freitag, 27. Januar, ist das Album im Handel. Darauf zu hören: düstere Songs über die Liebe und den Tod.
Endzeitstimmung verbreitet das Album. Das verwundert nicht weiter; auch die „Video Games“ nehmen ja auch durch ihre düstere Ruhe gefangen. Diese Stimmung gibt’s nun im Großformat: Schummrig treiben die Drum-Beats eine Wolke aus dicken Streichersounds vor sich her, aus der sich die Stimme Lana Del Reys erhebt.
Diese Stimme ist nun der eigentliche Anlass für den Hype um die Pop-Hoffnung. Aus der fülligen Tiefe spricht die fatalistische Abgeklärtheit einer Frau, die alle Enttäuschungen schon erlebt und den Schmerz zu einer Grundkonstante ihrer Psyche gemacht hat. Unterlegt sind ihre Pop-Gemälde mit seltsam schwebenden Klängen – aber eben keinem Frühnebel, der sich in der Sonne irgendwann auflöst. Nein, bei Lana Del Rey kleben schwarze Rauchwolken am Boden, herrscht düstere Endzeitstimmung. Song um Song durchschlendert sie nächtliche Straßenfluchten, ohne ein Lächeln auf den Schmolllippen.
Wer’s also düster mag, wird seinen Gefallen finden an „Born To Die“. Freilich ziehen sich melodische Versatzstücke durch die zwölf Songs, die sich anhören, als wären sie per Drag & Drop aus „Video Games“ in neue Zusammenhänge kopiert. Ein Hit ist eben die eine Sache. Der lange Atem für ein ganzes Album eine andere.
So handelt das Album das Liebe-und-Tod-Thema in etlichen Nuancen und Wiederholungen ab. Überraschungen gibt es aber keine. Der Grundbeat zieht sich mit leichten Ausschlägen nach oben und unten ähnlich gleichförmig durch das Album wie der Streicher-Soundteppich. Am meisten Abwechslung bietet noch Lana Del Reys Stimme: Die Frau hinter dem Mikro verwandelt sich nämlich manchmal, wenn sich die Stimme in die Höhe schraubt, in ein junges Mädchen. Da klingt dann jene Naivität heraus, die sich auf Gefühle nur in ihrer theatralischsten Form einlassen kann – ganz oder gar nicht. Einerseits ist das der Stoff für die wirklich großen Träume. Andererseits überfrachtet diese Radikalität die einfachen Songs, die hinter dem dicken Streichernebel zum Vorschein kommen: gut gemachter Pop. Aber nicht mehr.
Lana Del Rey: Born To Die. Vertigo
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