Noz
Kontakt

·

Digitalabo

·

Shop

·

Tippspiel

Startseite

|

Deutschland & Welt

|

Kultur

|

Freie Reichsstadt feiert den Preußenkönig
Kultur

Schrift
 Drucken  Versenden Empfehlen auf:      

1813
Autor: Ralf Döring 25. Januar 2012 16:52 Uhr  Mehr Artikel von diesem Autor

Emmanuel Pahud und die Kammerakademie Potsdam unter Trevor Pinnock spielen in Köln ein Konzert zu Ehren Friedrichs des II.

Freie Reichsstadt feiert den Preußenkönig

Köln. Nach fast zwei Stunden ergreift der König selbst das Wort. Knappe fünf Minuten gesteht Emmanuel Pahud dem Alten Fritz zu: Aus der Feder des Preußenkönigs stammt die Zugabe, die Pahud dem Publikum in der Kölner Philharmonie gibt.

 
Königlich: So präsentiert sich Emmanuel Pahud auf dem Cover seiner aktuellen CD. Foto: Josef Fischnaller/EMI Classics  Vergrößern

– Anzeige – Ihre Anzeige hier



Meistgelesene Artikel








Es entbehrt ja nicht eines gewissen Witzes, dass der Flötist ausgerechnet in Köln den 300. Geburtstag Friedrich des II. feiert – die freie Reichsstadt hatte zu Lebzeiten des Königs herzlich wenig mit Preußen am Hut. Erst der Wiener Kongress schlug sie dem Königreich Preußen zu. Immerhin aber ließ sich Pahud von der Kammerakademie Potsdam begleiten – unter dem englischen Dirigenten Trevor Pinnock. Konsequenterweise standen denn neben der Musik aus dem Umfeld Friedrichs des Großen Kompositionen auf dem Programm, die man eher mit den Rivalen Österreich und England als mit Preußen in Verbindung bringt: Werke Joseph Haydns umrahmten Musik aus dem königlichen Salon.

Eine opulent aufgemachte Doppel-CD haben Pahud und das Potsdamer Ensemble der Musik Friedrichs gewidmet. Das Cover zeigt Pahud im galanten Königsoutfit als bunten Nachfahren Srgt. Peppers – der König der Flöte erweist dem Flötenkönig seine ironische Referenz. Golden glänzt darauf die Flöte: Die Musik von Carl Philipp Emanuel Bach, Franz Benda und Johann Joachim Quantz erklingt zwar nicht historisch korrekt mit Traversflöte und Darmsaiten, aber doch quicklebendig.

Das übertragen die Musiker aufs Podium der Kölner Philharmonie. Fein ausbalanciert und mit gehörigem Schmiss musiziert, erwecken Pahud, Pinnock und die Potsdamer den Eindruck, einer königlichen musikalischen Soiree beizuwohnen. Gefällige Kompositionen hat Friedrich sich in die Flöte schreiben lassen, mit klarer Dominanz des Soloinstruments, während der Rest der Mannschaft sich in gefällig dienende Haltung begibt. Wir sind in der Epoche des sogenannten Galanten Stils: Von den kontrapunktischen Kopfnüssen der Barockzeit wollte die Epoche Friedrichs des II. nicht mehr viel wissen. Angesagt war, und das ist sehr schön zu hören, eine Musik, die voller Energie nach vorne drängt, heiter in den Eck- und melancholisch in den langsamen Sätzen. Und bei allem macht Pahud deutlich, was für ein virtuoser Flötist Friedrich II. gewesen sein muss. Sogar als Komponist hat er Profunderes zu Papier gebracht als manch anderer Regent in staatstragenden Reden.

Ob nun am königlichen Hof mit der gleichen virilen Perfektion musiziert wurde wie durch die Kammerakademie und Pahud, sei dahingestellt. Fest steht: Ein Werk wie die Oxforder Symphonie von Joseph Haydn hatte dort keinen Platz mehr. Was sich in Carl Philipp Emanuel Bachs Flötenkonzert mit zuckenden Blitzen angekündigt hat, tobt hier in aller Heftigkeit: der freie Geist der Aufklärung. Und die Kammerakademie Potsdam lässt spüren, wie ungestüm er die Gemüter rührte. Fantastisch.

CD „Flötenkönig“ ersch. bei EMI

 Mehr Kultur

 
  Leserkommentare
Schreiben Sie einen Kommentar




Empfehlen auf:  Facebook  Twitter




 Zeitungstitel wählen  Schließen

Wählen Sie Ihren Zeitungstitel: