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Der poetische Blick Griechenlands
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Quelle: dpa/dapd/Neue Osnabrücker Zeitung 25. Januar 2012 15:13 Uhr

Filmregisseur Theodoros Angelopoulos ist bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen

Der poetische Blick Griechenlands

dpa/dapd Piräus. Der griechische Filmregisseur Theodoros Angelopoulos ist am Dienstagabend bei einem Verkehrsunfall im Alter von 76 Jahren ums Leben gekommen.

 
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Während der Dreharbeiten zu seinem Film „Das andere Meer“ in Piräus kurz nach 19 Uhr wurde er beim Überqueren der Straße von einem Motorrad erfasst und fiel nach dem Aufprall in einen vier Meter tiefen Schacht, wie Polizei und Klinik mitteilten. Den Angaben zufolge wurde er schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht, wo er am späten Abend seinen Verletzungen erlag.

Theodoros Angelopoulos galt für viele Griechen als der „Blick Griechenlands“. Er konnte in seinen Filmen die jüngste Geschichte Griechenlands mit einer eigenartigen Atmosphäre und von seinem unverkennbaren Blickwinkel aus wiedergeben. „Theo“, wie viele seiner Freunde ihn nannten, bezeichnete seine Filme als eine Art Dichtung: „Ich erwarte nicht von dir, dass du das verstehst, was ich mit meinen Filmen meine. Ich erwarte von dir, dass du das verstehst, was deine Seele aus diesen Filmen versteht. Es ist eben wie Dichtung“, sagte er immer wieder.

Angelopoulos wurde am 27. April 1935 in Athen geboren. 1941 wurde Griechenland von den Achsen-Mächten besetzt. Es folgte ein fürchterlicher Bürgerkrieg, dessen politisch-gesellschaftliche Folgen sein Leben und das Leben von Millionen Griechen verändern sollten. Angelopoulos wurde fasziniert vom Kino, dem Medium, das damals einen Ausweg aus der Misere gab, wie er sagte.

Nach einem abgebrochenen Jurastudium wanderte er nach Frankreich aus. 1964 kehrte er nach Griechenland zurück. Die Anerkennung kam erst in den 70er-Jahren, als er sich in drei Filmen mit der jüngsten und schmerzhaften Geschichte seines Landes auseinandersetzte.

Für einen davon, „Alexander der Große“, bekam er 1980 in Venedig den Goldenen Löwen. Für „Landschaft im Nebel“ erhielt er 1988 den Silbernen Löwen. Bekannt sind auch seine Filme „Der Bienenzüchter“ und „Reise nach Kythera“.

In den 90er-Jahren ging es auch um Themen wie Migration. Dabei kamen Filme wie „Der schwebende Schritt des Storches“ oder „Blick des Odysseus“ heraus, in denen er sich mit dem Zerfall des Sozialismus auseinandersetzte. Für diesen „Blick“-Film, der für viele Griechen und Angelopoulos selbst als sein bestes Werk gilt, bekam er 1995 in Cannes den Großen Preis der Jury – nicht aber die Goldene Palme. Er zeigte sich damals von seiner „giftigen Seite“ und verkündete: „Wenn das alles ist, was Sie für mich haben, habe ich nichts zu sagen.“

Angelopoulos riss sich aber zusammen und nahm einen neuen Anlauf. 1998 bekam er endlich die Goldene Palme für den Film „Ewigkeit und ein Tag“ mit Bruno Ganz und Isabelle Renauld.

Angelopoulos war kein einfacher Mensch. Man musste sich immer Mühe geben, ihn zu verstehen. Seine Charaktere waren schwierig und undurchsichtig. In der Regel waren es tragische Figuren: Rückkehrer aus dem Exil, Regisseure ohne Inspiration, sterbende Schriftsteller. Angelopoulos machte es dem Zuschauer nicht leicht: „Ich mache Filme für mich – nicht für die anderen“, sagte er immer wieder. Angelopoulos starb so, wie er gelebt hat: bei Dreharbeiten.

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