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Lilli-Hannah Hoepner nimmt Ekat Cordes „Aproposkalypse“ beim Wort – Urinszenierung in Osnabrück
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Lilli-Hannah Hoepner nimmt Ekat Cordes „Aproposkalypse“ beim Wort – Urinszenierung in Osnabrück
Lilli-Hannah Hoepner nimmt Ekat Cordes „Aproposkalypse“ beim Wort – Urinszenierung in Osnabrück
Osnabrück. Lilli-Hannah Hoepner nimmt mit ihrer Osnabrücker Uraufführung Ekat Cordes’ Sprachkritik beim Wort. Auch wenn sein Text vom vergnüglichen Bühnengeschehen im Emma-Theater bisweilen überlagert wurde.
„Ja ja, die da oben die, die haben was davon“: Bei diesem angststarren Gestammel vom Familienvater Günther klingelt’s im Oberstübchen. Das Werbe-Sprachgetändel einer Bank fällt einem ein. Die da oben sind gemeint, die die Reißleine zu Sein oder Nichtsein im Mittelstand ziehen. Doch der dreißigjährige Dramatiker Ekat Cordes hütet sich klugerweise, Verantwortung zuzuweisen. In seinem Stück „Aproposkalypse“, 2010 geschrieben, braut sich eine große Depression zusammen, deren genaue Ursachen aber in den Wolken gelassen werden. Vielleicht, damit nicht nur die oder der da oben die Suppe auslöffeln müssen, sondern wir alle.
Es klingelt eigentlich ständig im Zuschauer-Kopf und auf der Bühne beim Uraufführungsabend im Emma-Theater der Städtischen Bühnen Osnabrück. Das ist Absicht und hat Methode. Denn Cordes rollt einen Teppich aus Assoziationen und Wortfeldern aus, um ein äußerst verengtes Lebensgefühl einzukreisen.
Gott und Geld sind die beiden Pole, die ins Loch des Nichts ragen. An ihnen arbeitet sich ein Häuflein von Figuren ab unter endzeitlichem Heulen und Zähneklappern: das Mittelstands-Ehepaar Günther und Helga, die Schulfreundinnen Nadine und Uta, Utas kleinkrimineller Freund Kevin und die Kakerlaken-Jägerin Dora, deren blutende Stigmata auf das Leiden im Parterre unserer Gesellschaft verweisen.
Die Apokalypse ist nahe – und auch wieder nicht, sonst würde Cordes’ Stück nicht sarkastisch „Aproposkalypse“ heißen. Der Chor der Kakerlaken weiß es besser: „Warum, wissen wir nicht, aber wir müssen immer weiter-machen, auch wenn die Welt im Arsch ist“, singt er.
Regisseurin Lilli-Hannah Hoepner nimmt den Auricher Autor konsequent beim Wort und setzt dies auf Augenhöhe mit ihm enorm fantasiereich ins Bild. Die Schauspieler wuseln symbolträchtig im Kakerlaken-Kostüm über die Bühne, die Anabel Fröhlich als Sporthalle mit Sprossenwand eingerichtet hat. Nur brutale Fitness kann die Angst vor dem Abstieg im Zaum halten. Das demonstrieren Anna von Haebler und Magdalena Helmig als Nadine und Uta, indem sie furios mit Ringen oder Springseilen jonglieren. Sie reden nur am Handy, und das meist aneinander vorbei. Kein Wunder, dass es fortwährend bimmelt und schrillt und zusammen mit dem erlesenen Pop-Sound-Design von Michael Lohmann eigentlich die Alarmglocken läuten müssten.
Pustekuchen, denn auch die Leitung zu Gott ist tot, auch wenn er noch so blasphemisch in urkomischen Gebetschören angerufen wird. „Hab Erbarmen, Allmächtiger!“, schreien die fünf Schauspieler in wachsender egomanischer Verzweiflung und erinnern an René Polleschs Brüll-Figuren.
Bei Lilli-Hannah Hoepner und ihrem glänzend agierendem Team treibt der Tanz über dem Abgrund aber auch hinreißende, vor (Wort-)Witz strotzende Angstblüten hervor: Oliver Meskendahl fasziniert unter anderem als feist grunzender Jobvermittler im Fatsuit, der auf einmal zum federleichten Ballett ansetzt. Franziska Arndt punktet vor allem als köstlich cool-verklemmter Kevin, während Magdalena Helmig für den stolzen Schwanengesang und -tanz ihrer Uta Szenenbeifall erntet. Nadines kleines Schwarzes mit Schwanenfedern gemahnt an den bösen Mammon, während Omas Federn weiß sind: weil nur sie nicht nach Geld giert? Rosemarie Fischer schlägt in Prolog und Epilog den Ton elegischer Melancholie an, der sich durch das Stück ziehen soll.
Doch bisweilen überlagert zu viel kindliche Munterkeit die sardonische Sprachakrobatik von Cordes und nimmt ihr die Brisanz. Vielleicht fiel deshalb der Beifall für die Schauspieler ein wenig stürmischer aus als fürs Regieteam.
Weitere Aufführungen:
24., 28. und 31. Januar. Kartentel. 0541/7600076
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