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Maskenmann im Betonschacht
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Autor: Dr. Stefan Lüddemann 15. September 2011 22:00 Uhr  Mehr Artikel von diesem Autor

Kampf um Identität: Osnabrück zeigt Werke von Daniel Pešta

Maskenmann im Betonschacht

Osnabrück. Ein Mann isst sich die weiße Maske vom Gesicht. Ein Todesengel mit Augen aus Kindergesichtern. Zwei leblose Körper im Block aus Kunstharz. Daniel Pešta findet schockierend harte Bilder für die menschliche Existenz. Der tschechische Künstler sieht sie vor allem als Reise auf der Nachtseite des Daseins, als einen ständigen Kampf um rettende Erinnerung. Eine Auswahl seiner Werke ist jetzt in Osnabrück zu sehen.

 
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Eindringlich: der tschechische Künstler Daniel Pešta vor seinen Videos im Nussbaum-Gang (oben) und seinem Bildobjekt „Gencode“. Fotos: Egmont Seiler

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Dabei haben Dr. Eva Berger, Inge Jaehner und Jürgen Kaumkötter als Kuratoren die Arbeiten des 1959 in Prag geborenen Pešta sorgfältig in die Sammlung der Werke des 1944 in Auschwitz ermordeten Osnabrücker Malers Felix Nussbaum und vor allem in die Architektur des Felix-Nussbaum-Hauses eingepasst. Der von Daniel Libeskind entworfene, klaustrophobische Gefühle aufrufende Bau bildet nun den wirkungsvollen Resonanzraum auch für Arbeiten Peštas.

Im „Gang der ungemalten Bilder“, dem ideellen Zentrum des Hauses, wird das exemplarisch deutlich. Zwei Videos zeigen eine bedrängend intensive Performance des Künstlers. Der hat sich eine weiße Latexmaske über das Gesicht gezogen. Auf dem einen Video saugt er sie in quälender Langsamkeit in seinen Mund, auf dem anderen vernäht er die Mundöffnung mit groben Stichen. Die Videos zeigen zermürbende Kämpfe um wahre Identität – und das in einem bedrängend schmalen Betongang, mit dem der Architekt Libeskind Felix Nussbaums Weg in einen grausamen Tod nachempfunden sehen wollte. Kunst kommt dem Betrachter hier beängstigend nah.

Allerdings versteht sich der ausgebildete Werbegrafiker auch auf deutlich, manchmal fast plakativ gesetzte visuelle Effekte – eindeutige Botschaften inbegriffen. Gleichviel. Die in Kooperation mit dem Prager Montanelli-Museum gestaltete Ausstellung macht mit einem Künstler bekannt, der bislang in Deutschland wenig präsent gewesen ist. Mit Video, Bildobjekt und Installation bedient er durchaus aktuelle Kunstgenres.

Den Wechsel zwischen den unterschiedlichen Darbietungsweisen bewältigt Pešta hingegen auch mit gekonnter Mehrfachverwertung gleicher Elemente. Fotos anonymer Personen, in transparentes Kunstharz eingelassen, reihen sich so zum wandfüllenden Bildobjekt auf („Gencode“) oder kehren in Stelen wieder („Column“), die wie Mahnmale im Ausstellungsraum beeindrucken sollen. Solche Werke bleiben allerdings vage. Im Felix-Nussbaum-Haus erweist sich genau das als Qualität. Die Arbeiten fügen sich umstandslos in vielfältige Bedeutungskontexte. Ob traurig oder heiter – Peštas Gesichterreihen ließen sich als Belege für vielerlei Lebensgefühle deuten. Im Umfeld des Osnabrücker Hauses greift die pessimistische Variante.

Dabei erweist sich Daniel Pešta bei anderen Werken als zupackender. „Fleisch“ nennt er ein sinistres Gemälde mit dem Todesengel, dessen Körper wie ein offenes Organ durch den schwarzen Bildraum segelt. „Lichtfänger“ heißt ein anderes Bild, auf dem winzige Menschlein unter düsterem Firmament umherirren. Einzelne dieser Körper sind zu aufzüngelnden Flammen verlängert. Tragen sie das Licht in eine Zeit der Bedrängnis?

Der Prager Künstler gibt selbst ein Hoffnungssignal – mit witzigen Nussbaum-Videos. Ein Video zeigt den ermordeten Maler als Teil einer Menschenkette, die lustig hin und her wippt. Pešta reanimiert das Holocaust-Opfer in einem Filmchen voll melancholischen Hintersinns. Manchmal ist das kleine Objekt eben viel besser als das Mega-Format.

Osnabrück, Felix-Nussbaum-Haus, Kulturgeschichtliches Museum: Daniel Pešta: Levitation. Eröffnung: heute, 18 Uhr. Bis 27. November. Di.–Fr, 11–18 Uhr, Sa., So., 10–18 Uhr. Heute, 20 Uhr: Konzert mit Roswitha Dasch und Ulrich Raue.

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