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Zum Glück nur einmal: Tintin als Rassist
Osnabrück. Nein, sie können zwei und zwei wirklich nicht zusammenzählen, die schwarzen Schulkinder. Und ihre Eltern haben noch nie ein Grammofon gesehen. Vor der Stimme aus dem Trichter nehmen sie erschreckt Reißaus. „Tim im Kongo“ lässt kein rassistisches Klischee aus. 1930 erzählt der belgische Zeichner Hergé in seinem zweiten Album nicht nur eine simpel gestrickte Abenteuergeschichte, er illustriert auch in unfassbar bornierter Weise den Ausflug von Tim und Struppi in den Kongo, damals noch belgische Kolonie.
Die Kritiker haben recht: Das Album ist heute schlicht ungenießbar. Tintin spielt sich in Afrika als arroganter Oberlehrer auf, tötet Wildtiere reihenweise und läuft mit den Stoßzähnen eines erlegten Elefanten über der Schulter wie mit einem Reiseandenken herum. Scheußlich.
Zum Glück hat Hergé in keinem weiteren Album wieder so tief in die Mottenkiste des rassistischen Klischees gegriffen. Im Gegenteil. Spätere Alben zeigen Tintin in fernen Ländern als rücksichtsvollen Gast – und als Freund ihrer Bewohner. In „Der blaue Lotus“ (1934) schließt er Freundschaft mit dem jungen Chinesen Tschang, den er in „Tim in Tibet“ (1960) sogar aus eisiger Bergwelt und den Fängen des Yeti rettet. Freundschaft siegt hier über Ressentiment. Und Hergé gelingt eines seiner inspiriertesten Alben. Unbedingt lesenswert!
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