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Fröhliche Helden unter Verdacht: Was ist dran an Vorwürfen gegen Pippi Langstrumpf, Schlümpfe und Co.?
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Wir machen den Lesetest

Fröhliche Helden unter Verdacht: Was ist dran an Vorwürfen gegen Pippi Langstrumpf, Schlümpfe und Co.?

lü Osnabrück. Pippi Langstrumpf – eine Rassistin? Die Schlümpfe – alles Kommunisten? Die Biene Maja – Zeugin für dumpfen Völkerhass? Gegen Helden der Populär- und Jugendkultur werden seit einiger Zeit massive Vorwürfe erhoben. Dürfen sie nicht länger Vorbilder sein? Wir stellen Pippi und Co. auf die Probe – indem wir die beliebten Klassiker noch einmal lesen.

 
Kommunistische Rassisten? Um Hanni und Nanni, Pippi, Tim und Struppi, Maja und die Schlümpfe werden scharfe Debatten geführt. Fotos: dpa, Studio 100 Media  Vergrößern

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Kaisa Ilunga kann „Pippi Langstrumpf“-Bücher jedenfalls nicht entspannt lesen. Bei Pippis Abenteuern im Taka-Tuka-Land kommt dem Mitglied des Bonner Integrationsrates jedes Mal die Galle hoch. „Mein Vater ist Negerkönig. Eines Tages kommt er und holt mich. Dann werde ich eine Negerprinzessin“: Solche Sätze aus dem 1948 zuerst erschienenen Klassiker Astrid Lindgrens lassen für den im Kongo geborenen Journalisten und Dolmetscher Ilunga nur eine Konsequenz zu: Das Buch muss aus öffentlichen Bibliotheken entfernt werden. Vertreter von Büchereien lehnten das prompt ab. Längst hat der Verlag reagiert und in der aktuellen Ausgabe die Übersetzung verändert. Nun lesen wir statt vom „Negerkönig“ vom „Südseekönig“. Alles in Ordnung?

Ein scheinbar unantastbarer Klassiker der Kinder- und Jugendliteratur als rassistische Schmähschrift: Die im Februar des Jahres aufgeflammte Kontroverse um Pippi Langstrumpf bestürzt, weil sie die weltweit geliebte Vorzeigefigur einer scheinbar über jeden Zweifel erhabenen Autorin betrifft. Mit lieb gewordenen Kindheitserinnerungen, zu denen eben auch die Geschichten von Pippi und anderen Helden gehören, kommen kulturelle Gewissheiten ins Wanken. Mit einem Mal nimmt eine ganze Lesegemeinde wahr, dass die Bücher mit den geliebten und scheinbar überzeitlich gültigen Figuren auch Entstehungskontexten entstammen, die inzwischen viele Jahrzehnte zurückliegen. Einstellungen haben sich seitdem gewandelt – nicht nur die zum Umgang mit Menschen anderer Hautfarbe. Auch Lesegewohnheiten verändern sich gerade. Und das zum Nachteil der Figuren, die für alle Zeit fraglos gültig zu sein schienen.

Denn Pippi Langstrumpf ist nicht die einzige Betroffene, wenn es darum geht, die befremdliche Kehrseite untadeliger Helden zu entdecken. Der Philosoph Antoine Buéno zerpflückt in seinem „Blauen Buch“ die heile Welt der Schlümpfe. Ihre scheinbar idyllische Gesellschaft sei der „Archetyp totalitärer Utopie“, schreibt Buéno. Selbst die Biene Maja ist offenbar keinesfalls harmlos genug, um nicht in das Visier der Ideologiefahnder zu geraten. Im März entlarvten Literaturwissenschaftler aus München Passagen des 1912 zuerst erschienenen Buches „Die Biene Maja und ihre Abenteuer“ des Autors Waldemar Bonsels als rassistisches Pamphlet, das auf die berüchtigte „Hunnenrede“ zurückgeht, die der damalige Kaiser Wilhelm II. im Jahr 1900 hielt. Mit seinem Auftritt lieferte der ein bis heute berüchtigtes Musterbeispiel für Kriegstreiberei und Missachtung anderer Kulturen.

Keine Chance auch für die flotte Comicfigur Tintin („Tim und Struppi“) des Belgiers Hergé. Der kongolesische Politikwissenschaftler Mbutu Mondondo reichte 2007 gar Klage gegen das Album „Tim im Kongo“ (1930) ein. Der Vorwurf: Apartheid. Der ansonsten so sympathische Comic-Held behandelt Afrikaner herablassend, häutet Affen, sprengt ein Nashorn in die Luft – eine üble Bilanz für den Saubermann unter den gezeichneten Helden populärer Kultur.

Schon der Überblick im Schnelldurchgang zeigt: Ein ganzes Kultursegment wackelt. Und mit ihnen Vorbildfiguren, die Kindheits- und Jugendjahre von Generationen geprägt haben. Auf dieser Seite schauen die Autorinnen und Autoren noch einmal in die Originaltexte, um die es geht. Sind die Vorwürfe berechtigt? Oder können wir weiter ruhigen Gewissens mit Schlümpfen, Pippi Langstrumpf und anderen leben? Die Fragen sind gestellt. Jetzt gibt es Antworten.


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  Leserkommentare

 
Karsten R., Sonntag, August 14, 2011 um 18:24 Uhr Was ist denn mit... Bernie & Ert? Gehören die beiden nicht mit dazu?

 
Marcus B., Sonntag, August 14, 2011 um 16:30 Uhr Haben diese Leute sonst nichts zu tun?
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