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Über den Scheibenwischern geht eine bunte Sonne auf
Mit zwei Siebdrucken von Andy Warhol wagte sie sich schon einmal bis Osnabrück. Ausflüge nach Bremen und Salzburg gab es auch. Doch nun macht die Kunstsammlung des Allgemeinen Deutschen Automobil-Clubs (ADAC) endlich dass, was für Millionen Mitglieder des Verbandes nicht nur Routine, sondern oft sogar Lebensinhalt ist – sie wird so richtig mobil.
“Wir wollen die Werke schon zeigen“, sagt sie vorsichtig und betont gleich, dass die seit 1970 aufgebaute Kollektion jetzt „neu organisiert und bewertet“ worden sei. Bislang habe man den Kontakt zu Museen nicht unbedingt gesucht. Entsprechend unbekannt ist die Sammlung. Dafür wird sie erstmals in einem Katalog gezeigt, der den vieldeutigen Titel „Spuren“ trägt. Früher hieß die Sammlung „Auto in Kunst“ und nahm damit beinahe den Titel „Die Kunst des Autos“ vorweg, unter dem zum 100. Geburtstag des Osnabrücker Autobauers Karmann von August bis Oktober 2001 in der Kunsthalle Dominikanerkirche Concept Cars und Kunst zum Thema Auto gezeigt wurden.
Zwei Siebdrucke von Andy Warhol gingen damals von München nach Osnabrück. Die beiden Drucke „VW Käfer“ und „Lastwagen“ schuf der König der Pop Art kurz vor seinem Tod 1987. Die Kuratoren der fast zeitgleich in Baden-Baden veranstalteten Schau „Ich bin mein Auto“ verzichteten dagegen auf Werke aus der ADAC-Sammlung. „Es gab diese Anfrage“, sagt Renate Schumacher-Böse, während sich Dr. Dirk Teuber von der Kunsthalle Baden-Baden an einen Kontakt erinnert, der wie auch bei den großen Automobilfirmen eher spröde ausgefallen sein soll. Ob das Kuratorenkonzept zu kritisch war? Teuber schränkt jedenfalls ein: „Unsere Fragestellungen fanden sich in der ADAC-Kollektion nicht wieder. Wir haben eine andere künstlerische Qualität gesucht“.
In der Tat: So richtig an das schmucke Blech geht es dem Auto bei diesen Kunstwerken nicht. Dass sich viel Auflagenkunst und noch viel mehr Fotorealismus in der Sammlung finden, mag dem Zeitgeist der siebziger Jahre geschuldet sein, als die meisten Werke erworben wurden. Heute kommt jährlich gerade noch eine Arbeit hinzu, wie Schumacher-Böse sagt. „Wir wenden dafür natürlich keine Mitgliedsbeiträge auf. Wir kaufen nur mit Spendengeldern“, schiebt die ADAC-Kuratorin sofort nach.
Dabei sieht die jüngste Erwerbung ziemlich gefällig aus. Tom Christophers „Cab Cross“ (1999) zeigt das hübsche gelbe Taxi aus New York. Zu Beginn der Sammlungstätigkeit durfte es noch etwas frecher sein. Edward Kienholz´ Objekt „Sawdy“ (1971) besteht aus einer Autotür, durch deren heruntergekurbeltes Fenster eine rassistische Gewaltszene zu beobachten ist. Dreht der Betrachter das Fenster hoch, sieht er sich selbst in einer Spiegelfolie. Doch soviel Härte bleibt selten. Natürlich gibt es Florian Köhlers ruppiges „Paar im Auto“ (1971), das Autofahren als Aggression zeigt oder Wolf Vostells „Neue Fahne der BR Deutschland“ (1973) mit endloser Blechlawine. Sogar HA Schult war mal richtig kritisch, wie „Moto-Guzzi im biokinetischen Tal“ (1972) belegt. Der Objektkasten zeigt, was Motorisierung übrig lässt – zerstörte und vergiftete Landschaft.
Doch ansonsten findet sich wenig, was dem guten Ruf des Autos Abbruch tut. Sogar Friedensreich Hundertwasser ist mit dabei: Er lässt auf „Der endlose Weg zu Dir“ (1967) über Scheibenwischern eine Sonne aus bunten Kringeln aufgehen. Ansonsten scheint die künstlerische Beschäftigung mit dem Thema Auto nach Mitte der achtziger Jahre versiegt zu sein. Ob dem Vehikel mit künstlerischer Kritik doch nicht beizukommen war? Wie gut, dass wenigstens bei Pannen jemand Rat weiß und Wagen kurzerhand an den Haken nimmt – „Der ADAC hilft“ heißt das Bild von 1989 und der Künstler nennt sich doch wirklich „Angerer der Jüngere“.
<2>“Spuren“. <1>Die Kunstsammlung des ADAC. Katalogheft sechs Euro.
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