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Gespannt auf die eigene Rolle
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Quelle: Neue Osnabrücker Zeitung 20. Mai 2010 11:16 Uhr


Gespannt auf die eigene Rolle

Die spontane Bühnenkunst des Improvisationstheaters ist zumeist gebunden an kleine Szenen. Doch es geht auch anders: Heute versucht sich eine Gruppe von Schauspielern um Jan Kraneis in der Langform.

 
Nachdenken nützt nichts: Was Jan Kraneis heute spielt, wird sich aus dem Moment heraus entscheiden. Foto: Pentermann  Vergrößern

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Es kommt vor, dass Schauspieler selbst gespannt sind, was in ihrem nächsten Stück passiert. Jan Kraneis geht das so. Er spielt heute bei „Detales – Geschichten aus kleinen Welten“ mit. Doch um was es darin geht und in welche Rolle er schlüpft, davon hat er noch keine Ahnung. „Detales“ ist ein improvisiertes Theaterstück. Da ist alles möglich.

Beginnen wird das Stück mit einer Vorgabe aus dem Publikum: dem Ort. Wo die Geschichte spielen wird, ist also vorher niemandem klar. „Das kann Frankfurt, die Wüste, ein Restaurant oder ein ganz anderer Ort sein“, sagt Jan Kraneis. Welche Rollen die Beteiligten spielen, in welchem Verhältnis die Figuren zueinander stehen, was sie erleben, all das wird sich spontan zeigen. Nur eine grobe Struktur ist vorgegeben. „Es gibt drei Handlungsstränge, die zu einer Geschichte zusammengeführt werden“, erklärt Kraneis.

Er selbst spielt seit sieben Jahren bei Improteus mit, die regelmäßig Shows im Ersten Unordentlichen Zimmertheater zeigen. Mit dieser Gruppe spielt Jan Kraneis Improcomedy, kurze Szenen also, die auf einer oder mehrerer Vorgaben aus dem Publikum beruhen und mit dem berühmtem „5-4-3-2-1“ am Anfang jedes kleinen Stückes eingezählt werden.

„Die Langform gleicht schon eher dem klassischen Theater“, sagt Jan Kraneis, den das Neue reizt. Charaktere und Geschichten können tiefer ausgelotet werden, und lustig muss es auch nicht unbedingt sein; genauso gut kann die Geschichte tragisch enden. Überhaupt, das Genre: Das steht genauso wenig wie alles andere fest. „Wenn die Zuschauer vorgeben, dass die Geschichte im Zauberwald spielt, wird daraus wahrscheinlich ein Märchen“, sagt Kraneis. Doch auch ein Krimi, eine Komödie oder eine Abenteuergeschichte könnte es werden.

Zum ersten Mal zeigen Schauspieler aus der hiesigen Improszene mit „Detales“ eine spontan gespielte Langform in Osnabrück. Bisher gab es diese Variante nur bei vereinzelten Gastspielen zu sehen. Mitwirken werden sieben Schauspieler aus Osnabrück, Köln, Bremen und Bielefeld. Zweimal hintereinander werden sie heute Abend „Detales“ spielen, zweimal wird eine völlig andere Geschichte zu sehen sein. „Eigentlich“, sagt Jan Kraneis und schmunzelt dabei, „müssten die Zuschauer beide Aufführungen gucken.“

Wenn es gut läuft, hofft er, könnte das Format regelmäßig im Zimmertheater zu sehen sein. Einen großen Konkurrenten hat die Gruppe aber heute: König Fußball. Zeitgleich mit den Aufführungen steht Bayern München im Finale der Champions League. Aber warum sollte nicht auch der eine oder andere Fußballfan kommen? Spannung erwartet ihn schließlich auch im Zimmertheater. Dort steht genauso wenig fest, wie der Abend enden wird.

„Detales – Geschichten aus kleinen Welten“: heute um 19 und 21.30 Uhr im Ersten Unordentlichen Zimmertheater. Kartentelefon: 0541/ 323-2202

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