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Mit einer „gewissen Portion Wahnsinn“
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Quelle: Neue Osnabrücker Zeitung 20. April 2010 07:00 Uhr


Mit einer „gewissen Portion Wahnsinn“

Anabela tritt im langen, changierend roten Kleid ins Scheinwerferlicht und singt über Lissabon, vergleicht die portugiesische Hauptstadt mit einem wunderschönen Mädchen. Oder sie beschreibt die Qualen einer jungen Frau, die vom Land in diese Großstadt gezogen ist und dort kein Glück findet. Andererseits wird es richtig heiter, wenn das geschmückte Lissabon besungen wird, in dessen Stadtteilen die berühmten Straßenfeste gefeiert werden.

 
Nicht nur traurig-dunkel, sondern auch mit strahlendem Sopran sang Anabela von „Nina Rossa“. Foto: Uwe Lewandowski  Vergrößern

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Fado ist der für Portugal typische Musikstil, den das Septett Sina Nossa jetzt ins Lutherhaus brachte. Der schmerzverliebte Gesang, der in den rauchigen Abendlokalen des Landes praktiziert wurde, ist jünger geworden. Mit Gruppen wie Sina Nossa, die in Deutschland leben und den Fado mit anderen Stilrichtungen mischen, befreit sich diese Musik aus den Klammern der Vergangenheit. „Wir spielen keinen reinrassigen Fado“, sagt dann auch Pianist Armindo Ribeiro und setzt mit seinen Kollegen zu einem Song an, der Sinti-Jazz-Elemente aufweist, als sei Django Reinhardt zu Gast. An anderer Stelle kann André Krengel, einzige Deutscher im Ensemble, zeigen, dass er die spanische Saitenspielart virtuos beherrscht. Ein interessantes Wechselspiel entsteht derweil, wenn Adélio Lopes ein Akkordeonthema an Ivo Guedes weiterreicht, der die portugiesische Gitarre spielt, ein lautenähnliches Instrument mit einem birnenförmigen Korpus und 12 Stahlsaiten.

Vertonte Gedichte, die auch schon mal jazzige oder poppige Züge tragen, traditionelle galicische Tänze, Lieder mit Einflüssen von den Capverden und Afrika, die von Cajon und Djembé angetrieben werden, oder Klassiker wie „April in Portugal“, auch bekannt als „The Whispering Serenade“, machen das Konzert zu einer abwechslungsreichen Reise durch die Musikwelt rund um das Mittelmeer.

Dazu bedarf es nicht unbedingt einer typischen Fado-Stimme mit traurig-dunklem Timbre, sondern darf durchaus von einem schönen Sopran wie dem von Anabela Ribeiro verziert werden. Da Fado traditionell sowohl von Männern wie von Frauen interpretiert wird, tritt auch mal Percussionist Jorge Rodriguez ans Mikrofon, um über die „gewisse Portion Wahnsinn“ zu singen, die nötig ist, um in diesem Musikstil bestehen zu können.

Das Publikum, das in der Pause mit Vinho Verde und portugiesischen Spezialitäten verwöhnt wird, lässt sich von dieser Mixtur begeistern und hätte sicherlich angefangen, zu dem flotten galicischen Volkslied „Lena“ Walzer zu tanzen, wäre der Saal nicht bestuhlt...

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