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Tippspiel
Klassiker mit mächtigem Swing
Beim letzten Gastspiel ist Uli Hoffmeier in der Osnabrückhalle aufge treten. Vor vollem Haus und mit großer Besetzung: Hoff meier schlägt ansonsten die Gitarre in Max Raabes Palast Orchester. Gerade sei man von einer dreiwöchigen USA-Tournee zurückgekehrt, erzählt Hoffmeier im Gespräch mit unserer Zeitung. Eine Reise mit bleibenden Erinnerungen, zum Beispiel an die New Yorker Carnegie Hall: „Ausverkauft, Standing Ovations – es ist einfach umwerfend.“
Die Gruppe besteht im Grunde aus zwei Duos: aus Hoffmeier und der Berliner Sängerin Anja Sonntag sowie dem Hamburger Gitarristen Michael Huhn und der Sängerin Therese Götz.
Einzeln bestehen diese Duos schon länger. Huhn und Hoffmeier kamen ins Gespräch, weil beide siebensaitige Jazzgitarren spielen. Eine Besonderheit – diese Instrumente werden inzwischen nur noch auf Bestellung gebaut. Die musikalischen Vorlieben waren ähnlich, und so lag es nahe, aus zwei Duos ein Quartett zu formen.
Das Konzert eröffnen sie zu viert mit dem Klassiker „Route 66“; der Harmoniegesang weckt Erinnerungen an Gruppen wie Manhattan Transfer. Nach Gershwins „’s Wonderful“ überlassen die Berliner vorerst den Hamburgern die Bühne, nach der Pause übernehmen Anja Sonntag und Uli Hoffmeier, den Abschluss bestreitet man dann wieder gemeinsam. Zur Repertoire-Auswahl hatte Hoffmeier vorweg erklärt: „Wir haben einfach die Songs genommen, die uns im Leben mal wichtig waren.“ Darunter sind einige Jazz-Klassiker, aber auch viele Überraschungen: „Thank You For The Music“ von Abba zum Beispiel, dann wieder Franz Léhars „Dein ist mein ganzes Herz“ – und sogar ein Titel, der durch ein Demonstrationsvideo einer führenden Software-Firma bekannt wurde.
So unterschiedlich die Herkunft auch sein mag, bei „7 Strings Lady Sings“ klingen diese Songs, als wären sie von vornherein als Jazz-Titel komponiert worden. Die neuen Arrangements verleihen ihnen mächtig Swing, bisweilen klingt sogar souliger Groove an, so wenn Uli Hoffmeier in einen kehligen Sprechgesang à la Barry White verfällt.
Glatte Bar-Jazz-Gefälligkeit wissen die Musiker zu vermeiden. So eingängig mancher Refrain ins Ohr geht, wenn die Alt-Stimme Therese Götz und die Mezzosopranistin Anja Sonntag in den Strophen spannungsreiche Kontraste schaffen, wird es in den besten Momenten frech und kratzig – hier kommt der Jazz zu seinem Recht.
Zwei Zugaben erbat das Publikum und bekam sie gewährt. Allzu dicht waren die Reihen nicht besetzt. Im Gespräch hatte Uli Hoffmeier schon von einschlägigen Erfahrungen berichtet. Die großen Tourneeacts laufen gut, die kleinen aber spüren, dass privat wie öffentlich im Kulturbereich gespart wird. Umso erfreulicher, wenn Veranstalter das Risiko eingehen und ungewöhnlichen, dabei hörenswerten und sehr unterhaltsamen Formationen wie dieser ein Forum bieten.






