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Theaterkunst, die in den Knast führt
Getarnt als Geburtstags- oder Studentenparty, finden die Vorstellungen des Theaters heute in Privatwohnungen oder in Hinterzimmern von Cafés statt. Wer dabei sein möchte, erfährt den Ort kurz vorher per SMS oder E-Mail. Ständig ist der Staat hinter den Theatermachern her – aber sie machen weiter.
„Ausländische Journalisten sind unsere Schutzengel“, sagt Natalia Koliada. Mit Nikolei Khalezin und weiteren Theatermachern hat sie das Belarus Free Theatre 2005 gegründet. Vor 50 Zuhörern berichtet sie von Verhaftungen und der Hilfe, die sie durch den Journalisten Tom Stoppard erhalten haben. Seine Arbeit trug zur Freilassung der Schauspieler bei.
Offenbar verhinderte er auch Schlimmeres. Nikolei Khalezin berichtet von „Mafia-Methoden“ der Regierung; sie schrecke vor Mord nicht zurück, und „Präsident Alexander Lukaschenko ist ein Schachspieler, der nicht mit den Figuren spielt, sondern mit dem Brett“.
Wie schwer es für Schauspieler und Musiker ist, in ähnlicher Lage unterstützt zu werden, zeigen Tom Lester, Gründer der Organisation Free-Dimensional, und Ole Reitov, Vorstands-Mitglied bei Free-Muse (siehe Box). Sie heben hervor, dass es auch von Menschenrechtsorganisationen kaum Unterstützung für verfolgte Schauspieler und Musiker gebe. Autoren oder Wissenschaftler stünden stärker im Fokus der Öffentlichkeit.
Mit einem Video stellt das Theater seine Arbeit vor, die Koliada ästhetisch verstanden wissen will. Die politische Aussage erhielte sie durch die Reaktion der Regierung, die sich dadurch die Grundlage schafft, die Kunst zu zensieren. Das Grundrecht auf freie Meinungsäußerung ist in Weißrussland so gut wie nichts wert, und gefragt nach dem Zusammenhang von internationalem Recht und Kunst, antwortet Khalezin: „Es gibt keinen.“








