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Tippspiel
Musikalischer Kraftakt mit Prädikat "einzigartig"
Das Bachjahr liegt zwei Jahre zurück. Nur vereinzelt versuchen derzeit sogenannte Billig-Labels noch, Gesamtaufnahmen des Komponisten auf dem Markt zu platzieren, und natürlich haben die großen Werke - die Passionen, das Weihnachtsoratorium - immer, kirchenjahreszeitlich bedingt, Saison. Aber der große Rummel um den Gotteskantor aus Eisenstadt hat sich gelegt. Genau dieses Vakuum, das Großereignisse häufig hinterlassen, möchte nun Arne Hatje, Kantor der Osnabrücker St. Katharinenkirche, füllen: Er präsentiert das gesamte Orgelwerk von Johann Sebastian Bach.
"Es war immer mein Traum", nennt Hatje seinen wichtigsten Grund, dieses Mammutprojekt zu realisieren. Mit Sportlergeist geht Hatje an die Ausführung seiner Konzertreihe. Aber er ist sich auch seiner Pflichten als Kirchenmusiker bewusst und sieht seine Konzerttätigkeit als Teil der Verkündigung: „Musik kann viel bewegen". Mit Bach versucht er, Menschen in die Kirche zu locken, damit sie die Musik auf- und den Raum wahrnehmen und sich vielleicht der ein oder andere gar zu einem Gottesdienstbesuch hinreißen lässt. Diesem Auftrag trägt die Konzeption seiner Konzertreihe Rechnung: Jedes einzelne Konzert der 17 Konzerte bezieht sich auf den jeweiligen Abschnitt des Kirchenjahres - über einen Zeitraum von gut anderthalb Jah-ren.
Ist die Zahl „17" eine Anspielung auf die Zahlenmystik, die Bachs Schaffen durchzieht? „Nein", antwortet Hatje auf diese Frage. Er will das Orgelwerk überschaubar präsentieren. Länger als eine Stunde sollen die einzelnen Konzerte nicht sein, denn „mehr kann man von dieser sehr komplexen Musik nicht aufnehmen." Und 17 Stunden umfasst das Orgelwerk nach dem derzeitigen Stand der Forschung: Ein einfaches Rechenexempel führt zu der Primzahl.
Selbstverständlich hat Hatje den Anspruch, „seinen" Bach möglichst authentisch wiederzugeben - soweit es seine Orgel in St. Katharinen zulässt. Entsprechend viel Zeit verwendet er auf Quellenstudium, Überlegungen zur Registrierung, zu Phrasierung und Artikulation. Und er will nichts auslassen: die großen und bekannten Werke ohnehin nicht, und die vielen Choralbearbeitungen und auch die nicht so gelungenen Kompositionen werden erklingen. Am morgigen Sonntag geht es mit dem „III. Teil der Clavierübung" los, „einem Meisterwerk par excellence", wie Hatje meint.
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09.02.2011
