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Quelle: Neue Osnabrücker Zeitung 21. Mai 2010 14:38 Uhr

Boliviens Staatschef Evo Morales und seine denkwürdigen Ernährungstipps

Andere Länder, andere Fritten

Osnabrück. Andere Länder, andere Fritten: Durch Brathähnchen und Pommes werden Männer schwul – das behauptete kürzlich Boliviens Staatschef Evo Morales und meinte das als Protest gegen künstliche Zusatzstoffe in Lebensmitteln. Aber hat das Auswirkungen auf den Menschen? Und wodurch entsteht Homosexualität überhaupt?

 
So viel muskelförderndes Eiweiß soll schaden? Grillstation im Taunus.Foto: ddp  Vergrößern

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„Der Schniedel schrumpft, der Busen schwillt / schon ist er Mamas Ebenbild“, witzelte Otto Waalkes in den frühen Achtzigern, „sie schaut ihm neidisch auf den Busen / jetzt kann er mit sich selber schmusen.“ Hintergrund war ein Lebensmittelskandal – 1980 wurde in Kalbfleisch das (seit 1958 verbotene) synthetische Wachstumshormon Diethylstilbestrol nachgewiesen, ein Östrogen. Der Stoff kann bei Männern eine Unterentwicklung der Geschlechtsorgane zur Folge haben, das nennt man dann Mikropenis.

Die Tierschutzorganisation Peta sieht Männer heute durch Chemie im Essen von Impotenz bedroht. Ein „Institut für Erektionsstörungen“ habe herausgefunden, dass der Grund praktisch immer die unnatürlichen Nahrungszusätze sind. Der Schönheitsfehler daran: Ein „Institut für Erektionsstörungen“ gibt es gar nicht. Ist womöglich trotzdem etwas dran an der Theorie der mysteriösen Auswirkungen von Zusatzstoffen in Lebensmitteln?

Faktisch weiß man nicht genau, was Zusatzstoffe in Lebensmitteln alles auslösen können. Aber man weiß ziemlich genau, was sie nicht auslösen – Homosexualität nämlich. Bestimmte Forschungsrichtungen gehen mittlerweile davon aus: Homosexualität ist angeboren. Man kommt hetero oder homo zur Welt.

Alles Gemunkel, ein Junge sei zu lange gestillt worden oder ein Mädchen habe zu oft Hosen getragen, scheint damit falsch und widerlegt zu sein. Demnach entscheiden offenbar die Gene: Bei eineiigen Zwillingen ist die Orientierung praktisch immer identisch, egal ob so rum oder so rum.

Homosexualität ist übrigens auch im Tierreich ganz normal und wurde bereits bei 1700 Tierarten beobachtet – bis hin zu den Bonobos (genetisch zu 99,4 Prozent identisch mit dem Menschen), die grundsätzlich allesamt bisexuell sind.

Einmal in Fahrt, zog Morales auch noch gegen Cola-Getränke zu Felde – die eignen sich seiner Meinung nach nämlich nicht zum Verzehr, sondern höchstens als Abflussreiniger. Und wieder hat Morales etwas mit halbem Ohr mitgekriegt und sich seine eigene Halbwahrheit zusammengeschustert. Also: Cola steht tatsächlich im Ruf, als Rohrreiniger zu taugen, und zwar weil sie Phosphorsäure enthält. Phosphorsäure ist auch in handelsüblichem Abflussreiniger enthalten, dank ihrer und der Kohlensäure können durch Cola leichte Abflussverstopfungen tatsächlich aufgeweicht werden – aber die Wirkung ist so gering, dass sie Fachleuten nur ein ganz müdes Lächeln entlockt.

Weil Phosphorsäure nun sehr nach Chemieunfall und Frankensteins Labor klingt, fürchten einige, die braune Brause brenne ihnen Löcher in die Magenwand. Das stimmt aber nicht, Magensäure ist erheblich ätzender. In die Zähne aber kann der Mix aus Phosphorsäure und Zucker die schönsten Löcher fräsen. Apropos Zucker: Natürlich hat Cola viele Kalorien, aber reiner Apfel- oder Orangensaft hat genauso viele – und Milch sogar noch mehr. Was natürlich keineswegs heißt, dass Cola gesünder wäre.

Evo Morales jedenfalls hat mit seinen grandiosen Ernährungsweisheiten überall großes Gelächter ausgelöst. Außer in Südafrika und Südchina. Dort ist nämlich ausgerechnet Cola Chicken (dt. Cola-Hühnchen) ein sehr populäres Rezept, geschätzt wegen seiner süß-sauren Note.

Rezept für Cola Butt Chicken und alle Texte dieser Reihe:

www.neue-oz.de/achso

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