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Könige des Dschungels
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Quelle: Neue Osnabrücker Zeitung 27. Juli 2010 15:28 Uhr

Warum spucken Fußballer ständig?

Könige des Dschungels

Osnabrück. „Fußball ist halt eine ruppige Sportart, für echte Kerle. Und die spucken halt auf den Rasen.“ Evolutionsbiologisch sind wir nur ein Fingerschnippen vom Höhlenmenschen entfernt. Einige von uns lassen schon mit ihrem Benehmen gar keinen Zweifel daran. Einige, das bedeutet in diesem Fall: Männer.

 
Arminia Bielefeld gegen MSV Duisburg: Bielefelds Michael Delura spuckt nach dem Spiel auf den eigenen Platz. Foto: dpa  Vergrößern

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Gerade erst wieder liefen sie in Südafrika über den Fußballplatz und spuckten auf Schritt und Tritt. Darauf angesprochen, verteidigen sie sich so: Bei der ganzen Rennerei bilde sich so viel Speichel, der müsse doch irgendwohin.

Nur sieht man das Spucken nicht beim Hallenfußball, auch nicht beim Hand-, Basket- oder Volleyball, bei Tennis, Leichtathletik und auch nicht beim Frauenfußball – dabei sind Frauen und Männer, zumindest was den Speichelfluss betrifft, gleich. Es muss also andere Gründe haben, warum manche Männer ungeniert überall hinrotzen.

So wie Hunde jeden Baum anpinkeln, markieren Fußballer mit Speichel ihr Revier, sagt Dr. Heinz-Georg Rupp, Psychotherapeut und früherer Mentaltrainer von Bayer Uerdingen. Da muss man wohl froh sein, dass nur gespuckt wird. Der Sportpsychologe betrachtet das Spucken als „nonverbale Meinungsäußerung“ – es sei einfach ein typisches Macho-Verhalten. Oder, wie es ein Kicker bei gutefrage.net selbst formuliert: „Fußball ist halt eine ruppige Sportart, für echte Kerle. Und die spucken halt auf den Rasen. Genauso wie in der Kabine der der Star ist, der am lautesten furzt.“

Das Thema beschäftigt bei Werder Bremen sogar höchste Stellen. Erhöhte Speichelbildung beim Sport, so zitiert Werder-Präsident Klaus-Dieter Fischer seine Vereinsärzte, sei nicht der Grund. Ein Spuckverbot werde der Verein aber nicht aussprechen. „Ich hoffe“, so Fischer, „dass die Marotte bald vorbeigeht.“

Spuckverbote wurden aus gesundheitlichen Gründen in Großbritannien ausgesprochen. Das britische Amt für Gesundheitsschutz HPA (Health Protection Agency) dazu: „Spucken ist immer eine ekelhafte Angelegenheit. Es ist unhygienisch und ungesund, vor allen Dingen, wenn man es in der Nähe anderer Menschen macht. Wie der Rest von uns würden auch Fußballer niemals in geschlossenen Räumen spucken, deswegen sollten sie es auch nicht auf dem Fußballplatz tun. Es ist eine schlimme Angewohnheit, die von den Klubs unterbunden werden sollte.“ Folgerichtig wurden im Zuge der Schweinegrippen-Panik Spiele abgesagt – sogar in Deutschland bei Hannover 96 II.

Mit den Darmwinden ist es auch so ein Ding: „Unabhängig vom Bildungsgrad der Männer sehe (rieche oder höre) ich es leider immer wieder“, so eine Frau in einem Partnerschaftsforum, „dass Männer zu Dauerfurzern mutieren. Warum muss sich Mann so gehen lassen?“

Männer dagegen haben ganz andere Sorgen. Ausführlichst wird im Netz etwa die Frage diskutiert: „Ab wann darf man vor seiner Perle furzen?“ Die Antworten füllen acht Seiten und sind allesamt nobelpreisverdächtig: „Fest steht, das bringt Bewegung in die Hütte!“, „Frauen tun das nie!!!! Und wenn doch... sucht euch ’ne neue!“ oder „Das ist ein Liebesbeweis.“ Und da verschwenden manche noch Geld für Rosen, Essenseinladungen oder Diamanten, um ihre Liebe zu zeigen.

Ähnlich verhält es sich mit Dauerrülpsern, ähnlich angeekelt beziehungsweise selbstgefällig die Kommentare, ähnlich auch die Deutung des Psychologen: Das Männchen möchte sich einfach als König des Dschungels präsentieren.

Aber zurück zum Spucken. Auf den Rasen ist es ja schon etwas grenzwertig, aber die Krönung ist die gezielte Attacke auf einen Gegner – wie Frank Rijkaard gegen Rudi Völler im Achtelfinale der Fußball-WM 1990 in Mailand. Bei der Europameisterschaft 2004 fiel er im Vorrundenspiel gegen Dänemark dadurch negativ auf, dass er Christian Poulsen dreimal anspuckte. Bei der WM 2010 ließ sich Superstar Cristiano Ronaldo total gehen, nachdem sein portugiesisches Team gegen Spanien ausgeschieden war.

Beim Gang vom Spielfeld in die Kabine spuckte er direkt in Richtung Kamera. Kommentator Fritz von Thurn und Taxis’ spontane Reaktion: „Pfui Teufel!“

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