·
Digitalabo·
Shop·
Tippspiel
Darmstadt – kein anrüchiger Name
Osnabrück. „Unschmeichelhaft“, „unfein“ – das sind Attribute, die mit dem Namen Darmstadt oft verbunden werden. Natürlich zu Unrecht. Aber etwas seltsam ist der Name schon.
Mit dem Verdauungsorgan hat die Stadt allerdings nicht viel zu tun, schon weil in jenem Milliarden von Bakterien wohnen im Vergleich zu 142761 Hessen (Stand 30. Juni 2009). So sehr von der Lokalpresse über Historiker bis zu Stadtoberen auch gerätselt wird – ganz genau ist die Entstehung des Namens nicht zu klären.
Als Namensgeber wird seit Mitte des 19. Jahrhunderts in der Region ein gewisser Darimund vermutet. Dieser soll etwa im achten Jahrhundert Wildhüter in der Gegend gewesen sein, und im elften Jahrhundert wurde „Darmundestat“ erstmals urkundlich erwähnt. Doch ist unwahrscheinlich, dass ein einfacher königlicher Beamter einer Siedlung seinen Namen hätte verleihen können. Zudem deutet die Endung -stat eher auf eine örtliche Besonderheit hin und nicht auf einen Stadtgründer.
„Ich glaube nicht an Darimund“, sagte deshalb Heinz Winfried Sabais, der von 1971 bis 81 Oberbürgermeister von Darmstadt war. Er favorisierte eine alternative, etymologische Ableitung des Namens. Sabais führte die älteste bekannte Schreibweise „Darmundestat“ auf die Einzelteile dar für Tor (abgeleitet vom indogermanischen tar), munde für Schutz (abgeleitet von Munt) und stat für Stätte zurück.
So wäre der Name also eine Funktionsbezeichnung gewesen: die Stätte an einem befestigten Durchgang. Ob das jetzt stimmt oder aber eine der zahllosen anderen Theorien, wird sich indes nur mit einer Zeitmaschine klären lassen.
Übrigens reicht die Neigung zu etwas spezieller Namensgebung bei den Hessen bis in die Vororte. So heißt ein Randbezirk von Darmstadt – Wixhausen. Das kommt von „Wickenhusen“, was so viel bedeutet wie „Häuser am Weiher“. Was denn auch sonst.
Alle Texte dieser Reihe: www.neue-oz.de/achso
Im Lauf der Zeit
Gesmold. Nachdem wir uns in den vergangenen Wochen die Straße „Zur Femlinde“ näher angesehen haben und die Linde einmal auch von fern auf einem Bild zu... mehr
Mehr Ach So




