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Geister, Dämonen, der Teufel selbst?
Osnabrück. Dass beim Bauchredner nicht wirklich der Bauch redet, ist klar. Sonderbar ist aber, was die alten Griechen dachten, wer da spricht: Dämonen.
Dämonen sind nach Definition von Altertumswissenschaftlern übrigens ein tierköpfiges Mischwesen mit mindestens menschengestaltigen Beinen. Den Gegensatz dazu bilden Monster – Mischwesen mit Tierkörpern und Tierköpfen fantastischer Art oder Tierkörper mit menschlichen Köpfen wie Sphinx (Frauenkopf und Löwinnenkörper), Mantikor (Männerkopf mit Löwenkörper und Skorpionschwanz) und Zentauren (Menschenoberkörper und Pferdeleib). Nachdem Generationen von Menschen in der Überzeugung gelebt hatten, Monster seien böse und wohnten unter Kinderbetten, um des Nachts Angst und Albträume zu verbreiten, zeigt seit 1969 die „Sesamstraße“ die Kreaturen erstmals von ihrer liebenswürdigen Seite: „Kekse!“ Aber wir schweifen ab.
Die erste Bauchrednerin soll übrigens Pythia gewesen sein, die Priesterin im Orakel von Delphi. Die war zudem auch noch völlig zugedröhnt, da ihr Platz im Tempel von Delphi über einer Erdspalte war, aus der Archäologen zufolge eine Mischung aus Methan und Kohlendioxid emporstieg. Die vermeintliche seherische Trance soll demnach bloß Sauerstoffmangel gewesen sein. Derart umnebelt und in Bauchredner-Manier vorgebracht, ist es denn auch kein Wunder mehr, dass die Prophezeiungen von Delphi oft mehr als rätselhaft waren und einer Interpretation bedurften.
Im Mittelalter hatte Bauchreden unverändert viel mit Magie und Metaphysik (sprich: mit Leuteveräppeln) zu tun, und weil die Menschen damals noch immer so ziemlich jeden Hokuspokus glaubten, wurde mancher redende Bauch sicherheitshalber auf dem Scheiterhaufen gegrillt. Könnte ja der Leibhaftige drin wohnen.
Erst als die Zeiten nach der Aufklärung etwas weniger finster waren, setzte sich die Erkenntnis durch, dass doch keine Geister und Dämonen am Werk sind. Ende des 18. Jahrhunderts steigen immer mehr Bauchredner zu Berühmtheiten auf. Seitdem ist die Kunst fester Bestandteil von Varietés und Vaudeville-Theatern, stirbt aber mit diesen Bühnenformaten mehr und mehr aus. Heute wird sie vorwiegend zur Kinderbespaßung bei Geburtstagsfeiern angeboten.
Und so funktioniert die Kleinkunst: Man unterscheidet zwischen „Kieferlauten“ und „Lippenlauten“. Kieferlaute sind Buchstaben, die nicht mit den Lippen gebildet werden müssen (a, e, c, i, o, u, l, s …). Es muss lediglich der Kiefer still gehalten werden. Lippenlaute sind erheblich schwieriger zu bilden (b, p, f, m, w). Sie ohne den Einsatz der Lippen zu bilden erfordert reichlich Übung.
Wenn man allerdings dem Heimwerker-Portal Wawerko.de glaubt, ist das alles gar nicht so schwer: Um Bauchreden zu lernen, veranschlagen die Pseudo-Profis einen Zeitaufwand von schlappen vier Stunden.
Alle Texte dieser Reihe:
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