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Massenkeulung wegen BSE: Züchter aus dem Emsland suchte beim Nachbarn Zuflucht
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„Für mich brach eine Welt zusammen“

Massenkeulung wegen BSE: Züchter aus dem Emsland suchte beim Nachbarn Zuflucht

Papenburg. Den 28. Februar 2001 wird Alfons Engbers nie vergessen. Auch der damalige Geschäftsführer des emsländischen Landvolkes, Kreisverband Aschendorf-Hümmling, Gerd Kruse, erinnert sich an diesen Tag mit Schrecken. Am Morgen erhielt Kruse die Nachricht, dass bei einem Rind aus Engbers’ Bestand BSE nachgewiesen worden war. Nun musste er die Hiobsbotschaft überbringen. „Die Nachricht traf die Familie völlig unvorbereitet. Sie haben nur noch geweint“, sagt Kruse. Das Tier habe ja zuvor keinerlei Symptome von BSE gezeigt.

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„Für mich brach damals eine Welt zusammen“, schildert Engbers, der auf seinem Hof in Breddenberg im Altkreis Aschendorf-Hümmling damals 200 Kühe, Rinder, Kälber und Bullen hielt, seine Verzweiflung. „Engbers hat wirklich auch noch besonderes Pech gehabt“, sagt Kruse. Sein Fall mache deutlich, wie hilflos und ohnmächtig die Behörden damals gewesen seien. Der 35-Jährige war der zweitletzte Rinderzüchter in Deutschland, auf dessen Hof, nachdem bei einem Tier BSE festgestellt worden war, der gesamte Bestand gekeult werden musste. Nur ein halbes Jahr später wurden nur noch die Kohorten, also die direkten Verwandten eines an BSE erkrankten Tieres, getötet. „Dann hätte ich nur vier meiner Tiere verloren“, sagt Engbers, als könne er sein Unglück auch heute noch nicht fassen.

Als seine Tiere verladen wurden, um zur Keulung in einen eigens für die BSE-Seuche reaktivierten Schlachthof gefahren zu werden, suchte Engbers mit seiner Frau und seinen drei kleinen Kindern bei einem Nachbarn Zuflucht. Wie sie ihm den Stall leer räumen, nein, das wollte er nicht mit anschauen „Als ich noch mal zurückblickte, sah ich ganz vorne meine beste Kuh stehen, die noch in der Nacht geworfen hätte“, erinnert er sich. „Das war einfach schrecklich.“

Für den Bestandswert der Zucht kam die Seuchenkasse auf, und der Landvolkverband half dem Landwirt beim Aufbau einer neuen Existenz. Der materielle Schaden sei ja aber längst nicht alles gewesen, sagt Engbers. Er sah sein Lebenswerk und das seiner Vorfahren zerstört. „Den Zuchtbetrieb hatte meine Familie über Generationen aufgebaut. Das kann man nicht so schnell wiedergutmachen.“ Wenn er am Morgen in die leeren Ställe kam, erfasste ihn das Grauen. Kruse, der den jungen Landwirt und seine Familie auch Monate später noch betreute, sagt: „Der Fall hat auch mich sehr mitgenommen. Das nehmen Sie mit ins Bett.“ Die ersten BSE-Fälle waren bereits in den 80er-Jahren in Großbritannien aufgetaucht. „Statt aber zu forschen und aufzuklären, wurde dort nur vertuscht“, sagt der Diplom-Agraringenieur: „Hätten die damals anders und früher reagiert, wäre uns allen viel Leid erspart geblieben.“

Erst nachdem der erste BSE-Fall in Deutschland im November des Jahres 2000 publik geworden sei, habe man endlich Geld für die Forschung für einen Schnelltest am lebenden Tier freigegeben. Innerhalb nur eines halben Jahres sei es den Wissenschaftlern dann gelungen, einen solchen Test zur Verfügung zu stellen, so Kruse. Damit und mit dem Verfütterungsverbot von Tiermehl und von Tieren stammenden Fetten sowie der Verbrennung des Risikomaterials habe man das Problem dann ziemlich schnell im Griff gehabt. „Der Verbraucher wusste ja, jetzt gibt es die Tests und fühlte sich bald wieder sicher.“

Die Forderungen, die bis heute vorgeschriebenen stichprobenartigen BSE- Tests abzuschaffen, unterstützt Kruse nicht: „Sie machen auch heute noch Sinn“, sagt er. Die Landwirtschaft lebe vom Vertrauen der Verbraucher.

Das ganze Ausmaß der BSE-Krise fasste damals ein Fleischer aus der Region auf einer Versammlung in Zahlen: Während er vor der Krise noch täglich zwischen 20 bis 30 Pfund Rindfleisch verkauft habe, war es dann nur noch rund ein Pfund, berichtete er. Erst im Frühjahr 2002 erholte sich der Markt.

Und wie lange hat es gedauert, bis die Familie Engbers die Krise überwunden hatte? „Ihnen ging es erst wieder besser, als in ihren Ställen endlich wieder Leben war“, sagt Kruse.


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