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Der Mann: das Opfer – Netzattacke gegen Gleichberechtigung
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Der Mann: das Opfer – Netzattacke gegen Gleichberechtigung
Der Mann: das Opfer – Netzattacke gegen Gleichberechtigung
Osnabrück. Sie sehen sich als Opfer einer Frauenherrschaft und beklagen einen allgemeinen Hass auf Männer: Die Anhänger der antifeministischen Männerrechtsbewegung sorgen im Internet für Unruhe. Wer ihr verqueres Weltbild nicht teilt, wird beleidigt und bedroht. Der Wissenschaftler Hinrich Rosenbrock hat sich mit diesem Phänomen auseinandergesetzt – und wird jetzt selbst angegriffen.
Tummelplatz der selbst ernannten Opfer ist das Netz. Dort hat sich Rosenbrock umgeschaut. „Wann immer irgendwo das Thema Feminismus auftaucht, sind sie da“, sagt der Soziologe, der im Namen der Heinrich-Böll-Stiftung eine Expertise verfasst hat. Am 2. Februar wird sie vorgestellt. Darin ist zu lesen, dass sich mehrere Hundert Männer und einige Frauen online zusammengefunden hätten. „Sie eint der Hass auf alles, was mit Gleichstellung zusammenhängt“, erklärt Rosenbrock.
Über das Internet würde gezielt versucht, den Diskurs zu stören. Das heißt: Erscheint auf einer Nachrichtenseite oder in einem Blog ein Artikel mit dem Inhalt Feminismus, wird das jeweilige Forum gezielt mit antifeministischen Kommentaren überschüttet. Rosenbrock spricht von einer Opferideologie, die sich diese Männer konstruiert hätten. „Aus ihrer Sicht werden Männer in unserer Gesellschaft stärker benachteiligt als Frauen. Daran geben sie vor allem dem Feminismus die Schuld.“ Rosenbrocks Erkenntnis: „Viele Antifeministen wenden sich nicht nur gegen Gleichstellungspolitik und Quoten, sondern ihnen ist es schon ein Ärgernis, wenn Frauen öffentliche Ämter haben.“
Bei ihrer Meinungsmache greift die Bewegung zu Cyberbullying. Auf Deutsch heißt das: Im Netz werden Andersdenkende – und das sind laut Rosenbrock nicht nur Frauen, sondern auch ein Großteil der Männer in Deutschland – gemobbt. Männer, die sich für Gleichberechtigung aussprechen, werden beispielsweise als „lila Pudel“ beschimpft. Doch das ist noch harmlos. Rosenbrock berichtet von Vergewaltigungs- und Morddrohungen. Auch er selbst sieht sich seit Bekanntwerden seiner Untersuchungen Attacken ausgesetzt. „Das hat Dimensionen angenommen, die anstrengend sind. In einigen Fällen prüfen wir rechtliche Schritte.“
Was machen mit den größtenteils anonym auftretenden Foristen? Rosenbrock warnt davor, sie als Spinner abzutun. Er sieht „teilweise ideologische Überschneidungen zum Rechtsextremismus“. Bereits jetzt sei an einigen Stellen der Schulterschluss von Rechten und Antifeministen zu beobachten – auch wenn sich ihre ideologischen Gemeinsamkeiten teilweise auf die Verteufelung des Begriffes Gender beschränken. Rosenbrock sieht darin aber bereits „ein erhebliches Risiko für eine demokratische Gesellschaft.“ Gemeinsam könnten die beiden Gruppierungen die öffentliche Wahrnehmung des Themas Emanzipation erheblich beeinflussen.
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18.05.2012
