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Zu viel Testosteron zwischen den Schlappohren?
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Quelle: Neue Osnabrücker Zeitung 19. Januar 2012 15:05 Uhr

Was auch immer Alice Schwarzer & Company sagen: Hündinnen sind nicht unbedingt friedlicher als Rüden

Zu viel Testosteron zwischen den Schlappohren?

Osnabrück. Zugegeben, mit so einem kräftigen Rhodesian Ridgeback, zumal wenn er Romeo oder Nero heißt und ein überfordertes Menschlein am anderen Ende der Flexileine mit sich führt, ist nicht unbedingt zu spaßen. Erst recht, wenn er womöglich von seinem ureigenen kleinen Fußhupen-Rivalen von gegenüber dreist angekläfft wird.

 
Weibchen schlägt Männchen: Lara zeigt ihrem Dackel, wo’s langgeht. Foto: Römhild  Vergrößern

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Auch ein stattlicher Hovawart-Rüde, der ein einsames Gehöft bewacht, könnte gelegentlich ungemütlich werden – schließlich hat er ja, wie der Rassename „Hofwächter“ in angeblichem Althochdeutsch besagen soll, nun einmal diesen Beruf. Nicht zu vergessen auch so manches Jack-Russell-Männchen, ganz zu schweigen von seinem größeren Bruder, dem Parson, dem nicht nur ein kaum zu bändigendes Temperament, sondern gelegentlich auch ein gewaltiger Überschuss an Testosteron nachgesagt wird. Jedenfalls haben diese Hunde manchmal einen Gang drauf, von dem Westernhelden nur träumen können.

Aber wie wäre das, wenn der kräftige Rhodesian, der stattliche Hovawart oder der selbstbewusste Jack Russell als Hündinnen daherkämen? Von feministischer Seite hört man ja gelegentlich: Wenn Frauen die Welt regierten, wäre sie friedlicher. Der Alltag aber lehrt uns immer wieder folgende Faustregeln: 1. das Leben ist nicht mütterlich; 2. zumindest das Hundeleben funktioniert nach Rudelgesetzen und 3. Hund ist nicht gleich Hund, und bei so manchem vierfüßigen Dominanzcharakter würden vermutlich weder Kastration noch Geschlechtsumwandlung etwas nützen.

Da wäre zum Beispiel die im besten Sinne selbstbewusste Cocker-Hündin Malin, die ihr Rudel – bestehend aus zwei Kindern und dem lammfrommen Standard-Bullterrier-Rüden mit dem sprechenden Namen Murdoch – immer gut im Griff hatte. Oder etwa die Jack-Russell-Dame Lara, die als prototypische Vertreterin der Terriergruppe immer wusste, was sie wollte oder auch nicht wollte. Dass Lara sich von ihrem Lebensabschnittspartner, einem nicht weniger beherzten blonden Dackelmännle, weder das Stöckchen aus der Schnauze noch die Leberwurst vom Frühstücksbrot nehmen ließ, versteht sich. Auch auf seine vielen Tricks, etwa ablenkendes Dauergebell zur Kaschierung seiner alltäglichen Kleinkriminalitäten, ist die ebenso lebenskluge wie durchsetzungsfähige Hündin nicht hereingefallen. In Extremfällen hatte der Rüde dann mit einem Loch in seinem Schlappohr zu rechnen. Sollte Mütterlichkeit im Tierreich etwa auch mit Wehrhaftigkeit zu tun haben? Diesen Eindruck hat man wenigstens dann, wenn eine dominante Hündin ihre Stofftiere oder gar ihre echten Welpen verteidigt. Während andererseits so manche phlegmatische Hundemutter, wenn sie wie die Mopshündin Käte überwiegend auf dem Sofa gehalten wird, nicht nur zum Jagen, sondern auch zum Säugen ihrer Jungen getragen werden muss. Und da gibt es noch die schafsgeduldige Golden-Retriever-Hündin Frieda, die in einer WG mit zwei Mopsweibchen und einer Borderterrierin ein beschauliches Utopia lebt. Wie denn auch anders, schließlich besteht das Bündnis der Damen ja darin, dass sie immer genau überlegen, welcher Rüde ihnen in das eigene Schlaraffenland hineinpinkeln darf.

So gesehen hat hier dann doch ein anderer bekannter Feministinnen-Spruch das letzte Wort: Ohne rüde Rüden wäre die Welt voller zufriedener, glücklicher, wohlgenährter Weibchen.

Unsere Autoren haben als Professoren der Germanistik u.a. den literarischen Hund erforscht – und insgesamt neun Dackel erzogen.

Halten Sie herrische Hündinnen und weibische Rüden? Erzählen Sie es unter www.noz.de/hund

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