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Erfindet Apple das Schulbuch neu?
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Kommerzialisierung befürchtet

Erfindet Apple das Schulbuch neu?

Osnabrück. Müssen sich künftige Schülergenerationen nicht mehr mit schweren Schultaschen abschleppen? Apple will angeblich Morgen den Einstieg ins Schulbuchgeschäft verkünden. Mit dem iPad als Lernmedium wolle der amerikanische Internetdienstleister langfristig dann wohl Schulbücher durch digitale Versionen zumindest teilweise ersetzen, melden verschiedene Quellen. Andere spekulieren, Apple setze vor allem auf den neuen E-Book-Standard ePub 3, der es erleichtert, Videos und Audiodateien in ein E-Book einzubinden.

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Marianne Demmer, Leiterin des Vorstandsbereichs Schule der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und stellvertretende GEW-Vorsitzende, zeigt sich im Gespräch mit unserer Zeitung besorgt: „Wenn Apple seine Pläne mit dem iPad umsetzt, wie sie bisher von den Medien kolportiert werden, bedeutet dies einen Werbefeldzug zum Verkauf von iPads und einen weiteren Kommerzialisierungsschub im Bildungsbereich“, warnte die Expertin. „Wahrscheinlich sollen die Eltern das dann auch noch mitfinanzieren.“ Schon jetzt würden die Schulen mit interessengesteuertem Unterrichtsmaterial von Verbänden und Lobbygruppen überschwemmt, kritisierte Demmer.

Die öffentlichen Schulen, die sich für die Apple-Hard- und Software entschieden, würden sich dann an einen einzigen Wettbewerber – und dessen inhaltliche Angebote – binden. „Dann wird jegliche demokratische Kontrolle der angebotenen Materialien ausgehebelt“, warnte die GEW-Funktionärin. Sie forderte ausdrücklich die Einrichtung neutraler öffentlicher Stellen, die Unterrichtsmaterialien begutachten. „Gleichzeitig müssen die Etats für Lehr- und Lernmittel aufgestockt werden, um das Einfallstor für Kommerzinteressen zu schließen.“

Kritische Stimmen

Aus der Lehrerschaft werden aber auch immer wieder kritische Stimmen laut, dass deutsche Schulbuchverlage nicht ausreichend Angebote für das digitale Klassenzimmer entwickeln . Auch André Spang, der an der Kaiserin-Augusta-Schule in Köln das iPad seit einem Jahr erfolgreich als Lernmedium etabliert hat , bedauert gegenüber unserer Zeitung, dass die Inhalte der traditionellen Lehrmittel auf den Geräten noch fehlen. „Das wäre dann das Tüpfelchen auf dem i.“ Zwar seien die Schulbuchverlage bemüht, entsprechende Angebote auf den Markt zu bringen, „allein schon wegen der rechtlichen Vorgaben ist das aber nicht einfach“, betonte Spang.

Trotzdem müssten die Verlage endlich in Bewegung kommen. „Wenn Apple am Donnerstag wirklich den Aufschlag gibt, dann kann die Lawine losgehen“, sagt Spang voraus. „Und wer da nicht gerüstet ist, um den wird es schlecht bestellt sein.“ Das habe man ja bereits bei der Musikindustrie gesehen und auch beim Kino, Video und DVD. „ Auch den Buchmarkt wird das mit Sicherheit treffen, wenn da nicht schnell gehandelt wird“, betonte Spang.

Der Pädagoge räumte ein, dass es durchaus auch negative Seiten habe, wenn Apple jetzt den Aufschlag mache. „Dann wird es zunächst nur Apple und damit wahrscheinlich ein geschlossenes System.“ Wichtig sei aber doch, „dass überhaupt mal jemand etwas macht und die anderen sich dann auch bewegen müssen“. Er würde sich wünschen, dass die Schulbuchverlage endlich den Mut finden, nach vorne zu gehen.

In den USA macht Apple bereits große Anstrengungen, um das iPad an Schulen und Universitäten als Standardgerät einzuführen. Eine Umfrage ergab Ende Oktober 2011, dass viele auf Technik spezialisierte US-Schulen Tablets im Unterricht einsetzen – und zwar ausnahmslos iPads. Bereits der kürzlich verstorbene Apple-Chef Steve Jobs hatte sich vorgenommen, den Markt für Lehrbücher in die digitale Welt – also aufs iPad – zu übertragen. Ähnlich wie Apple das zuvor mit dem iPod und der Transformation der Musikindustrie getan hatte.

Keine Schlepperei von Schulbüchern mehr

Sollte Apple tatsächlich ein Geschäft mit mehreren großen US-Schulbuchverlagen verkünden, ist nach Ansicht von Experten davon auszugehen, dass die Lehrbücher für das Apple-Tablet umgearbeitet und mehr oder weniger kostenlos über die Buch-App iBooks ihren Weg auf die Apple-Tablets finden und den Schülern so eine Menge Schlepperei ersparen. Lohnen könne sich das nur, wenn die digitalen Lehrbücher viel günstiger sind als gedruckte Bücher, sodass sich der Anschaffungspreis für die Geräte schnell amortisiert, meinen Experten. Deshalb dürfte Apple die Entwicklung der digitalen Bücher zumindest mitfinanzieren. Dafür würde sich der IT-Dienstleister aber ganze Generationen neuer Kunden für seine Hardware erziehen. Denn Millionen von Schülern würden künftig den Gebrauch eines iPads von klein auf erlernen.

Als großen Vorteil sehen Experten auch die Tatsache, dass iPad-Bücher multimedial wären, weil sie mit Videos und anderen Inhalten angereichert werden können. Weitere Argumente für das iPad im Unterricht wären der Spielcharakter, den iPad-Inhalte haben können, und die Möglichkeit, aktuell Updates für Bücher zu bekommen.

Besonders vehement wird die Entwicklung des digitalen Klassenzimmers in Südkorea vorangetrieben: Das Bildungsministerium gab jüngst bekannt, dass es sämtliche Schulbücher bis zum Jahr 2015 in digitaler Form vorliegen haben möchte. Ab 2014 sollen alle Grundschüler, später die höheren Jahrgänge die bisher gedruckten Werke auf Smartphones, Tablet-PCs und Fernsehern lesen können


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