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Tippspiel
Bundespräsident Wulff bleibt unter Druck
Knapp 11,5 Millionen Zuschauer hatten am Mittwochabend das mit Spannung erwartetet Interview von Wulff in ARD und ZDF gesehen.
Bundespräsident Christian Wulff trotzte dem massiven Druck in der Hauskredit-Affäre und lehnte einen Rücktritt rundweg ab. Ungeachtet des verheerenden Medienechos beteuerte Wulff im Interview mit Ulrich Deppendorf für die ARD und Bettina Schausten für das ZDF, nichts Unrechtes getan zu haben.
„Nein. Denn ich hatte die ganzen Wochen über große Unterstützung von vielen Bürgerinnen und Bürgern, meiner Freunde und auch der Mitarbeiter. "Ich nehme meine Verantwortung gerne wahr, ich habe sie für fünf Jahre übernommen. Und ich möchte nach fünf Jahren eine Bilanz vorlegen, dass ich ein guter, erfolgreicher Bundespräsident war; und ich mache das mit Freude und aus Überzeugung und weiß, dass ich nichts Unrechtes getan habe, aber nicht alles richtig war, was ich getan habe," erklärte Wulff auf die Frage, ob er an Rücktritt gedacht hat.
„Der Anruf bei dem Chefredakteur der "Bild"-Zeitung war ein schwerer Fehler, der mir leidtut, für den ich mich entschuldige. Ich habe das auch sogleich nach der Rückkehr aus dem Ausland persönlich getan, es ist auch akzeptiert worden", sagte Wulff.
Die Aussagen Wulffs lösten bei Koalition und Opposition ein unterschiedliches Echo aus. In der schwarz-gelben Koalition wurde der Fernsehauftritt mit Erleichterung aufgenommen. Die Opposition sieht nun Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Zug. Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel forderte Kanzlerin Merkel auf, dessen Eignung für das höchste Staatsamt zu überprüfen. «Das ist keine Causa Wulff mehr, das ist eine Causa Merkel.»
Der stellvertretende SPD-Fraktionschef Hubertus Heil sagte: «Es bleiben Fragen offen, die aufgeklärt werden müssen.»
Aus der FDP hieß es, es sei gut, dass Wulff zu den Vorwürfen Stellung genommen und Fehler eingeräumt habe. Mit Blick auf den Disput mit der «Bild»-Zeitung sieht der designierte FDP-Generalsekretär Patrick Döring weiter Klärungsbedarf. «Das müssen die beiden unter sich ausmachen und an dieser Stelle dann eben auch eine gleichlautende Deutung der Öffentlichkeit präsentieren», sagte er.
Denn nach dem Fernseh-Interview von Bundespräsident Christian Wulff zu seiner Kredit- und Medienaffäre spitzt sich der Konflikt zwischen dem Staatsoberhaupt und der «Bild»-Zeitung zu. Die Zeitung widersprach nach einem Bericht des Deutschlandfunks der Aussage Wulffs, er habe mit seinem Anruf bei Chefredakteur Kai Diekmann eine Berichterstattung zu seiner umstrittenen Hausfinanzierung nur verschieben, aber nicht verhindern wollen. Das aus dem Jahr 2006 zeigt damalige Ministerpräsident des Landes Niedersachsen, Christian Wulff, sowie «Bild»-Chefredakteur Kai Diekmann beim Sommerfest der Bild-Zeitung.
Der Leiter des «Bild»-Hauptstadt-Büros, Nikolaus Blome hat nach einem Bericht des Deutschlandfunks der Aussage von Bundespräsident Christian Wulff widersprochen, er habe mit seinem Anruf bei Chefredakteur Kai Diekmann eine Berichterstattung zu seiner Hausfinanzierung nicht verhindern wollen. Das habe die Redaktion deutlich anders wahrgenommen, sagte Blome. Es sei ganz klar Ziel dieses Anrufs gewesen, diese Berichterstattung zu unterbinden. Die „Bild" ging am Donnerstag mit dem Plan in die Offensive, die umstrittenen Mailbox-Äußerungen zu veröffentlichen.
Bundespräsident Christian Wulff trotzt dem massiven Druck in der Hauskredit-Affäre und lehnt einen Rücktritt rundweg ab. Ungeachtet des verheerenden Medienechos beteuerte Wulff in einem Interview bei ARD und ZDF, nichts Unrechtes getan zu haben. Wulff war wegen eines 500 000-Euro-Kredits für sein Privathaus von der Unternehmergattin Edith Geerkens in die Kritik geraten. Später hatte Wulff diesen Kredit durch ein Darlehen der BW Bank abgelöst. Eine neue Dimension bekam der Fall, als bekannt wurde, dass Wulff telefonisch versucht hatte, die unliebsame Berichterstattung der «Bild» zu beeinflussen. Fotos: dpa Zum Artikel




