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Tippspiel"Über manche Karikaturen habe ich gelacht"
Doch, über manche der Mohammed-Karikaturen habe sie "auch gelacht", erzählt Ekin Deligöz. Als Politikerin sei man schließlich einiges an Spott und Satire gewohnt. Dass sich aber tief gläubige Muslime durch die Zeichnungen verletzt fühlten - das könne sie schon verstehen, sagt die 34-Jährige. Die gewaltsamen Proteste dagegen sind für sie "fundamentalistisch gesteuert". Und eines ist ihr wichtig: "Die Masse der Muslime steht dem sehr kritisch gegenüber."
Deligöz ist eine von vier Muslimen unter den 614 Abgeordneten. Die Grünen-Politikerin wurde im türkischen Tokat geboren und kam mit acht Jahren ins bayerische Schwaben; seit 1997 ist sie deutsche Staatsbürgerin.
Gespannt verfolgt sie am Freitag die Debatte im Bundestag, in der sich alle Parteien über die Bewertung des Karikaturenstreits einig sind. Die Verletztheit vieler Muslime sei verständlich, rechtfertige aber auf keinen Fall Gewalt. Parteienübergreifend ruft der Bundestag zu einem friedlichen Dialog aller Kulturen auf. Durch die Diskussion soll auch "ein Beitrag zur Deeskalation" geleistet werden, wie Grünen-Fraktionschef Fritz Kuhn betont.
Nur in Nuancen gibt es unterschiedliche Bewertungen des Streits. Der SPD-Abgeordnete Niels Annen wendet sich wie die Grünen gegen die in der Union vereinzelt geäußerten Forderungen, als Folge der Krawalle Botschaften in den betroffenen Ländern zu schließen - das sei "kontraproduktiv".
Manche Abgeordnete nehmen auch die Muslime in die Pflicht: Der CSU-Abgeordnete Karl-Theodor zu Guttenberg sagt, Toleranz und Respekt gegenüber religiösen Gefühlen müssten auch in der islamischen Welt gelten - das sei keine "Einbahnstraße". Und FDP-Fraktionschef Wolfgang Gerhardt betont, die arabische Welt müsse - bei allem Verständnis für religiöse Gefühle - die Schärfe der Pressefreiheit ertragen.
Einig ist man sich im Wunsch für mehr "Gelassenheit" in der Diskussion. Der Staatsminister im Auswärtigen Amt, Günter Gloser, warnt im Namen der Bundesregierung davor, nun einen "Kampf der Kulturen" heraufzubeschwören.
Das sieht auch Ekin Deligöz so. Forderungen nach Konsequenzen aus dem Karikaturenstreit liegen für die studierte Verwaltungswissenschaftlerin dennoch auf der Hand: die Bemühungen um Integration verstärken, zum Beispiel durch Islamunterricht an den Schulen, um eine "Kultur des gegenseitigen Anerkennens" zu schaffen.
Eine Politik der Ausgrenzung hingegen, wie es sie zum Teil auch in Dänemark gebe und wofür auch der geplante Muslim-Test in Baden-Württemberg ein Beispiel sei, müsse gestoppt werden. "Solche Pläne schüren den Argwohn und sind Wasser auf den Mühlen der Fundamentalisten", sagt sie.



