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Nachhilfe für die Fernsehärzte

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Nachhilfe für die Fernsehärzte

Von Martin Weber

Dem bärtigen Mann geht es gar nicht gut. Das Blut läuft ihm übers Gesicht, er hat starke Schmerzen. Trotzdem schafft es der gerade eben eingelieferte Patient inmitten der Hektik einer Notaufnahme zu einem für seinen Zustand bemerkenswerten philosophischen Höhenflug. Ein Karussell, so schwadroniert der Leidende, sei wie das Leben. ,,Es dreht sich und dreht sich, aber jeder darf immer nur ein Stück weit mitfahren." Die beiden behandelnden Ärzte lächeln milde, offensichtlich sind sie derartige Aphorismen von Schwerverletzten gewöhnt.

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Eher wirklichkeitsfremde Szenen wie diese aus einer Folge von ,,alphateam - die Lebensretter im OP" (Sat.1) gehören zum täglich gesendeten Standard der zahlreichen Arztserien im deutschen Fernsehen. Da schäkern Unfallopfer, die eigentlich rasende Schmerzen haben müssten, fröhlich mit der hübschen Krankenschwester. Ärzte stellen auch bei kompliziertesten Fällen blitzschnelle Diagnosen, und Schwerkranke gesunden wie durch ein Wunder in Rekordzeit. Freilich geht es in Serien wie ,,Für alle Fälle Stefanie" (Sat.1), "In aller Freundschaft" (ARD) oder ,,Die Rettungsflieger" (ZDF) in erster Linie um die diversen Probleme und das Gefühlsleben ihrer Helden und nicht um medizinische Aufklärung. Trotzdem, das zeigen Umfragen immer wieder, sind die Zuschauer gerade auch an den Krankheitsgeschichten der TV-Patienten und den gezeigten Behandlungsmethoden sehr stark interessiert. Echten Medizinern sträuben sich angesichts vieler unrealistischer Storys und Szenen jedoch nicht selten die Nackenhaare.

Doch das soll jetzt besser werden: Mit immer mehr medizinischen Fachberatern bemühen sich die Sender und Produktionsfirmen darum, ihre Arztserien realistischer und glaubwürdiger zu machen. So achtet beispielsweise der echte Chirurg Tobias Steiger als Berater des ,,alphateams" darauf, dass die Schauspieler Herbert Trattnigg als Dr. Voss oder Moritz Lindbergh (Dr. Pacek) zumindest die Spritze richtig halten oder die korrekten Fachbegriffe verwenden.

Der Mediziner bringt den Ärztedarstellern auch die für Operationen notwendigen Handgriffe bei. ,,Ich muss den Schauspieler als professionellen Menschen betrachten, obwohl er Laie ist", sagt Steiger. Bei den Vorbereitungen für die Serie ,,Fieber" (Sat.1) trainierten authentische Mediziner die fachgerechten OP-Handgriffe mit den Darstellern sogar an Schweinebäuchen.

Auch das Team von ,,Für alle Fälle Stefanie" um die Hauptdarstellerin Claudia Schmutzler wird von Profis beraten. ,,Mit Dr. Ekkehart Wolf, einem pensionierten Chefarzt, steht uns ein erfahrener Mediziner zur Seite. Eine weitere Ärztin bereitet bei den Dreharbeiten die OP-Szenen vor", berichtet die Berliner Autorin Ingrid Föhr, die bislang für mehr als 40 Folgen der beliebten Serie die Drehbücher geschrieben hat.

In München hat sich sogar eine ganze Agentur auf die medizinische Beratung von Fernseh- und Filmproduktionen spezialisiert. ,,The DOX. Medical Consulting TV/Film" heißt die Firma des Tropenmediziners Florian Gekeler und seiner beiden Kollegen, dem Pathologen Thomas Pablo Hagemeyer sowie dem Neurobiologen und Wissenschaftsjournalisten Patrick Weydt. Die drei Mediziner checken zum Beispiel für ZDF- oder RTL-Produktionen gegen Honorar Drehbücher auf sachliche Richtigkeit und beraten Filmteams auf Wunsch auch vor Ort darüber, wie etwa eine Operation vonstatten geht oder wie sich Ärzte während eines Eingriffs fachlich miteinander verständigen.

Natürlich wissen die Profimediziner, die fürs Fernsehen arbeiten, dass die Wirklichkeitsnähe der Handlung nach wie vor in vielen Fällen der Spannung geopfert werden muss. ,,Ich bin sicher, dass unser Fachberater mitunter beim Lesen unserer Konstellationen die Hände über dem Kopf zusammenschlägt", sagt Drehbuchautorin Föhr. ,,Manchmal drückt er beide Augen zu, damit die Geschichte so laufen kann, wie wir sie uns vorstellen." Auch ,,alphateam"-Berater Tobias Steiger kennt die Erfordernisse des Geschäfts: ,,In den Dialogen geht es nicht unbedingt um das Auf- und Zumachen einer Bauchdecke. Die emotionalen Momente stehen im Vordergrund."



 

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