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Guter Troll, böser Troll: Warum Störungen im Internet auch positive Effekte haben können

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Störenfriede als „weiße Ritter“

Guter Troll, böser Troll: Warum Störungen im Internet auch positive Effekte haben können

Osnabrück. Der Troll: ein pöbelndes Fabelwesen, das auch mal um sich schlägt und vor dem alle anderen Bewohner der Fabelwelt Angst haben. In der Internetwelt sieht es ähnlich aus: Dort wird der Troll in Foren als störend und pöbelnd empfunden. Nämlich immer dann, wenn er andere provoziert. Doch was wäre, wenn der Troll das nicht persönlich meint, sondern als Anregung zu einem gesellschaftlichen Diskurs? Was wäre, wenn der böse Troll ein guter Troll ist?

 
Friedensangebot: So mancher Troll im Netz ist nicht so böse, wie es auf den ersten Blick scheint.Foto: Colourbox/Montage: Neue OZ Langer  Vergrößern

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Mit dieser These treten die Mitglieder des Raumzeitlabors in Mannheim an, um mit dem Mythos vom bösen Foren-Troll aufzuräumen. Der Verein bietet Mitgliedern die Möglichkeit, sich im sogenannten Hackerspace auszutauschen. An diesem Wochenende trafen sich dort etwa 130 Hacker, Trolle und Internet-Interessierte zur ersten internationalen „Trollcon“.

Zum einen wurde dort diskutiert, wo das Trollen anfängt, ob es eine Trollethik gibt und auch, was Trolle genau sind. Doch vor allem, so Organisator Oliver Knapp, wolle der Verein mit dem Vorurteil aufräumen, dass Trolle nur böse seien. Der 26-Jährige, Vereinsmitglied und in der Freizeit Hacker, betont, dass es sich mit dem Begriff Troll genauso verhalte wie mit dem Begriff Hacker: Sie sind beide negativ besetzt – teilweise zu Unrecht.

Unter „Hacker“ versteht der Großteil der Gesellschaft immer noch den bösen Computerfreak, der Sicherheitssysteme von Banken oder Regierungsorganisationen knackt. Doch für ihn sei der Begriff Hacker am besten mit Tüftler übersetzbar. Außerdem gibt es positive Beispiele: 2 011 kam der Hinweis über eine Sicherheitslücke bei Rewe aus den eigenen Reihen. Auch bei Trollen gibt es „weiße Ritter“, die mit ihren Provokationen zu wichtigen Themen eine Diskussion anstoßen möchten.

Um diese guten Trolle zu würdigen, wurde vom Raumzeitlabor die Auszeichnung „Troll des Jahres“ ins Leben gerufen. Sie wurde jetzt an den Berliner Piraten-Fraktionschef Christopher Lauer verliehen. Oliver Knapp begründet die Wahl unter anderem damit, dass Lauer in der Talkshow von Maybrit Illner im März dieses Jahres Ministerpräsident Kurt Beck aus dem Konzept gebracht hatte. In der Diskussion um die Schlecker-Pleite fragte Lauer, warum Beck in seinem Bundesland nicht geholfen habe. Beck antwortete, er habe die ganze Nacht telefoniert, um etwas zu retten. Auf Lauers lapidare Antwort „Hat ja gut funktioniert“ reagierte der Ministerpräsident wütend.

Der Auftritt von Lauer wurde von einigen Medien als „schnodderig“ (Spiegel Online) oder „Blamage“ (Focus) bezeichnet. Doch das Raumzeitlabor sah das anders und bezeichnete Lauers „demaskierende Zwischenrufe“ als „kalkulierte Eskalation“. Damit stach der 28-Jährige die anderen Nominierten, Kim Dotcom und die Redaktion des Satiremagazins Titanic, aus.

Im Vorfeld der Trollcon gab Philosophie-Student Tom Poljansek dem WDR ein kurzes Radio-Interview. Es gebe viele verschiedene Formen von Trolling, so Poljansek, doch der ideale Troll wolle nur stören. Designer Stefan Krappitz wurde in seinem Vortrag auf der Trollcon noch genauer, wie Zeit Online berichtet: Trollen sei die Tätigkeit des Störens von Menschen oder Systemen zur persönlichen Belustigung.

Der positive Nebeneffekt, erklärt Poljansek weiter, sei der Lerneffekt der User: „Der Troll fungiert als eine Art Aufklärer.“ Er sorge dafür, dass sich das Verständnis von Vertrauen än-dere, der User werde vorsichtiger. Dass diese Machtspiele auch negative Folgen haben, ist unbestritten. Mobbing im Netz und Shitstorms sind ernst zu nehmende Folgen. Auch deshalb musste die Trollcon Kritik einstecken. Zu verharmlosend werde hier der Troll definiert, lautete der Vorwurf auf Twitter.

Der Troll: Ist er doch nicht so böse, wie wir denken? In der Netzwelt ist die Einordnung dieses Wesens in Gut oder Böse jedenfalls nicht so einfach wie in der Mythologie. Eines bleibt allerdings sicher: Wer sich mit Trollen einlässt, muss damit rechnen, auch einmal einen Knüppel über den Kopf zu bekommen.

Glossar:

Troll: Das Wort kann hergeleitet werden vom englischen „trolling with bait“, dem Fischen mit einer Schleppangel. Aber auch aus der Mythologie.

Trollcon: Die Endung -con leitet sich ab von Convention, eine Veranstaltung, auf der sich Menschen mit gleichen Interessen zum Gedankenaustausch treffen.

Trollierung, trolling: Das provozierende Verhalten des Trolls.

Hacker: Gut übersetzbar mit dem Wort Tüftler oder Technikenthusiast.

Hackerspace: Ein offener Raum, in dem sich Hacker sowie technisch Interessierte zum Austausch treffen, wie das Raumzeitlabor.


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