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Wut und Frust bei Schlecker

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„Den Überblick verloren“

Wut und Frust bei Schlecker

be Bramsche. Sie sind es gewohnt, in den Filialen allein ihre Frau zu stehen. Aber in Zeiten der geplanten Insolvenz bei Schlecker rücken die Mitarbeiterinnen zusammen. Eine Informationsveranstaltung der Gewerkschaft Verdi in Bramsche bot rund 50 Kolleginnen aus der Region Gelegenheit, Informationen zu sammeln und Ärger über den Arbeitgeber abzulassen. Sie gewährten Einblicke in das Innenleben eines Konzerns, der sich offenbar in seinen komplizierten Strukturen selbst verheddert hat.

 
Der Drogeriekonzern Schlecker geht in die Planinsolvenz. Foto: Patrick Seeger  Vergrößern

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Jedenfalls hat Verdi-Sekretärin Anne Preußer aus Osnabrück das Gefühl: „Schlecker hat den Überblick verloren.“ Der Betriebsrat habe seine Hilfe dabei angeboten, eine Bestandsaufnahme zu machen, welche Mitarbeiter mit welchen Verträgen wo wohnen und arbeiten können. Apropos Betriebsrat: ein schwieriges Thema bei Schlecker. Es gibt den Betriebsrats-Wahlbezirk Bramsche, der Filialen zwischen Lengerich und Bissendorf betreut, mit Ausnahme des Stadtgebietes Osnabrück, denn dort gibt es keine Betriebsräte. Zur Versammlung in Bramsche kamen auch Kolleginnen aus dem Emsland, wo es ebenfalls keinen Betriebsrat gibt, wie die Bramscher Vorsitzende Andrea Davies erklärte.

Noch lange nach Veranstaltungsbeginn trudelten weitere Kolleginnen ein. Sie mussten ihre Filiale bis 19 Uhr offen lassen, den Abschluss machen und dann noch teilweis eine Stunde fahren, bis sie in Bramsche dabei sein konnten. Aus den Wortmeldungen spricht Frust, wenn nicht sogar Wut darüber, wie mit ihnen umgesprungen wird. Und darüber, dass ihre Ladenkette dramatisch an Ansehen verloren hat, während sie in den Filialen ihr Bestes geben. Es gebe Kunden, die kämen fünfmal in den Laden und verlangten vergeblich jedes Mal den gleichen Artikel. „Der glaubt doch, die ist zu blöd zum Bestellen“, ärgert sich eine Verkäuferin. Dabei liege es daran, dass überhaupt keine Ware geliefert werde. Nicht erst jetzt, schon früher hätten einige Unternehmen gar nicht mehr oder nur gegen Vorkasse geliefert.

„Wenn wir Ware hätten, hätten wir auch mehr Umsatz gemacht“, sagte Andrea Davies. Die Ansage der Geschäftsleitung, jetzt den Kopf nicht in den Sand zu stecken und gemeinsam an einem Strang zu ziehen, löste bei ihr Verärgerung aus. „Wir helfen schon die ganze Zeit, den Karren aus dem Dreck zu ziehen. Jetzt muss Anton Schlecker seine Schatulle aufmachen“, sieht sie den Inhaber von AS Schlecker gefordert. Für die Filialen helfe nur ein komplett neues Konzept. „For you, vor Ort, vorbei“, wandelte sie einen Slogan des Unternehmens ab.

Die Gewerkschaftssekretärin hatte für die Einzelkämpferinnen, die jeweils allein in einer Filiale arbeiten, vor allem einen ganz konkreten Tipp parat: „Unterschreiben Sie nichts.“ Alle hätten das Recht, vorgelegte Verträge mit der Gewerkschaft, dem Betriebsrat oder einem Anwalt zu besprechen, betonte Preußer. Ihre Gewerkschaft forderte gestern ein Bündnis zur Sicherung der 30000 Arbeitsplätze der Drogeriekette.


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