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Adgames als Werbemittel
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Quelle: Neue Osnabrücker Zeitung 23. Januar 2004 00:00 Uhr


Adgames als Werbemittel

Hauswurfsendungen fliegen meist ungelesen in den Papierkorb, unterbrechen TV-Spots den spannenden Krimi wird sofort die Fernbedienung gezückt und die Pause zum Zappen genutzt – Werbung hat es eben schwer vom Verbraucher akzeptiert zu werden. Im Internet ist das nicht anders: Pop-up-Fenster werden genauso schnell geschlossen, wie sie automatisch geöffnet worden sind und blinkende Banner sind vielen Online-Usern ein Graus. Mit Werbespiele, die kostenlos im Internet gespielt oder heruntergeladen werden können – sogenannten Adgames - werden Werbebotschaften allerdings zum spaßigen Zeitvertreib.

 
Karl der Koi ist auf der Suche nach seiner Herzdame Karla.  Vergrößern

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Der bekannteste Vertreter dieses Genre ist sicherlich das Moorhuhn, dem bereits im Jahr 1999 über dem schottischen Hochland virtuell der Garaus gemacht wurde. Aber für wen warb (und starb) das Federvieh eigentlich? Fünf Jahre nach der Veröffentlichung des Adgame-Klassikers werden sich nur noch wenige Hobby-Jäger daran erinnern, dass hinter der virtuellen Huhn-Safari der Whiskyhersteller Johnny Walker steckte. Trotz des anhaltenden Spielspaß konnte dem Computernutzer die Werbebotschaft nicht vermittelt werden. Der Spirituosenriese hat also eine große Chance schlichtweg „verspielt“.

Dabei genießt die Werbung in Adgames beim Verbraucher eine recht große Akzeptanz. Eine Studie des Bochumer Instituts für angewandte Kommunikationsforschung (BIFAK) ergab, dass Adgames-Werbung hinsichtlich der Akzeptanz mit 54,6 Prozent auf Platz zwei der Beliebtheitsskala rangiert – gleich hinter der Werbung in Print-Medien (60,8 Prozent). TV-Commercials fallen mit nur 36,5 Prozent auf den dritten Platz zurück. Der Studie zu Folge wecken die kostenlose Computerspiele sogar Sympathie für die jeweiligen Unternehmen. Was nichts kostet und Spaß bringt, gefällt eben.

Die Mehrheit der Konsumenten glaubt allerdings, dass sie die Werbebotschaften beim Spielen ignorieren könnten. Doch das Gegenteil ist der Fall: Die Studie, bei der 9745 Online-User befragt wurden, ergab, dass sich 82 Prozent der Befragten an die Namen der Werbepartner erinnern. Ein weiterer Vorteil für die Werbenden ist, dass Adgames im Gegensatz zu komplexeren Computerspielen nicht nur von jüngeren Nutzern gespielt werden, sondern in sämtlichen Altersschichten ihre Fürsprecher haben.

Außerdem wirken die Spieler sogar als Multiplikatoren der Werbung. Taucht der Name in der Highscore-Liste auf den vorderen Plätzen auf, muss das natürlich dem Freund oder Arbeitskollegen mitgeteilt werden. Bei vielen Spielen genügen einige Mausklicks und der Spielstand wird samt Werbebotschaft an Bekannte und Verwandte geschickt.

Apropos Arbeitskollegen: Laut BIFAK-Studie haben 42 Prozent der Befragten, die beruflich an einem PC arbeiten, ein Adgame installiert. Daher verfügen viele Spiele über die sogenannte Cheftaste. Ein Tastendruck und statt des fröhlichen Spielchens erscheint wieder die schnöde Arbeitsoberfläche des Computers, falls der Vorgesetzte mal wieder einen Kontrollgang macht. Aber Achtung: Wer sich beim „Zocken“ am Arbeitsplatz erwischt wird, muss möglicherweise mit arbeitsrechtlichen Folgen rechnen.

Doch wie schon am Beispiel Moorhuhn verdeutlicht, führt nicht jedes Spiel zum erhofften Werbeerfolg. Die Osnabrücker Multimedia-Agentur cybob communication hat für ihren Aufraggeber OASE-Pumpen, ein Unternehmen im Bereich Teich- und Springbrunnentechnik, anstatt eines Huhnes einen Zierkarpfen ins Rennen um die Gunst der Online-User geschickt. „Die Konzept-Präsentation für den Auftraggeber war ungewöhnlich kurz“, berichtet Robert Heuer von cybob communication, „es gab zwei Screenshots, eine Budgetplanung und na klar, die passende Idee: Karl der Koi.“

So der sympathische Held des gleichnamigen Spieles, indem es nicht etwa darum geht, dem Schuppentier schnellstmöglich in die Bratpfanne zu bekommen. Da die Zielgruppe des Auftaggebers Teich- und Gartenfreunde sind, wäre es unglücklich, dem Tier in einem martialischen 3D-Shooter das Leben schwer zu machen.

Daher steht vielmehr das Wohlbefinden des japanischen Zierkarpfens im Mittelpunkt des Spiels. Der Spieler lenkt Karl mit einfachen Tastenkombinationen durch einen Gartenteich. Seine Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, dass der Teich sauber bleibt und „Karla“ zu finden, damit Karl eine Koifamilie gründen kann. Auf der Suche nach seiner Herzdame begegnet Karl zahlreichen Produkten des Auftraggebers: Um seine Energie aufzuladen, frisst er selbstverständlich Futter aus dem Hause des Werbenden. Bei einer Berührung mit einer Teichpumpe des gleichen Herstellers warten Extrapunkte.

Über die Form, wie die OASE-Produkte im Spiel platziert werden, haben sich die Entwickler von cybob communication länger den Kopf zerbrochen, als über die Umsetzung des Spieles an sich: „Individuell erstellte Spiele sind aufwendig. Insbesondere die Integration und der Bezug auf ein Unternehmen und seine Produkte bedeuten einen höheren Aufwand“, erklärt Heuer, „Trotzdem konnte das ganze Projekt in weniger als zwei Monaten realisiert werden.“

Die Links:
www.oase-pumpen.com/karlderkoi
www.cybob.de
www.onlinespiele.org
www.freegamesplanet.de
www.gamezworld.de
www.freakystuff.de
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