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Tippspiel"Ich spiele exzessiv Activity"
Von Karsten Strauss
Ulla Kock am Brink gibt sich gerne mal die Kugel - die Lottokugel. Ab heute abend kehrt die Lotto Show nach der Sommerpause modernisiert auf die Bildschirme zurück. Die Lottospieler, bislang er unbedeutendes Beiwerk, stehen stärker im Mittelpunkt, Gespräche mit Ulla Kock am Brink sollen breiteren Raum einnehmen. Und am Ende wird einer der 49 garantiert zum Millionär. Mit unserer Zeitung sprach Ulla Kock am Brink über millionenschwere Shows, ihren Umgang mit Kritikern und Kollegen aus der Showbranche.
Kock am Brink: Ich bin keine Spielerin im klassischen Sinne. Ich spiele zwar gern, aber das ist ein großer Unterschied. Ich zocke oft am familiären Spielbrett, zum Beispiel exzessiv Activity. Dabei wird es auch mal wahnsinnig laut. Allerdings bin ich dabei sehr ehrgeizig und möchte gewinnen.
Zu den Fernsehshows. Diese überbieten sich derzeit mit den Gewinnsummen. Wo führt die Entwicklung hin? Gibt es da eine Grenze?
Es gibt keine Grenze, so lange es Sender gibt, die wahnsinnig genug sind, zum Beispiel zehn Millionen Mark auszurufen, aber hinterher nur zehntausend Mark abgeben. So ist es neulich mit der ,,Zehn-Millionen-Mark-Show" passiert. Ich glaube, es gibt in dem Sinne keine Grenze. Ob jetzt jemand eine, zwei oder drei Millionen herausgibt - der Rahmen ist ohnehin gesprengt. Aber ohne ein spannendes Konzept und eine ausgefeilte Dramaturgie könnten sie hundert Millionen raushauen, es würde nichts werden.
Die ,,Lottoshow" startet nach der Sommerpause in einem modernisierten Gewand. Lief das Konzept nicht so, wie Sie es sich vorgestellt haben?
Doch, es lief. Allerdings habe ich zusammen mit unserem Redaktionsteam festgestellt, dass die Zuschauer zu wenig Möglichkeiten haben, die Lottospieler - um die es ja letztlich geht - kennen zu lernen. Und das haben wir jetzt geändert.
Insbesondere am Anfang jeder Sendung wirken Sie ein bisschen nervös. Woran liegt das?
Weil ich meinen Job liebe und weil ich Respekt vor der Anforderung habe, die mich da erwartet. Es ist eine Live-Show und das heißt, jedes Wort geht sofort nach draußen. Ich habe vorher selbstverständlich Sorgen, dass ich etwas Wichtiges vergesse. Aber das sind ganz normale Prüfungsängste. Mir macht es auch nichts aus, wenn die Leute merken: Oh, die Frau steht unter Speed.
Sie sind ja nicht immer ein Liebling der Kritiker. Wie gehen Sie damit um?
Es kommt darauf an, was geschrieben wird. Wenn ein Kritiker konstruktive Kritik übt, dann lese ich das auch sorgfältig durch und überprüfe, ob etwas daran ist oder nicht. Wenn es aber in den rein geschmacklichen Bereich geht - zum Beispiel ,,Hampelt vorne herum" oder ,,die, mit ihrem spitzen Gesicht" - ärgert mich das. Über die Tränensäcke von Rudi Carrell wird schließlich auch nicht philosophiert.
Mit ,,Verzeih mir" haben Sie ja eine geradezu berüchtigte Sendung gemacht. Würden Sie so etwas noch einmal machen?
Das war Kult. Aber ich bin darüber hinweg. Die Häme war bretthart. Ich glaube, es gibt keine Frau im deutschen Fernsehen, die drei Meter Papier Schimpf und Schande hat über sich ergehen lassen müssen. Ich habe es getan und es stählt. Mein Leben besteht ja nicht daraus, mir die Kritiken einzuverleiben und dann zum Therapeuten zu rennen.
Fernsehshows zeichnen sich zunehmend durch Tabubrüche aus. Ist das eine ,,natürliche" Entwicklung oder nur eine Mode, die auch wieder vergeht?
Das führt so weit, wie es irgendwie geht, da bin ich ganz sicher. John de Mol sagte einmal: ,,Selbst wenn ich russisches Roulette anbieten würde, fände ich Kandidaten dafür". So zynisch es klingen mag, ich glaube es ihm.
Was würden Sie persönlich definitiv nicht machen?
Ich würde nicht beim ,,Diät-Duell" mitmachen. Das würde ich mir einfach nicht antun, weil ich mich mag. Ich würde auch nicht in den ,,Big-Brother"-Container gehen. Das interessiert mich aber auch nicht, weil es mir zu alltäglich ist. Aber es war ein gut gemachter Hype - und das sage ich übrigens mit Respekt. Was da mit den einzelnen Normalos gemacht wurde, verdient wirklich marketingtechnisch einen hohen Respekt.
Aber mehr auch nicht?
Nein, mehr nicht.
Sie sprechen niederländisch, wo haben Sie das gelernt?
In Holland. Ich habe fünf Jahre in John de Mols Studio gearbeitet und es dort gelernt. Zuerst die Schimpfworte und dann den Rest.
Was halten Sie von Linda de Mol und Rudi Carrell?
Linda de Mol ist viel frecher, als sie es in den Sendungen ist. Sie ist hochintelligent, eine ganz tolle Frau und ein super Kumpel. Zu Rudi Carrell: Ich mag ihn. Wenn er zum Beispiel etwas Böses über mich gesagt hat, hat er hinterher angerufen und gesagt: ,,Ich habe wieder Werbung für Dich gemacht!"
Ulla Kock am Brink...
...wurde am am 10. Juli 1961 in Mülheim/Ruhr geboren. Nach dem Abitur 1981 in Bottrop studierte sie in Bonn und Köln Germanistik, Sozialwissenschaften, Spanisch und Sonderpädagogik. Für das Fernsehen wurde sie von Jürgen von der Lippe entdeckt. 380 Folgen lang moderierte Ulla Kock am Brink die Gameshow ,,Scrabble". 1993 startete sie die RTL-Show ,,Verzeih mir", von 1993 bis 1997 56 Folgen der ,,100 000 Mark-Show", ab 1996 zusätzlich die ,,Glücksritter". Nach einem kurzen und quotenarmen Gastspiel bei ProSieben (,,Ulla Kock am Brink Show") übernahm sie 1998 bei der ARD die ,,Lotto Show". 1996 erhielt sie die ,,Goldene Kamera", 1998 den ,,Telestar". Ulla Kock am Brink ist sportlich: Inlineskating, Volleyball (Zwölf Jahre als Leistungssport), Tauchen und Radrennfahren sind ihre Leidenschaften. Sie lebt gemeinsam mit ihrem Manager Alfred Bremm und ihrem Husky Scott in Köln.







