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Energieversorger EWE in Bedrängnis: Hohe Schulden und eine Anzeige gegen den Chef

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Heute Aufsichtsratssitzung

Energieversorger EWE in Bedrängnis: Hohe Schulden und eine Anzeige gegen den Chef

Oldenburg. Der Energieversorger EWE hat hohe Schulden, eine schwache Marge, und gegen seinen Vorstandschef wird ermittelt. In der heutigen Aufsichtsratssitzung sollen die Probleme auf den Tisch.

 
Oldenburgs Energie-Boss unter Druck: Werner Brinker stößt mit seiner Strategie für das Unternehmen EWE an Grenzen. Foto: dapd  Vergrößern

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Es dürfte die brisanteste Sitzung werden, die Günther Boekhoff je leiten musste. Die Aufsichtsratsmitglieder des Oldenburger Energieversorgers und Telefondienstleisters EWE um den betagten Ehrenbürgermeister der Stadt Leer wollen heute ergründen, wie EWE-Vorstandschef Werner Brinker dem steigenden Druck von allen Seiten standhalten soll.

In Osnabrück ist EWE an Osnatel und an drei Solarenergieunternehmen beteiligt. Mindestens 2,5 Milliarden Euro Schulden hat das Unternehmen unter Brinkers Führung angehäuft, 2010 und im ersten Halbjahr 2011 erlitt es herbe Verluste. Noch erfreut sich EWE hoher Bonität, doch die Umsatzrendite der Oldenburger war 2010 mit minus 1,76 Prozent bedenklich schwach. Schon im August senkte die Ratingagentur Moody’s, die EWE mit dem Mittelmaß-Prädikat A2 bewertet, den Ausblick von „stabil“ auf „negativ“.

Um Geld in die Kassen zu spülen und Anleihen zurückzahlen zu können, will Brinker EWEs Anteil (47,9 Prozent) am Leipziger Gasversorger VNG an den baden-württembergischen Energiekonzern EnBW verkaufen. Obwohl von langer Hand vorbereitet, ist ungewiss, ob der Handel zustande kommt: Brinker vertritt die Ansicht, dass eine zuvor ausgehandelte Option EnBW zum Kauf verpflichtet. EnBW aber, das seinerseits 26 Prozent an EWE hält, will sich darauf bisher nicht festlegen. Eine weitere Hürde: EWE verlangt dem Vernehmen nach 1,2 Milliarden Euro für seinen Anteil – doch VNGs Marktwert ist gesunken.

Zwar beteuert EnBW weiter sein strategisches Interesse an VNG – doch eine Übernahme zu diesem Preis wäre für die Karlsruher kein gutes Geschäft. Die Analysten von Moody’s bezweifelten schon im August, dass EWE seine VNG-Aktien verkaufen kann.

Dazu kommt Ärger aus den Reihen der eigenen Gesellschafter: Die 21 Landkreise und Kommunen, die 74 Prozent an EWE halten, gehen auf Distanz zu Großaktionär EnBW. Ihr Geschäftsführer Hans Eveslage will sich bestätigen lassen, dass die Kommunen EnBWs 26 Prozent zurückkaufen können. Die im Kaufvertrag festgeschriebene Bedingung dafür, der „Kontrollwechsel“ bei EnBW sei gegeben, seit das Land Baden-Württemberg als Großaktionär eingestiegen sei. „Wir prüfen, ob wir dieses Recht wahrnehmen“, sagt Eveslage.

Brinker droht noch mehr Ärger: Die Affäre um mutmaßlich überhöhte Zahlungen an die Agentur Prevent im Zuge des Schul-Präventionsprojektes „Sign“ holt ihn ein: Hans-Henning Adler, Vorsitzender der Linksfraktion im Niedersächsischen Landtag, hat gegen Brinker und die Geschäftsführerin der Agentur, Claudia del Valle, vorgestern Anzeige wegen Betrugs und Untreue erstattet: „Entweder hat Frau del Valle die EWE per falscher Abrechnungspraxis betrogen, oder Brinker hat davon gewusst und es toleriert – das wäre Untreue“, erklärt Adler.

Bereits 2010 hatte die Staatsanwaltschaft Oldenburg wegen Geldwäsche in diesem Fall ermittelt, das Verfahren jedoch eingestellt. „Nach unserer Auffassung hätte das nie passieren dürfen“, sagt Adler. Die Staatsanwaltschaft prüfe die neue Anzeige nun „auf konkrete Anhaltspunkte“, sagt eine Sprecherin der Behörde.


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