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Plagiatsvorwürfe bringen das Idol Karl-Theodor zu Guttenberg ins Wanken

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Autor: Conny Mönster 17. Februar 2011 21:33 Uhr  Mehr Artikel von diesem Autor

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Plagiatsvorwürfe bringen das Idol Karl-Theodor zu Guttenberg ins Wanken

Osnabrück. Auf den Minister ist ein Schatten gefallen. Er sitzt an einem wuchtigen Schreibtisch. Gefaltete Hände. Das schummrige Deckenlicht gräbt ein paar Furchen in sein Gesicht. Flankiert von einem üppigen Trockenblumen-Arrangement, spricht Freiherr zu Guttenberg in die Kamera. Sein Blick ist klar, sein Ausdruck schneidig: „Fraglos nur ein Ort: Bayreuth“, sagt er und lächelt mild. Schnitt. Ende des Werbefilms.

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Bayreuth. Die stolze Universität inmitten von grünen Hügeln hat ihren prominentesten Absolventen vor einiger Zeit für einen Imagefilm gewinnen können. Groß prangt der Schriftzug „Dr. Karl-Theodor zu Guttenberg, MdB, Jura in Bayreuth 1992 –1999“ am unteren Bildrand, neben dem Trockenblumengesteck. Guttenberg war lange ein glänzendes Aushängeschild für den Wissenschaftsstandort. Dass er beschuldigt wird, seine Doktorarbeit abgeschrieben zu haben, erschüttert die Hochschule. Guttenbergs Doktorvater, der Verfassungsrechtler Peter Häberle, weist die Vorwürfe zurück. Der Minister selbst, gestern in anderer Mission in Afghanistan unterwegs, nennt die Beschuldigungen „abstrus“, gibt sich aber ansonsten zugeknöpft.

Durch die roten Backsteinmauern der Universität Bayreuth dringt außer offiziellen Statements kein Laut. Ein Mitglied der juristischen Fachschaft ruft aufgeregt: „Solange die Sache nicht geklärt ist, sagen wir dazu gar nichts.“ Ob der Fall denn Thema in der Mensa und auf den Uni-Fluren sei? „Kein Kommentar“, schnaubt der Kommilitone. Aushängeschild Guttenberg. Die Uni hat einen Ruf zu verlieren.

Schummeln bei der Abschlussarbeit – das betrifft natürlich – zumindest theoretisch – alle Universitäten. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) in Bonn entsendet Ombudsmänner an die Hochschulen, die sich der Problematik annehmen. „Ein Massenphänomen ist das bewusste Abkupfern aber sicherlich nicht“, sagt DFG-Sprecher Marco Finetti unserer Zeitung. Etwa 400 Verdachtsfälle gab es laut Finetti in den letzten zehn Jahren bundesweit – „Tendenz nicht steigend“. Nicht einmal jeder zehnte Fall sei tatsächlich als Plagiat entlarvt worden. Dem gegenüber stünden 20000 Förderanträge für wissenschaftliche Projekte. „Das muss man ins richtige Verhältnis zueinander setzen“, so Finetti.

Welche Folgen ein Plagiat nach sich zieht, entscheidet sich an der Frage der Täuschungsabsicht des Autors. Es gilt, schlechte Wissenschaft und Täuschung auseinanderzuhalten. Nicht jeder Fall, in dem eine Fußnote fehlt, rechtfertigt den Entzug des akademischen Grades. Bloße Sorgfaltsmängel des Verfassers reichen nicht aus. Im Falle Guttenbergs sind die Bayreuther Promotionsordnung, das Verwaltungsverfahrensgesetz sowie deren Auslegung durch die Gerichte maßgeblich. Nach der bisherigen Rechtsprechung kann der Doktortitel aberkannt werden, wenn sich das Abschreiben auf mehrere Seiten erstreckt, wiederholt eingesetzt wurde und Texte verschiedener Autoren betroffen sind. Es ist also nicht erforderlich, dass die ganze Arbeit ein Plagiat ist. Es reicht aus, wenn der Verfasser in nennenswertem Umfang Passagen von anderen Autoren abgekupfert hat, weil das für einen Vorsatz des Doktoranden spricht.

Michael Schwarz, Jura-Doktorand an der Universität Münster, entdeckte schon im vorigen Sommer Ungereimtheiten im Guttenberg’schen Werk. Er wies dem Minister Eins-zu-eins-Übernahmen aus einem Text des Tübinger Juristen Martin Nettesheim nach. „Nur durch Zufall habe ich das herausgefunden“, sagt der 26-Jährige unserer Zeitung. Bei der Recherche für seine Dissertation über europäisches Verfassungsrecht sei er auf Guttenbergs Arbeit gestoßen. Der Minister hatte ebenfalls über Verfassungsrecht promoviert.

„Im Literaturverzeichnis las ich dann von dem Aufsatz des Tübinger Professors“, so Schwarz weiter. Und siehe da: An vier Stellen stimmten die Passagen aus Doktorarbeit und Aufsatz wortgetreu überein. Der Aufsatz des Tübinger Professors erschien 2002, Guttenbergs Doktorarbeit 2007. Von wo nach wo übernommen wurde, liegt also recht klar auf der Hand. Auf eine politische Wertung des Vorfalls will Schwarz sich nicht festlegen. Eines betont er aber: „Ich versuche, in meiner Doktorarbeit anders zu arbeiten.“ Ob er seinen Aufsatz noch veröffentlichen wolle? „Ich glaube kaum, dass das noch jemanden interessiert“, sagt er. Und lacht.


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