·
Digitalabo·
Shop·
TippspielEin Koffer für das Jenseits
bü Sögel. „Packen Sie einen Koffer mit den Dingen, die Ihnen für Ihre letzte Reise ins Jenseits wirklich wichtig wären!“ Diese schwierige und zugleich sehr persönliche Bitte richtete der Bestattungsunternehmer Fritz Roth aus Bergisch-Gladbach an mehr als 100 Menschen in Zusammenhang mit der Überreichung eines entsprechenden Gepäckstücks.
Die bewegenden Ergebnisse sind ab dem kommenden Donnerstag (17. Februar) in einer Wanderausstellung in der Aula des Sögeler Hümmling-Gymnasiums zu sehen. „Ein Koffer für die letzte Reise“ – so der Titel der Ausstellung – ist ein gemeinsames Veranstaltungsprojekt des Sögeler Hospizvereins und der Jugendbildungsstätte Marstall Clemenswerth.
„Wir haben innerhalb des Hospizvereins lange und mehrfach darüber diskutiert, ob wir die Veranstaltung nach Sögel holen wollen“, so Michael Strodt, der als Vorsitzender des Vereins und Leiter des Marstalls an der Spitze beider Kooperationspartner steht. Schließlich sei die Ausstellung auf den ersten Blick sehr provokativ angesichts der Tatsache, dass es in der Hospizarbeit vor allem um Sensibilität und einen würdevollen Umgang mit Trauernden und Sterbenden gehe. Vor allem zwei der 103 Koffer hätten ihn jedoch von der Ausstellung überzeugt.
So füllte eine 31-jährige Frau ihren Koffer mit Teddys, Fotos und drei Harry-Potter-Bänden. Ein allen Exponaten beigefügter Zettel mit einer Erklärung offenbart ihre bewegenden Gründe: Sie möchte die Bücher gemeinsam mit ihrer im Alter von sieben Jahren verstorbenen Tochter auf einer Wolke lesen.
Berührt habe Strodt weiter das Gepäckstück einer jungen, verwitweten Mutter, welche ein Foto von sich und ihrem Mann sowie dessen Leichentuch eingepackt habe. „Sie hat auch sieben Glückskekse hineingelegt – für den lieben Gott, denn zu einer Einladung bringe man ja etwas mit“, gibt Strodt die Worte wieder.
Und gerade an dieser Stelle mache der Betrachter ansatzweise eine Erfahrung, die auch immer wieder viele Begleiter in der Hospizarbeit erlebten: „Nirgendwo wird so leidenschaftlich und wahrhaftig geweint und gelacht wie mit sterbenden und trauernden Menschen.“ Dass mit der Ausstellung offenbar die Bedürfnisse bezüglich des oft verdrängten Themas Tod und Trauer getroffen wurden, zeigt die beeindruckende Resonanz schon vor dem offiziellen Start: „Wir werden förmlich überrannt“, freut sich Beisitzerin Emmi Wichmann. Schon jetzt sei klar, dass die Ausstellung um eine Woche verlängert werde. Neben der Möglichkeit, die Koffer nahezu täglich ab 16 Uhr zu betrachten oder Führungen per telefonischer Absprache zu anderen Zeiten festzulegen, wird durch ein ausgiebiges, kostenloses Rahmenprogramm versucht, möglichst weit in die Bevölkerung hineinzuwirken.
So werden beispielsweise Veranstaltungen für Schulklassen, Kinder, Firmlinge oder Menschen, die im Gesundheits- und Seelsorgewesen sowie in der Behindertenhilfe tätig sind, angeboten. Die Besucher sind laut Strodt dazu eingeladen, ihren persönlichen Koffer mitzubringen oder im Anschluss zusammenzustellen. Preisgeben müsse den Inhalt allerdings niemand, denn „unser Ziel ist erreicht, wenn die Leute sehen, dass Sensibilität das Wichtigste in der Hospizarbeit ist.“
Offiziell eröffnet wird die Ausstellung am Donnerstag, 17. Februar, um 16 Uhr in der Aula des Hümmling-Gymnasiums. Festredner wird neben Generalvikar Theo Paul und Landrat Hermann Bröring der Ausstellungsinitiator Fritz Roth sein.
Telefonische Absprache ist bei Maria Wydrinna unter der Nummer 05052/2070 möglich. Alle Termine und Veranstaltungen sind unter www.marstall-clemenswerth.de abrufbar.
bü Sögel. „Packen Sie einen Koffer mit den Dingen, die Ihnen für Ihre letzte Reise ins Jenseits wirklich wichtig wären!“ – Diese schwierige und... mehr








