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TippspielTrotz guter Quoten: Aus für ,,Ehen vor Gericht"
Von Frank Jürgens
Osnabrück/Mainz.
Sie sind ein Urgestein in der deutschen Fernsehlandschaft. Seit nunmehr 30 Jahren flimmern die ,,Ehen vor Gericht" über die Mattscheiben. Die stets mit großer Sorgfalt recherchierten und inszenierten Fallbeispiele, in deren Mittelpunkt jeweils eine fiktional-finales Ehedrama steht, bekommen durch juristische und psychologische Expertenkommentare einen semi-dokumentarischen Anstrich. Im Grunde genommen hat der ZDF-Klassiker am 10. Juni 1970 das heute gerne strapazierte Genre des Doku-Dramas betreten, als es diesen Begriff noch gar nicht gab.
Martin Berthoud, Leiter der Hauptabteilung Programmplanung beim ZDF, verteidigt hingegen die Entscheidung, die beliebte Reihe aus dem Programm zu nehmen. Die Materie sei ,,sehr erschöpft" und man wolle im Hauptabendprogramm mehr ,,Kontinuität" erreichen. Vor diesem Hintergrund wird der überdurchschnittliche Quotenerfolg der letzte Woche gelaufenen Folge auf Grund des ,,fintenreichen" Falls beinahe als Selbstläufer entschuldigt. Die ,,thematisch differenzierte" Geschichte um eine betrogene Ehefrau und ihre ebenfalls betrogene Nebenbuhlerin, die sich zusammentaten, um Rache zu üben, sei eben automatisch aufgefallen. Auch wenn die ,,Ehen vor Gericht" aufgrund ihrer geringen Ausstrahlungsdichte sonst kaum noch wahrgenommen würden. Ein Quoten-,,Unfall" der besonderen Art, der sich mit der heutigen letzten Folge durchaus wiederholen könnte.
Im definitiv letzten Fall ,,Ehe auf Afrikanisch" geht es um die ganze Bandbreite kultureller Unterschiede und daraus resultierender Missverständnisse. Für Gitte Breuer und Akobi Darko ist der Weg vom Standesamt zum Familienrichter nicht weit. Der Kampf um das Sorgerecht für die Kinder, drohende Abschiebung, aber auch der fast unverhohlene Rassismus von Gittes Vater sind nur einige Aspekte einer vielschichtigen Geschichte, die eine überraschende Wendung erfährt. Damit endet nach der hastig im Nachmittagsprogramm abgewickelten Reihe ,,Wie würden Sie entscheiden?" der zweite ,,Gerichtstermin im ZDF", bevor dann nächstes Jahr auch das ,,Verkehrsgericht" seine Pforten schließt. Bleibt der ,,Streit um drei" am Nachmittag, mit dem man freilich mittels der Masse von ca. 200 Produktionen im Jahr mehr Zuschauer erreicht als mit den Sendungen am Abend. Aber wer kann und will sich schon am Nachmittag täglich vor die Glotze setzen?




