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Mit Mitra, Hanfbart und Chormantel

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Autor: Wolfgang Elbers 05. Dezember 2010 17:11 Uhr  Mehr Artikel von diesem Autor

Heinrich Herkenhoff gibt seit 50 Jahren den Nikolaus

Mit Mitra, Hanfbart und Chormantel

Georgsmarienhütte. Die schönste Jahreszeit heißt für viele kleine und große Erdenbürger Advent. Für den 69-jährigen Heinrich Herkenhoff ist der Dezemberanfang bis zum Nikolaustag seit fünf Jahrzehnten mit einer besonderen Mission verbunden: Der Klosteraner schlüpft beim Oeseder Weihnachtsmarkt sowie Familien- oder Vereinsanlässen ins Gewand des heiligen Wohltäters und Schutzpatrons der Kinder. Sein Rezept: „Die Menschen müssen spüren, dass einem die Aufgabe Spaß macht.“

 
Das Outfit muss stimmen, sonst droht der Eindruck eines Basar-Nikolaus: Der Kloster Oeseder Heinrich Herkenhoff geht die Aufgabe auch im 70. Lebensjahr voller Elan an.Foto: Westdörp  Vergrößern

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Das größte Kompliment bekam der Routinier in Sachen vorweihnachtlicher Einstimmungszauber vor Kurzem von seiner dreieinhalbjährigen Enkeltochter Katharina: „Mama, das ist der richtige Nikolaus“, zeigte sie sich überzeugt, als der unerkannte Opa für sie am 1. Dezember bei einem Termin der Adventskalender-Aktion des Stadtmarketingvereins etwas Süßes parat hatte. Herkenhoff: „Mitra, Hanfbart und der bestickte Chormantel sorgen für eine besondere Wirkung. Da wird dann auch nicht so sehr auf das Gesicht oder andere Merkmale geachtet.“ Die stimmige Kleidung ist für ihn Voraussetzung für einen wirkungsvollen Auftritt: ,,Sonst ist das ein Basar-Nikolaus und nur die Hälfte wert.“ Ein Einsatz mit rotem Bademantel oder Watte rund um den Mund kommt für ihn auch nicht infrage: ,,Das passt einfach nicht.“ Für das perfekte Outfit sorgt übrigens „Engelchen Ursula“ – die Ehefrau, die notwendige kleine Ausbesserungen schnell selbst per Handarbeit erledigt.

Dass Herkenhoff auch im 70. Lebensjahr die Aufgabe mit vollem Elan angeht, wird an seiner Freude und der Ausstrahlung deutlich. Den Kindern macht er nie Angst, sondern geht auf sie zu, während die Erwachsenen schon mal ein paar Ratschläge mit auf den Weg bekommen. „Willst du nicht die Mütze abnehmen“, und: ,,Hände gehören nicht in die Hosentasche“, gab es zum Beispiel für einen älteren GMHütter vergangenen Mittwoch im Bürgeramt zu hören, als dort ein Nikolausfoto geschossen wurde und sich Mann erstaunt über den besonderen Adventsgast zeigte. Der Kloster Oeseder geht ganz in seiner Rolle auf und freut sich seit mittlerweile mehr als 25 Jahren auf das Weihnachtsmarkt-Gastspiel am Rathaus: ,,Das ist immer ein ganz tolles Erlebnis, wenn da 250 bis 300 Kinder mit erwartungsvoll leuchtenden Augen stehen.“

Nie hat er sich 1961 träumen lassen, dass der Gefälligkeitseinsatz bei Nachbarn als Nikolaus eine solche Entwicklung nehmen würde: „Ich bin da als 20-Jähriger gebeten worden, das zu machen, da der eigentlich vorgesehene Gewandträger wegen Bundeswehr oder Stahlwerksschicht verhindert war.“ Damals hatte die Schwester ihm zur Verkleidungspremiere einen Umhang aus Inlett-Material genäht. Einige Jahre später bekam er vom Küster der seit 1904 eigenständigen St.-Johann-/St.-Marien-Gemeinde für die Rolle dann einen historischen Chormantel geliehen, der noch heute dank bester Pflege im Einsatz ist. Als vor mehr als zehn Jahren der Kirchendamast brüchig wurde, bekam das gute Stück in einer klösterlichen Stickerei in Polen neuen Glanz.

Der Nikolausauftritt hat sich im Laufe der Zeit verändert. Herkenhoff: ,,Früher hatte der Wohltäter und Schutzpatron auch noch einen Erziehungseffekt und deshalb ja auch Knecht Ruprecht mit seiner Rute dabei. Aber das ist seit den 80er-Jahren nicht mehr aktuell.“

Zwischen 18 und 22 Termine hatte er in früheren Spitzenzeiten rund um den 6. Dezember, wenn die Kinder ihren Stiefel vor die Tür stellen, und ist nicht selten bis in den Abend hinein unterwegs gewesen. In diesem Jahr sind es zwölf Auftritte – „Es ist weniger geworden, weil viele mit ihren Kindern lieber auf Vereinsfeste gehen, statt zu Hause den großen Vorbereitungsaufwand zu betreiben.“ Der Kloster Oeseder, der früher bei Möbel Wiemann tätig war und viele Jahre den Heimatverein leitete, nutzt gerne die Gelegenheit, als Nikolaus Bezüge zum historischen Wirken des Heiligen aus Myra herzustellen: ,,Es gibt auch heute Probleme und Not an jeder Ecke.“

Der Dauerbrenner im Nikolausgewand hat dabei immer für alle ein offenes Ohr und nimmt sich stets für jeden viel Zeit. Nur eins lässt ihn schon einmal an frühere Zeiten mit Rute-Begleiter denken: Wenn der enge Terminkalender durch äußere Einflüsse durcheinandergebracht wird. Als er am Mittwoch seinen Audi-Schlitten vor dem Rathaus abgestellt hatte, drohte ihm ein Knöllchen. „Sonst müsst ihr sicherstellen, dass ich abgeholt werde“, machte er den Ordnungshütern die Konsequenzen klar, die angesichts des ehrenamtlichen himmlischen Einsatzes Milde walten ließen – ganz im Sinne des Originals.



 
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