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Hohe Gewaltbereitschaft bei Rockern

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Quelle: Neue Osnabrücker Zeitung 12. Oktober 2010 18:40 Uhr

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ralf M. Mittwoch, 13. Oktober 2010 20:24 Uhr

Vertraulicher Bericht des BKA analysiert erstmals die Szene in Deutschland

Hohe Gewaltbereitschaft bei Rockern

Osnabrück. Erstmals hat das Bundeskriminalamt mit dem „Bundeslagebild Rockerkriminalität“ eine Analyse der deutschen Rockerszene erstellt. Der als „Verschlusssache“ eingestufte Bericht für die Innenminister von Bund und Ländern belegt die hohe Gewaltbereitschaft der knapp 6000 registrierten Rocker in Deutschland.

 
Die Hells Angels sind mit mehr als 1000 Mitgliedern der zweitgrößte Motorradclub in Deutschland. Foto: dpa  Vergrößern

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Nach dem Lagebild des Bundeskriminalamtes, das unserer Zeitung vorliegt, ermittelte die Polizei im vergangenen Jahr in 359 Strafverfahren gegen 879 Verdächtige wegen Rockerkriminalität. In mehr als der Hälfte der Fälle (56 Prozent) ging es um „Rohheitsdelikte“ wie gefährliche Körperverletzung, Erpressung oder Raub. Auch in 40 Verfahren wegen organisierter Kriminalität waren Rockergruppen verstrickt. Die registrierten Schäden durch Rockerkriminalität beziffert der Bericht auf 5,1 Millionen Euro.

299 der 359 Strafverfahren gegen Rocker betrafen die vier großen Motorradclubs Bandidos (158 Fälle), Hells Angels (103), Gremium (35) und Outlaws (3). Die stärkste Mitgliederbasis in Deutschland haben dem BKA zufolge die Clubs Gremium (1130 Mitglieder) und Hells Angels (1060). Bei allen vier Gruppen stellten die Ermittler auf lokaler Ebene teilweise Kontakte zur rechtsextremen und Hooligan-Szene fest.

Bei den Clubs sei „ein verbreitetes Engagement in gastronomischen, bordellartigen oder szenetypischen Betrieben wie Tattoo- und Piercingstudios, Motorradhandel und Sicherheitsunternehmen“ feststellbar. Besonders aktiv sind nach dem Lagebild die Hells Angels, deren Mitglieder bundesweit mindestens 118 Geschäfte betreiben, darunter mindestens 37 bordellartige Betriebe. Eine zentrale Rolle spielen die Hells Angels in Hannover, wo sie im Rotlichtmilieu massiven Einfluss haben.

Nach Angaben des BKA registrierten die Behörden 2009 insgesamt 90 Rockergruppen mit 463 Ortsverbänden, den sogenannten Chaptern oder Chartern. Am stärksten vertreten sind Rockergruppen in Baden-Württemberg, gefolgt von Nordrhein-Westfalen, Bayern und Hessen. Insbesondere Hells Angels und Bandidos sind dem Bericht zufolge europaweit auf dem Vormarsch. Beide Clubs gründeten in den vergangenen fünf Jahren insgesamt mehr als 100 neue Ortsgruppen, die große Mehrheit davon in Europa.

Die Autoren des Berichts schlussfolgern, der Bereich der Rockerkriminalität sei „intensiv zu beobachten“. Risiken für die öffentliche Sicherheit ergäben sich aus dem „hohen Anteil an Gewaltdelikten bis hin zu schwersten Körperverletzungs- und Tötungsdelikten“ in der Rockerszene. Es sei anzunehmen, dass die beteiligten Gruppen „unter Anwendung von Gewalt“ auch in legalen Geschäftsfeldern auf einen „territorialen und finanziellen Machtzuwachs“ gegenüber konkurrierenden Clubs abzielten.

Neben einer „konsequenten Strafverfolgung“ werden Vereinsverbote angeregt. Erforderlich sei zudem „eine intensive Zusammenarbeit der Polizei mit den Ordnungsbehörden“, um Maßnahmen nach dem „Gewerbe-, Gaststätten-, Ordnungs- und Straßenverkehrsrecht“ zu verhängen. Das Landeskriminalamt Rheinland-Pfalz empfiehlt in einer vertraulichen „Konzeption zur Bekämpfung der Rockerkriminalität“ zudem, verdeckte Ermittlungen der Polizei in der Rockerszene künftig „deutlich zu intensivieren“. Da Motorradclubs sehr konspirativ vorgingen, sei eine „offene Erhebung von Informationen häufig aussichtslos“.

Die Autoren halten deshalb einen verstärkten Einsatz von Vertrauenspersonen, verdeckten Ermittlern oder Abhörtechnik für erforderlich. Auch schärfere Kontrollen durch die Waffenbehörden empfiehlt der Bericht, da Rocker demnach als Mitglieder von Schützenvereinen häufig legale Waffenbesitzer sind. Hier müsse „die individuelle Zuverlässigkeit“ hinterfragt werden.

Im Mai dieses Jahres hatten die verfeindeten Rockerbanden Hells Angels und Bandidos öffentlich Frieden geschlossen, nachdem sie durch blutige Revierstreitigkeiten ins Visier der Innenminister geraten waren. Die Ressortchefs von Bund und Ländern wollen nun im November auf der Grundlage des BKA-Lagebilds erneut über mögliche Schritte beraten.


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  Leserkommentare

 
ralf M., Mittwoch, Oktober 13, 2010 um 20:24 Uhr Eigene Meinung bilden! Mich würde interessieren, wieviel der "Ermittlungen" auch zu Verurteilungen geführt haben. Denn nur (!) diese Zahlen sind entscheident.

Jeder der ein klein wenig Ahnung von Statistik hat, kann genau sehen, was hier das Ziel ist.
Man kontrolliert eine Zielgruppe zu nahezu 100% und sammelt die "Fehler"
Das Resultat ist eine abnorm hohe Kriminalitätsfälle.

Aber trotz alledem....

Von 6000 Rockern gab es 360 Ermittlungen. Daraus ergaben sich maximal 150 Verurteilungen.
Das währen 2,5% Kriminalität bei Rockern.
Von dem Bundesdrchschnitt träumen wir doch.

 
cerro M., Mittwoch, Oktober 13, 2010 um 00:12 Uhr hatten wir schon mal... ....Erforderlich sei zudem „eine intensive Zusammenarbeit der Polizei mit den Ordnungsbehörden“, um Maßnahmen nach dem „Gewerbe-, Gaststätten-, Ordnungs- und Straßenverkehrsrecht“ zu verhängen. ...

gefällt mir ambesten.

sowas hatten wir vor fast nem jahrhundert schon mal....
leuten aufgrund ihrer gesinnung in legalen geschäften knüppel zwischen die beine werfen. und da wundern sich die obrigen das man nichts mit derengleichen zutun haben will...

red and white forever!

stay strong ride hard

 
Hartwig Knoops, Mittwoch, Oktober 13, 2010 um 10:06 Uhr Zero Verstand Ja, zero Verstand, das hatten wir schon mal: Fehlender Verstand wurde durch martialisches uniformiertes Auftreten und inhaltsleere Sprüche übertüncht. Die Attitüden der Rocker muten kindlich-naiv an, wenn sich konkurrierende Clubs gegenseitig Aufkleber an die Vereinsheime pappen und damit wie Wolfsrudel durch Urinabsonderungen ihre Reviere makieren. Es wirkt kurios, für manche auch anziehend, wenn zottelbärtige Tattookörper auf technisch fragwürdigen Krachstühlen die Verkehrsregeln außer Kraft setzen. Doch die oftmals unterbelichteten Kuttenträger schaffen sich ihr eigenes Regelwerk, gesellschaftliche Normen und Gesetze werden nicht nur nicht akzeptiert, sondern per Ehrenkodex außer Kraft gesetzt. Die zwangsläufige Sanktionierung des sich daraus abgeleiteten kriminellen Handelns schafft Märtyrer, deren Adepten sich dann gelegentlich mit unausgegorenen Leserbriefen zu Wort melden und Maßnahmen zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung „als Knüppel zwischen die Beine werfen“ bezeichnen.
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