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Fußball-Tippspiel
Bierschaum an der Dackelschnauze
Osnabrück. Halb Ehefrau, halb Doppelgänger des Ermittlers, ist der Dackel Oswald bis heute der sauflustigste Hund in Münchens Kriminalgeschichte. Eines aber war der Kurzhaar-Vertraute von Gustl Bayrhammer (fast) nie: ein brauchbarer Polizeihund.
Was liegt an, fragt Oberinspektor Melchior Veigl. Oberwachtmeister Lenz zählt auf: ein Exhibitionist, ein Ruhestörer. „Wenn’s Spaß macht“, kommentiert Veigl. Und, ach: Da war ja noch diese entführte Dreijährige in den Händen einer gefährlichen Geisteskranken. „Nichts Neues in dem Fall?“, fragt Veigl. „Es wird langsam peinlich. Die Eltern haben mich schon wieder angerufen.“ Als Gustl Bayrhammer (1922–1993) 1972 zum ersten Mal den ersten „Tatort“-Ermittler Bayerns spielt, gibt er der Figur eine fahrlässige Gelassenheit mit. In dem höchst ärgerlichen Fall des „Münchner Kindl“ ermittelt er eher nebenbei, als dass er die Fahndung ernsthaft leiten würde. Die Sache ist halt lästig („Scherereien“). Widerwillig stellt er sich den Eltern, bemüht, unter diesen aufgeregten Personen ein wenig Ruhe, Gemütlichkeit, ja Vergnügen zu verbreiten.
Die absurde Seelenruhe, mit der Bayrhammer seinen ersten Fall entdramatisiert, kommt nicht ohne Hilfsmittel aus. Ermöglicht wird sein unerschütterliches Phlegma einzig und allein durch Oswald. Er ist ein Ruhepol im Alltag, wie jeder Mensch ihn haben möchte. Da eine Ehefrau im Hause Veigl nicht vorhanden ist, übernimmt der Kurzhaardackel die Rolle des Lebensgefährten: eine Paarung von vollendeter Harmonie. Beide lieben das Bier und die Behaglichkeit. Gleich beim ersten Auftritt – Oswald wird aus einer Aktentasche auf den Amtstisch gehievt –, schlabbert der Dackel mit seiner schaumbekrönten Schnauze ein gutes Bier aus dem Napf.
„Ein originelles Wesen“ nennt Assistent Lenz (Helmut Fischer) den Hund, und tatsächlich scheint Bayrhammer bei den Dackel-Drehs all das gelernt zu haben, was ihn ab 1982 zum kongenialen Partner des genauso originellen Pumuckls machen sollte. Allerdings ist Oswald ein ausgeglicheneres Naturell als der Klabautermann. Der Hund ist der Inbegriffwohliger Weltvergessenheit. Dienstreisen verbringt er in der wärmenden Dunkelheit von Veigls Aktentasche. (Er darf nämlich nicht ins Präsidium und muss reingeschmuggelt werden.) Die Arbeitstage lässt er bei einem guten Schluck verdämmern. Nachts döst er – Schnauzbart an Schnauzbart – neben seinem Melchior im Ehebett. Wenn dann das Telefon klingelt, wartet der Inspektor, ob Oswald zuerst aufwacht und drangeht. Doch der ist faul – und taugt auch nicht zum Polizeihund, wie Veigl am Anfang moniert. Noch nicht: Später beißt Oswald einen Verbrecher ins Bein. Keinen Geringeren als Klaus Löwitsch übrigens. Im Regelfall aber verteidigt Veigl den Hund, nicht andersrum. Als Wachtmeister Brettschneider dem indignierten Dackel auf die Füße tritt, fordert Veigl eine Entschuldigung – beim Hund natürlich. Auch für eine stets feuchtfröhliche Nase trägt der Ermittler Sorge. („Gehn S’ hoam Lenz, der Hund wird scho’ nervös, weil S’ ihm das ganze Bier wegtrinken.“)
1975 stirbt Oswald, ein Dakel-Casting verläuft ergebnislos, Veigl hängt die Leine an die Wand. In der Mehrzahl seiner Fälle – insgesamt 15 in neun Jahren – ermittelt er allein. Erst als er nach dem Mauerfall als Gast dem ostdeutschen Kollegen Ehrlicher zu Hilfe eilt, ist wieder ein Dackel dabei. Die Drohung aus dem ersten Fall jedenfalls wurde nie wahr gemacht: „Rühr dich nicht. Sonst kauf ich mir eine Schildkröte.“
Unser Tatort-Liebling am nächsten Freitag ist François Werner, Gründer desWebportals tatort-fundus.de. Morgen wiederholt der BR den Veigl-Fall „Als gestohlen gemeldet“ (21.50 Uhr).Leider ist Oswald hier schon tot; er wird nur erwähnt.Inzwischen erinnert eineFacebook-Gruppe an ihn. Stichwort: Oswald (Tatort).








