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Fußball-Tippspiel
Neue Stimmen für alte Stars
Osnabrück. 1969 war ein turbulentes Jahr. Willy Brandt wurde zum Bundeskanzler, Richard Nixon zum US-Präsidenten gewählt. Die Mondlandung und das Woodstock-Festival machten Schlagzeilen. Und das ZDF zeigte erstmals die britische Kultserie „Nummer sechs“.
Wenn jetzt der Kultursender Arte im Zuge eines Themenschwerpunkts das Zeitgefühl des „Summer of the 60s“ aufleben lässt, dann passt die Wiederaufführung von „Nummer sechs“ gut ins Schema. Der Titelheld ist ein Agent des britischen Geheimdienstes, der eines Tages sichtlich aufgebracht den Dienst quittiert. Er kehrt heim in seine Wohnung, will offensichtlich verreisen. Da strömt Gas ins Zimmer. Der Mann verliert das Bewusstsein. Als er erwacht, scheint die Umgebung anfangs unverändert.
Doch das täuscht, wie ein Blick aus dem Fenster zeigt: Der Ex-Agent befindet sich nicht mehr in London, sondern in einem putzigen Küstenort, der an eine Ferienkolonie erinnert. Die Bewohner tragen keine Namen, sondern Nummern; Herr der Gemeinschaft ist Nummer zwei. Man lebt hier beschaulich und wohlversorgt. Aber das Idyll ist ein Gefängnis, ein Entkommen unmöglich. Nummer sechs widersetzt sich. Und er wird die Flucht riskieren...
17 Folgen wurden von dieser Serie gedreht, in Deutschland bislang jedoch nur 13 ausgestrahlt. Weil Arte die Serie aber vollständig zeigen möchte, mussten vier Episoden nachsynchronisiert werden. Kein ganz leichtes Unterfangen – entweder sind die ursprünglichen Sprecher nicht mehr im Beruf, oder ihre Stimmen haben sich erheblich verändert.
Der Originalsprecher von Hauptdarsteller Patrick McGoohan war der mittlerweile vor allem als „Traumschiff“-Bordarzt bekannte Horst Naumann. Der 84-Jährige stand für Probeaufnahmen zur Verfügung und wäre trotz spürbarer stimmlicher Unterschiede unter Umständen sogar besetzt worden – gäbe es nicht Bernd Rumpf, der zur Verblüffung der Beteiligten exakt so klingt wie Horst Naumann in jüngeren Jahren. Ein Glücksfall, der sich einem Hinweis der sehr engagierten Fans der Serie verdanke, sagt Arte-Redakteurin Lisa Müller im Gespräch mit unserer Zeitung.
Für die Bücher und die Synchronregie bei den neuen Folgen zeichnet Frank Wesel verantwortlich. Das Hauptproblem bei dieser Aufgabe sei die Besetzung gewesen, berichtet er. Denn es mussten nicht nur passende Stimmen gefunden werden, sondern auch Sprecher, die den seinerzeit üblichen, überhöht dramatischen Tonfall beherrschen. „Das ist etwas, womit sich jüngere Sprecher schwertun“, so Wesel, nicht zuletzt, weil sich die Schauspielausbildung seit damals verändert habe. Für die „Nummer zwei“ hat er sogar einen sehr prominenten Sprecher gefunden: Ilja Richter, einst Spaßvogel in den Jugendsendungen des ZDF, heute mehr an seriösen Rollen interessiert.
Als Autor musste sich Wesel zunächst in die Sprache der Serie einarbeiten. Da gibt es besondere Eigenarten, für die der ursprüngliche Bearbeiter Joachim Brinkmann teils sehr originelle Lösungen gefunden hatte. Selbstredend durfte Wesel von diesen ‚Sprachregelungen‘ nicht abweichen. Ebenso musste er moderne Begriffe und Anglizismen vermeiden, Wendungen wie „nicht wirklich“, „wir müssen reden“, „das ist Geschichte“, die zwar heute gebräuchlich sind, in älteren Synchronisationen aber kaum vorkommen.
Für Frank Wesel bedeutete „Nummer sechs“ übrigens eine Entdeckung. Er kannte den Hauptdarsteller Patrick McGoohan, der zugleich als Autor, Regisseur und Produzent fungierte, aus dessen früherer Serie „Geheimauftrag für John Drake“, hatte aber „Nummer sechs“ vordem nicht gesehen. „Das hat seinen Charme“, sagt er, und Arte-Redakteurin Lisa Müller bekräftigt: „Das ist eine sehr ungewöhnliche Serie, die ihre Kraft nicht verloren hat.“
Tatsächlich ist die Serie in einigen Punkten hochaktuell, wie auch das 2009 gedrehte US-Remake beweist, das vom ZDF für den hiesigen Markt angekauft wurde. Diese Zeitlosigkeit ist einer der Gründe, weshalb die Kultgemeinde immer wieder Zulauf von jüngeren Fans erhält. Vielleicht werden es demnächst wieder ein paar mehr.
Arte zeigt zunächstsamstags je drei Folgenvon „Nummer sechs“.Ab Anfang August gibt es Wiederholungen im täglichen Vorabendprogramm.








