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Fantasievolle Gedankenwelt

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Fantasievolle Gedankenwelt

Puppentheater im Bauch einer Frau, ein Tornado auf einer Hand, eine bei der Fischjagd ratlose Katze – was mag das bedeuten? Die fantasievollen Motive auf den insgesamt 84 Karten lassen viele Interpretationen zu. Und vor allem sind sie preiswürdig: Das Assoziationsspiel Dixit des französischen Autors Jean-Louis Roubira ist das Spiel des Jahres 2010.

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Klose, Podolski und zweimal Müller – die deutsche Fußball-Nationalelf hat just ihr bisheriges Spiel des Jahres beendet: 4:1 im WM-Achtelfinale gegen England. Eine knappe halbe Stunde später legt sich in Berlin eine neunköpfige Kritiker-Jury auf das Gesellschaftsspiel des Jahres fest. Am Sonntag um 18.16 Uhr steht auch dieser Gewinner fest. Doch bis zur Preisverleihung gestern Morgen bleibt das Abstimmungsergebnis ein wohl gehütetes Geheimnis. Erst im Moment der Verkündung entlädt sich die Spannung: Autor Roubira und Grafikerin Marie Cardouat, die mit ihren Illustrationen das Spiel in eine verträumte Atmosphäre getaucht hat, fallen sich in die Arme, Tränen kullern über die Wange. Dabei sind sie die beiden Ehrungen gewohnt: Dixit räumte bereits die Auszeichnungen in Frankreich und Spanien ab. Nun erhält es mit dem roten Spiel-des-Jahres-Pöppel den weltweit wichtigsten Preis der Branche.

Die Faszination von Dixit liegt darin, dass es zum einen die eigene Fantasie anregt, zum anderen aber auch dazu auffordert, den Gedankengängen der Mitspieler zu folgen. Roubira hat die Spielidee (siehe nebenstehende Box) in seiner Profession als Kinderpsychologe an einer Klinik in Poitiers entwickelt. „Ich möchte, dass Kinder kreativ werden“, erläutert der 48-Jährige gestern in Berlin. Und erklärt sich den Erfolg seines Spiels damit, dass alle Menschen eben den Wunsch verspüren, kreativ zu sein. Sicher ist, dass ihm mit Dixit – auch dank einfacher Regeln – die Kunst gelingt, verschiedene Generationen gemeinsam an den Spieltisch zu locken.

Zugleich bescheren er und Grafikerin Cardouat dem erst im Jahr 2008 gegründeten französischen Kleinverlag Libellud einen bemerkenswerten Premierenerfolg, denn Dixit ist bislang dessen erste und einzige Veröffentlichung. In Deutschland wird es von der Firma Asmodee vertrieben. Seit kurzem gibt es Dixit 2, das 84 zusätzliche Karten enthält.Neben Dixit sind von der Jury noch vier weitere Titel für den Preis Spiel des Jahres nominiert gewesen. Wie Dixit zählen auch das würzige Kochspiel A la Carte (Heidelberger Spieleverlag) und das Zeichenspiel Identik (Asmodee) zu den kommunikativen Spielen. Bei beiden Letzteren wird zudem viel gelacht.Bei dem wundervoll gestalteten Brettspiel Fresko (Queen Games) sind strategisch denkende und planerisch vorgehende Malermeister gesucht. Im Wandel der Zeiten – Das Würfelspiel (Pegasus) überzeugt mit einfachem Zugang und klar strukturiertem Wertungsblock. Zudem ist erstmals der „Sonderpreis Spiel des Jahres plus“ an die gleichnamige Umsetzung des Ken-Follett-Romans „Die Tore der Welt“ (Kosmos) vergeben worden. Der Preis Kinderspiel des Jahres wird am 2. August in Hamburg verliehen.

Karsten Grosser, Redakteur unserer Zeitung, ist Mitglied der Jury „Spiel des Jahres“.



 
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