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TippspielKassing will Landrat werden: „Ich kann auch als unabhängiger Kandidat antreten“
Nach der gescheiterten Wiederwahl zum Ersten Kreisrat hält Reinhold Kassing an seiner Kandidatur für die Nachfolge von Landrat Manfred Hugo fest. In einem Interview mit unserer Zeitung schließt das CDU-Mitglied nicht aus, auch als unabhängiger Bewerber für den Chefsessel im Kreishaus ins Rennen zu gehen.
Das war für mich schon ein richtiger Tiefschlag. Wer behaupten würde, das ginge spurlos an einem vorbei, der sagt nicht die Wahrheit. Ich habe mich sehr gefreut, dass meine Frau an dem Tag anwesend war, das wir abends noch mit der ganzen Familie essen gegangen sind. Das hat das Ganze doch sehr stark aufgefangen. Im Übrigen ist es meine persönliche Grundeinstellung, dass die Familie für mich an erster Stelle steht, dann die Frage des Glaubens eine zentrale Rolle spielt und erst dann der Landkreis. Aber trotzdem tut es auch heute noch richtig weh.
Mit welchem Ergebnis bei der Abstimmung hatten Sie denn gerechnet?
Ich habe am Beginn meiner Überlegungen mit einem anderen Ergebnis gerechnet. Allerdings habe ich dann am Montagmorgen das Ergebnis erwartet, dass letztlich auch herausgekommen ist.
Ihnen wird unterstellt, der Drahtzieher der anonymen Anzeige gegen Georg Schirmbeck zu sein. Wie gehen Sie damit um?
Diese Aussage grenzt an Rufmord. Ich habe mit der Anzeige überhaupt nichts zu tun. Ich habe sie weder selbst veranlasst, noch habe ich jemals in der Frage überhaupt auch nur mit der Staatsanwaltschaft Osnabrück Kontakt gehabt. Da das inzwischen aber vielfach kolportiert wird, habe ich mich entschlossen, gegen denjenigen, der das behaupten sollte, auch juristisch vorzugehen. Das ist jetzt keine Frage der Drohung, sondern eine Frage der Glaubwürdigkeit meiner Aussage, dass ich mit dieser Angelegenheit bei der Staatsanwaltschaft nichts zu tun habe.
Haben Sie zu Georg Schirmbeck seit der Entscheidung am Montagabend Kontakt gehabt?
Nein. Ich habe bisher keinerlei Kontakt zu Georg Schirmbeck gehabt. Ich sehe auch keine Notwendigkeit, von meiner Seite aus auf ihn zuzugehen.
Wie bewerten Sie die Situation in der CDU und in der CDU-Kreistagsfraktion nach der Sitzung vom Montag?
Ich bin nicht Mitglied der CDU-Kreistagsfraktion und werde deshalb in dieser Frage keine Bewertung abgeben. Die CDU-Fraktion wird mit dieser Angelegenheit intern umgehen müssen. Da sind Ratschläge von außen auch nicht gefragt.
Und wie bewerten Sie die Situation der Landkreis-CDU?
Der Vorstand der Kreispartei hat der Kreistagsfraktion ganz eindeutig empfohlen, mich als Ersten Kreisrat wiederzuwählen. Die Kreistagsfraktion ist offensichtlich dieser Empfehlung nicht nachgekommen.
Wann und warum ist es zwischen Ihnen und Georg Schirmbeck zum Zerwürfnis gekommen?
Da gibt es kein konkretes Datum. Ich würde es auch nicht als Zerwürfnis bezeichnen. Wir haben eine klare Arbeitsteilung in der Verwaltung: Die Kontakte zum Fraktionsvorsitzenden werden vom Landrat wahrgenommen, sodass ich auch nicht feststellen konnte, wann sich diese Entwicklung so herausgestellt hat.
Haben Sie denn möglicherweise selbst in den vergangenen Tagen oder Wochen vor der gescheiterten Wiederwahl zum Ersten Kreisrat irgendeinen Fehler gemacht, den Sie lieber ungeschehen machen würden?
Fehler macht auf jeden Fall jeder. Dass ich nicht wiedergewählt wurde, ist nüchtern betrachtet ein normaler Vorgang. Das Schlimme ist, dass nach einer Leistungsbilanz meiner ersten Amtszeit oder den Perspektiven nie jemand gefragt hat. Das hat offensichtlich überhaupt keine Rolle gespielt, sondern ausschließlich Unterstellungen und Mutmaßungen. Ich habe ja erst auf meinen Einwand hin zu den Fragen, die mich betreffen, eine Einladung zur Fraktionssitzung bekommen. Erst nachdem ich mich gemeldet hatte und gesagt habe, jeder hat einen Anspruch auf rechtliches Gehör, hat man mich überhaupt einmal in eine derartige Fraktionssitzung eingeladen.
Am 2. Oktober soll die Urwahl stattfinden für den Landratskandidaten der CDU. Werden Sie daran teilnehmen?
Die Frage habe ich für mich noch nicht abschließend entschieden. Die Tendenz ist bei mir jedoch positiv, weil ich in den vergangenen zwei Tagen mit einer Flut von Mails, SMS und Anrufen überschüttet worden bin, die mich darin bestärken, weiterhin für den Landkreis Osnabrück zu arbeiten.
Wir verstehen Sie so, dass Sie aus heutiger Sicht sich dieser Urwahl stellen werden…
Die Wahrscheinlichkeit spricht mehr dafür, dass ich es machen werde. Ich kann aber nicht ausschließen, eine andere Aufgabe zu übernehmen, wenn ich ein Angebot zum 1. Juni nächsten Jahres bekommen sollte. Allerdings ist die Tendenz momentan klar, dass ich als Landratskandidat antreten würde.
Kommt für Sie nur eine Kandidatur für die CDU infrage oder könnten Sie sich auch eine Kandidatur als Unabhängiger oder für eine andere Partei vorstellen?
Es gab im Vorfeld eine klare Aussage. Die CDU würde mich als Erster Kreisrat wiederwählen. Dann sollte ich mich dem Verfahren stellen, und dann gibt es eine Entscheidung, wer der Landratskandidat ist. Dann wäre ich mit Sicherheit nicht als unabhängiger Kandidat angetreten. Nach den Vorfällen der letzten Tage kann ich mir auch vorstellen, als unabhängiger Kandidat anzutreten.
Würden Sie dafür die CDU verlassen oder als unabhängiger Kandidat mit CDU-Parteibuch ins Rennen gehen?
Es kommt jetzt ganz entscheidend darauf an, ob jemand in der CDU das Gespräch mit mir in dieser Frage sucht oder nicht. So kurz nach der gescheiterten Wiederwahl kann und will ich noch keine derartigen Entscheidungen treffen.
Im Moment hat also die Landratskandidatur für Sie Priorität, und nur falls jemand auf Sie zukommen sollte mit einem anderen Angebot für die Zeit ab dem 1. Juni 2011 würden Sie sich damit konkret beschäftigen?
Ich werde aktiv dieses Thema zurzeit nicht angehen, weil ich auch bis zum 31. Mai 2011 meine Aufgaben als Erster Kreisrat hier mit dem gleichen Elan und mit dem gleichen Enthusiasmus weiterführen werde, wie das bisher der Fall war. Das ist mein Pflichtgefühl, aber ganz klar auch die Loyalität meinem Landrat gegenüber. Die Zusammenarbeit mit Manfred Hugo ist ein wirklicher Glücksfall.
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